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Die Schlafwandler. Eine Romantrilogie.
 
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Die Schlafwandler. Eine Romantrilogie. (Broschiert)

von Hermann Broch (Autor)
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Produktinformation

  • Broschiert: 758 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp (1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518390864
  • ISBN-13: 978-3518390863
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 754.150 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Schlafwandler
OA 1931/32 Form Romantrilogie Epoche Moderne
Die chronologisch auf die Jahre 1888, 1903 und 1918 verteilte Romantrilogie von Hermann Broch gibt einen Querschnitt der Wilhelminischen Epoche, der den allmählichen Verlust einer veralteten Werteordnung und das Aufkommen der rational und funktional orientierten Moderne an Charakterbeispielen darstellt.
Inhalt: Im ersten Teil, Pasenow oder die Romantik, geraten unter dem Einfluss des Kaufmanns Eduard von Bertrand die religiösen Überzeugungen und das patriotische Pflichtgefühl des Gutsbesitzersohns Joachim von Pasenow ins Wanken. Dennoch entzieht er sich der unglücklichen Affäre mit dem Animiermädchen Ruzena, um in der Ehe mit der zum Tugendideal verklärten Elisabeth von Baddensen einen den starren gesellschaftlichen Konventionen entsprechenden Ersatz für die metaphysische Leere seiner Existenz zu finden.
Der entlassene Buchhalter August Esch, Vertreter des kleinbürgerlich-proletarischen Milieus, begegnet seiner als willkürlich erlebten Umwelt im zweiten Teil, Esch oder die Anarchie, mit zunehmendem Realitätsverlust. Eine »anarchische« Opfer- und Erlösungsfantasie leitet seinen Plan, den für den Kopf einer Weltverschwörung gehaltenen Mannheimer Industriellen Bertrand zu beseitigen. Die Ehe mit der älteren Gastwirtin Gertrud Hentjen zügelt den »falschen« Idealismus.
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gelangt der gelernte Kaufmann Wilhelm Huguenau, Hauptfigur des dritten Teils, Huguenau oder die Sachlichkeit, durch Betrug und mit Hilfe des Stadtkommandanten Joachim von Pasenow in den Besitz der Druckerei des ermordeten August Esch. Die Geschichte des Opportunisten ist um die Parallelerzählungen des Leutnants Jaretzki, des Maurers Gödicke und der Hanna Wendling ergänzt, die für Vereinsamung und körperliche wie geistige Versehrtheit stehen. Der vom Intellektuellen Bertrand Müller vorgetragenen Abhandlung über den Zerfall der Werte steht zudem die Geschichte eines Heilsarmeemädchens in Berlin als poetischer Kontrast gegenüber.
Aufbau: Ein traumartiger Schwebezustand, in dem das »Nicht mehr« und das »Noch nicht« eines eminenten gesellschaftlichen Umbruchs als irrational und vorbewusst erlebt wird, bestimmt das Handeln der Figuren. Der Versuch, sich einen Lebenssinn zu geben, scheitert am Konflikt der individuellen Werteordnung mit der Realität. Wurde Pasenow von einer »romantisch«-religiösen Fantasie geleitet, war es bei Esch ein »anarchisches« Ideal der Befreiung, das durch erotische Abenteuer kompensiert wurde. Huguenau typisiert den »sachlichen«, modernen, d. h. »wertfreien«, egoistischen Menschen einer neuen Zeit.
Broch stellt den Wandel in unterschiedlichen Stilen dar. Die Geschlossenheit des ersten Teils bricht gegen Ende des Romans auf, um in einer parallelen Anordnung verschiedener Erzählstränge die plurale, polyphone Wirklichkeit abzubilden. Dabei sind die Romanteile durch Wiederholungen und Anspielungen, Motive, Symbole und Namen kunstvoll miteinander verbunden. Der Unmöglichkeit, die Welt in ihren zahlreichen Facetten zu erkennen, setzt Broch unter dem Einfluss so unterschiedlicher Denker wie Ernst R Bloch, James R Joyce, Immanuel R Kant, Sören R Kierkegaard, Georg R Lukács oder Heinrich R Mann den Nachweis einer über die Form des Romans herstellbaren Totalität entgegen und beendet den Text mit einer paulinischen Erlösungsutopie.
Wirkung: Besonders unter Schriftstellern sind Die Schlafwandler, denen ein Erfolg aufgrund der nationalsozialistischen Machtergreifung zunächst nicht vergönnt war, von größtem Einfluss. Die gesellschaftliche Analyse in souverän angewandten Stillagen, die Einbindung unterschiedlicher Gattungen, die durch Zitate und Anspielungen erzeugte Offenheit und das hohe Maß an dichterischer Selbstreflexion wirken bis auf die Romanproduktion der Gegenwart. C. Z. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .


Kurzbeschreibung

Im ersten Teil, Pasenow oder die Romantik, geraten unter dem Einfluss des Kaufmanns Eduard von Bertrand die religiösen Überzeugungen und das patriotische Pflichtgefühl des Gutsbesitzersohns Joachim von Pasenow ins Wanken. Dennoch entzieht er sich der unglücklichen Affäre mit dem Animiermädchen Ruzena, um in der Ehe mit der zum Tugendideal verklärten Elisabeth von Baddensen einen den starren gesellschaftlichen Konventionen entsprechenden Ersatz für die metaphysische Leere seiner Existenz zu finden. Der entlassene Buchhalter August Esch, Vertreter des kleinbürgerlich-proletarischen Milieus, begegnet seiner als willkürlich erlebten Umwelt im zweiten Teil, Esch oder die Anarchie, mit zunehmendem Realitätsverlust. Eine >>anarchische<< Opfer- und Erlösungsfantasie leitet seinen Plan, den für den Kopf einer Weltverschwörung gehaltenen Mannheimer Industriellen Bertrand zu beseitigen. Die Ehe mit der älteren Gastwirtin Gertrud Hentjen zügelt den >>falschen<< Idealismus. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gelangt der gelernte Kaufmann Wilhelm Huguenau, Hauptfigur des dritten Teils, Huguenau oder die Sachlichkeit, durch Betrug und mit Hilfe des Stadtkommandanten Joachim von Pasenow in den Besitz der Druckerei des ermordeten August Esch. Die Geschichte des Opportunisten ist um die Parallelerzählungen des Leutnants Jaretzki, des Maurers Gödicke und der Hanna Wendling ergänzt, die für Vereinsamung und körperliche wie geistige Versehrtheit stehen. Der vom Intellektuellen Bertrand Müller vorgetragenen Abhandlung über den Zerfall der Werte steht zudem die Geschichte eines Heilsarmeemädchens in Berlin als poetischer Kontrast gegenüber. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Genie oder Wahnsinn, 8. September 2009
Von Holger Birker "Holbi" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Zur Trilogie "Die Schlafwandler" von Hermann Broch wurden, wie man im Anhang lesen kann mehr als 100
weitere kluge Bücher geschrieben. Das weisst darauf hin, dass das Machwerk vieler Auslegungen bedarf
um verstanden zu werden.

Wie neuerdings in "Der Turm" von Uwe Tellkamp wechselt der Autor dauernd zwischen verschiedenen Erzählungen
und Personen die irgendwann später im Roman zusammentreffen, oder auch nicht, sowie literarischen
und philosophischen Erwägungen die schwer zu verstehen sind. Die theologischen Inhalte die den jüdischen Glauben,
die beiden christlichen Konfesionen und immer und immer wieder die "Heilsarmee" betreffen, welche es dem Autor besonders angetan hat, sind ziemlich wirr. In meine Augen spiegelt sich die Unsicherheit des Autors wieder was am "Glauben" ernst zu nehmen ist und ob ein persönlicher Glaube an Gott ohne die Religionen auskommt.

In den Kapitel über die Wandlung der Werte steckt eine fast unverdauliche Kost. Die Aussagen
sind sicher genial - ausser Broch wäre sonst niemand darauf gekommen.
Hier sind aber wie bei vielen anderen Stellen im Buch, Gleichnisse und Ausdrücke der Lutherbibel
entnommen, die eine eingehende Beschäftigung mit dem Text und der Bibel erforderlich machen um
die Zusammenhänge zu verstehen. Durch die Verwendung und Verdrehung der biblischen Begriffe hat
das Buch eine pseudoprophetische Seite, die nicht überbewertet werden darf.

Betrand welcher der "grosse Bruder" wie aus "1984" und auch ein "warmen Bruder" ist, geistert durch
den Roman. Er ist der seichte und bewunderte Führer, seichte Verführer, Strippenzieher und unaufällige Satan.

Huguenau erinnert an Peachum aus Brechts Dreigroschenroman, den Geschäftsmann der auf nicht strafbare aber unmoralische
Weise seinen Vorteil sucht und findet. Die Hauptfigur Esch wandelt sich im Roman vom Anarchisten und Ehebrecher zum
Bibelschüler, was allerdings keiner grossen Veränderung bedurfte. Seine angeblich anarchistischen Ideen sind auch die der Bibel - nach seiner Auslegung.

Das Buch lohnt sich auf jeden Fall zu lesen. Man kann durchaus (wie bei Telkamp) die zähen Stellen
überlesen und sich an den witzigen Geschichten aus 3 Epochen erfreuen, und an Gleichnissen und Philosophie
mitnehmen, was man eben versteht. Mit der Theologie des Buches, wenn es eine sein soll, kann ich nicht anfangen
sie ist vielleicht so wirr wie das Genie Broch selbst.

Holger Birker












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4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Werte sind überflüssig geworden., 15. November 2002
Diese Rezension stammt von: Die Schlafwandler (Taschenbuch)
Der Radikale Wandel der Werte beim Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft wird sowohl im Inhalt als auch in der Form der drei Teile beschrieben bzw. auch sinnlich erfassbar gemacht.
Dieser Satz hört sich jetzt nach einer belehrenden oder oberlehrerhaften Haltung des Autors an, das ist aber nicht.
Vielmehr versteht Broch es auch durch die Unterschiedlichkeit der Stile und Beibehaltung immer mindestens 1er Person die auch in einem der anderen beiden Teile vorkommt, sich aber zwischenzeitlich selbst verändert hat, ein sehr interessantes und trotz der über 1000 Seiten nie langatmiges Ganzes zu schaffen.
Ich habe das Buch sozusagen auf "Anraten" Milan Kunderas gelesen, der in seinem literaturkritischen Buch "Verratene Vermächtnisse" Broch als einen zu wenig rezipierten "Großen" darstellt, und ich habe es nicht bereut.
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2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Nicht jedermanns Sache, 20. März 2000
Von Ein Kunde
In seiner Romantrilogie unternimmt Broch die Verquickung von erkenntnistheoretischer Analyse und Romanhandlung. Doch je stärker die einzelnen Bereiche voneinander abgegrenzt dargestellt werden, desto mehr verliert der Text die überzeugende Einheitlichkeit. Dies trifft insbesondere auf den dritten Teil "Huegenau" zu. Dort überkreuzen sich die ursprüngliche Romangeschichte um Huegenau, in der sowohl v. Pasenow aus dem ersten Roman als auch Esch aus dem zweiten auftreten, die Geschichte des Heilsarmeemädchens und die theortischen Darstellungen unter der Überschrift "Zerfall der Werte". Die Erzählperspektive wechselt genauso wie die Textform: Prosa wird von Lyrik und Schauspiel unterbrochen. Insofern gibt insbesondere der dritte Teil, der alles Vorhergehende aufnehmen und dialektisch zur Synthese bringen soll, ein sehr uneinheitliches Bild ab. Dies geht zu Lasten der Überzeugungskraft.

Die in der Romanhandlung portraitierten Personen sind den theoretischen Ansätzen Brochs zu stark unterworfen, so daß sie der Intention Brochs entsprechend zwar Beispiele und Belege für seine Auffassung sind. Auf der anderen Seite erscheinen die Personen jedoch zu hölzern. Das tatsächliche Leben in seiner Komplexität wird nicht überzeugend dargestellt. Der Anspruch Brochs, genau diese Komplexität darzustellen, ist aber unschwer erkennbar. Diese Diskrepanz schadet dem Text.

Bei durchaus interessanten und erhellenden theoretischen Analysen verfällt Broch insbesondere gegen Ende des "Zerfalls der Werte" in eine unangemessen absolute Argumentation: Der absolute Nullpunkt wird erreicht von dem die Entwicklung wieder in höchste Höhen bis zum nächsten Kulminationspunkt steigt, und in der Revolution wird die höchste Entwicklungsstufe erreicht, gleichzeitig aber wird die primitivste der neuen Stufe aktiv u. ä. Eine solche Argumentation erfasst m. E. die tatsächliche Welt falsch.

Am überzeugendsten ist Broch dort, wo er seinen theoretischen Überbau zu Gunsten einer exakten Wirklichkeitssicht vergißt. Dies ist passagenweise im ersten Roman "Pasenow" der Fall. Seine Analyse und Darstellung der Familienverhältnisse ist gut gelungen.

Ansonsten sind die bereits oben erwähnten erhellenden theoretischen Analysen positiv zu würdigen. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der Entwicklung vom gesellschaftlich orientierten Menschen zum Individualisten, dem sämtliche gesellschaftlichen Normen fehlen im letzten Roman.

Zusammenfassend sind die Schlafwandler nur bedingt zu empfehlen. Sie gehören wohl in den Kanon literaturwissenschaftlich relevanter Werke. Einige gute Ideen sind durchaus enthalten. Vergnügen bereitet die Lektüre aber auf keinen Fall.

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