Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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28 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Reger, Atzbacher und Irrsigler; das Trio mit dem weißbärtigen Mann, 30. Juni 2008
Der Musikphilosoph Reger, der seit 36 Jahren jeden zweiten Vormittag (ausser montags) ins Wiener Kunsthistorische Museum geht (der Nachmittag wird im Ambassador verbracht), um dort im Bordone Saal gegenüber Tintorettos Bild "Der weißbärtige Mann" über den Sinn des Lebens, die Kunst, Politik und viele andere Themen zu sinnieren. Der Platz auf der Sitzbank im Bordone Saal wird Reger seit Jahrzehnten vom treuen Saaldiener Irrsigler (der den Job nur gewählt hat, weil er, nachdem er bei der Polizei wegen physischer Schwächen ausgemustert wurde, sich zugunsten der Uniform, aus rein praktischen Gründen, entschieden hat) quasi reserviert. Der 82-jährige Reger bittet Atzbacher (ein Schriftsteller, der sich dem Veröffentlichtwerden verweigert- ein Alter Ego Thomas Bernhards) ausnahmsweise an einem darauffolgenden Tag (noch dazu ein Samstag, ein Tag an dem Horden von lauten russischen, italienischen und anderen Touristen durchs Museum geschleift werden) um 11.30 zu einem Treffen. Das Buch beginnt damit, dass Atzbacher Reger aus einem benachbarten Saal heraus beobachtet, da er sicherheitshalber zu früh gekommen ist, um dann pünktlich um 11.30 vor Reger erscheinen zu können. Den Grund für diese Inkonsequenz Regers erfahren wir erst am Schluss. Vor der Erklärung lesen wir Regers Gedanken und Schimpftiraden, bei denen u.a. die österreichische Politik, Adalbert Stifter, Anton Bruckner, Staatskünstler, Burgenländer, Haushälterinnen, Kirchendiener (ja sogar der Papst) und die Toiletten in den Wiener Kaffeehäusern schlecht aussteigen. "Alte Meister" ist wahrscheinlich auf den ersten Blick das heiterste Buch Thomas Bernhards, wobei diese Heiterkeit an der Oberfläche bleibt, wie in jeder doppelbödigen Komödie ist das Heitere eigentlich das Traurige und vize versa. Irgendwie ist dieses Buch aber auch das einzige Buch Thomas Bernhards, das so etwas wie eine Liebesgeschichte in sich birgt. Regers Liebe zu seiner verstorbenen Frau ist für mich der emotionelle Mittelpunkt in diesem als Komödie betitelten Prosawerk. Der Schluss ist überraschend und arabesk heiter.
Thomas Bernhards Prosa ist einzigartig, unvergleichlich und überhaupt nicht spröde, sie ist spritzig, geistreich und fesselnd. Um ein Meisterwerk wie "Alte Meister" wirklich genießen zu können, sollte man vielleicht doch einen ganzen Abend (inkl. Nachmittag...) Zeit haben, oder das Buch maximal auf 2-3 Tranchen aufgeteilt lesen, da es sich nur dann in seiner Schönheit entfalten kann, wenn man Thomas Bernhards Linien so folgen kann, wie er schreibt, also im Prinzip, ohne Absätze und einem Zug.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Höhepunkt Thomas Bernhards, 20. Juni 2000
Von Ein Kunde
Was definitiv in Bernhard-Analysen immer zu kurz kommt, ist sein absolut unbeschreiblicher Humor. Dieses Buch ist möglicherweise sein witzigstes, teilweise habe ich Tränen gelacht. Höhepunkt des Buches ist die Stelle, an der Bernhard mit absoluter Bedingungslosigkeit über Stifter und Heidegger herfällt. Das und vieles andere in diesem Buch ist einfach von einer unglaublichen Komik! Unbedingt lesen!
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Alte Meister, 1. August 2004
Thomas Bernhard. Alte Meister. Ein typisches Spätwerk des Autors. Der typische Humor. Das typische Beschimpfen der Welt, insbesondere Österreichs und der katholischen Kirche. Doch eines ist anders als bei den übrigen Werken. Es ist ein Liebesbuch. Wiedergegeben werden in ihm die Gedanken und Wort Regers, eines 82-jährigen "Musikphilosophen". Dieser hat vor ca. einem Jahr seine Frau verloren, mit der er zuvor jahrzehntelang zusammen gelebt hatte. Als diese plötzlich starb, wurde Reger erst bewusst, dass die von ihm sehr geliebte Frau das Höchste war, das er besaß. Die Kunst, von Reger sein Leben lang als das Höchste angesehen, kann ihm die Frau nicht ersetzen. Diese und weitere Gedanken Regers werden von Bernhard auf höchst ergreifende und rührende Weise geschildert. Wie fast sämtliche Werke Bernhards kann ich Alte Meister bedenkenlos empfehlen.
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