Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Spitzenwerk zum Thema Verantwortung und Schuld, 31. Mai 2003
Der Icherzähler ist ein Lehrer in einer Schule des nationalsozialistischen Deutschlands/Österreichs vor Kriegsausbruch und unterrichtet dort die Unterstufe. Es ist die Geschichte dieses Lehrers und seiner persönlichen Weiterentwicklung. Er erzählt wie er sich dem Regime beugt, obwohl er es nicht mag. Langsam aber sicher lädt dieser Lehrer immer mehr Schuld auf sich. Nicht weil er Böses tut, sondern weil er Gutes unterlässt, aus Angst vor den Folgen der eigenen Courage. Allmählich empfindet er selbst die Situation als unerträglich - da entschließt er sich endlich, dass seine einzige Pflicht ist, der Wahrheit treu zu sein.Die Kritik an den Mitläufern im Naziregime ist unüberhörbar und dennoch ist dies nur ein Nebenthema. Es geht um persönliche Verantwortung und Schuld; darum wie ein Mensch dieses Thema erlebt und wie er damit umgeht. In der Schilderung dieser existenziellen Probleme eines Menschen kann man Ansätze erkennen, wie sie später z.B. bei Camus wiederzufinden sind. Horvath jedoch zieht andere Schlüsse. Er geht vor Camus eigentlich einen Schritt weiter. Ein großartiges Prosawerk, des Dramatikers Ödön von Horvath, der viel zu jung im Jahr 1938 in Paris einem Unglücksfall zum Opfer fiel.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Muss für jeden kritischen Menschen!, 2. März 2000
Von Ein Kunde
Horvath betrachtet aus der Perspektive eines Lehrers, der zur Zeit des 3. Reiches lebt, die Entwicklung der Gesellschaft, speziell der Jugend. Der Leser fühlt sich in den ständigen Konflikt des Lehrers hineinversetzt, der entscheiden muss, seinen Schülern die Meinung der Nazis beizubringen oder nach seinem Gewissen zu handeln und damit seinen Arbeitsplatzt zu verlieren. Horvath schreibt sehr symbolhaft, und in dem Buch steckt soviel Materie, das man es mehrmals lesen kann ohne dass es langweilig wird, da man immer wieder neue, verborgene Hinweise entdeckt. Ein sehr interessantes Buch, das jeder lesen sollte.
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Geschichte mal anders aufbereitet, 30. März 2006
Von Ein Kunde
Ödön von Horvàth beschreibt in seiner Erzählung „Jugend ohne Gott" einige Tage im Leben eines jungen Lehrers L, welcher Geschichte und Geographie an einer deutschen Volksschule unterrichtet. An dieser Schule sind viele Kinder einflussreicher Eltern. Die von von Horvàth erzählte Geschichte spielt zur Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten um 1933 in Deutschland. Nachdem der Lehrer L im Unterricht auch Schwarze als Menschen bezeichnet hatte, wurde er durch einen seiner Schüler und dessen Eltern beim Direktor dieser Schule angeschwärzt und muss von dort an Veranstaltungen teilnehmen, die auch ihn und nicht nur seine SchülerInnen erziehen sollen. Die Position des Lehrers war bis zu dem Vorfall im Unterrichtsgespräch recht aussichtsreich, dass änderte sich jedoch mit diesem beschriebenen Vorfall und die liberale Einstellung des Lehrers ist somit nicht mehr n Zukunft gefragt. Sein Angagement innerhalb der Schule ist trotz allem aber ungebrochen und auf Grund einer politischen Weisung werden die Osterferien in einem Zeltlager verbracht, in dem die Schüler und Schülerinnen getrennt von einander eine militärische Grundausbildung durch Reservisten erhalten. Nach einigen merkwürdigen Geschehnissen und vielen Erkundungsmärschen, die zum Teil der Aufklärung von Vorkommnissen dienen sollen, lernt der Lehrer, der die schulische Aufsicht führen soll, den Dorfpfarrer eines nahegelegenen Dorfes kennen. In einem ausgedehnten Gespräch diskutieren die Beiden über das ideale Menschenbild und die aktuellen Geschehnisse der Zeit. Der Hauptaspekt dieses Dialogs ist die Frage nach dem freien Willen bzw. dem Determinismus. Dieser Dialog ist für mich auch die markanteste Stelle der Erzählung. Schließlich sollte die Kapitelüberschrift („Auf der Suche nach dem Ideal der Menschheit") auch gleichzeitig der Titel des Werkes werden, der aber in anbetracht des Erscheinungsjahres und der Aktualität umgeändert wurde um nicht durch die Nationalsozialisten verboten zu werden. In der Folge geschehen auf etlichen Nebenschauplätzen unerklärbare Verbrechen der unterschiedlichsten Art und der Lehrer täuscht sich in vorher für integer gehaltenen Schülern. Nachdem dann auch noch ein Mord begegangen wird und dieser einem seiner Schüler angehaftet werden soll, beginnt der Lehrer die Aufklärung und bekommt mehr und mehr Verständnis für die Situation. Aus der Ich - Erzählhaltung heraus wird in diesem Werk durch von Horvàth Kritik an der damaligen Zeit in schriftlicher Form verfasst. Die Erzählung verläuft gleichsam eines unregelmäßigen Tagebuchberichts während der Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Während die Hauptperson (der Lehrer) den liberalen Part der Erzählung übernimmt und quasi die Opposition bildet, scheint seine direkte Umgebung, wie die SchülerInnen, die Reservisten oder auch die Justiz bereits durch Indoktrination gefangen. Lediglich der Pfarrer des Dorfes mit dem der Lehrer ein für mich interessantes und intensives Gespräch führt, scheint dieser noch nicht verfallen zu sein. Die Erzählhaltung vermittelt dem Leser ein direktes Gefühl der Teilnahme in dieser Zeit und vermittelt zusätzlich eine Position bzw. einen Einblick aus einer selten dargebotenen Perspektive, wenn es um die Zeit der Nationalsozialisten geht. Von Horvàth sagte selbst, „dass er ein Buch für die Jugend geschrieben hat, die heute bereits nicht mehr die Gleiche ist." Dem Stil der Erzählung nach, möchte ich diese Erzählung mit der Novelle „Tonio Kröger" von Thomas Mann vergleichen. Beide suchen in ihren Werken nach dem idealen Menschenbild, der eine für das Fortbestehen einer friedlichen Welt (von Horvàth) der Andere für die Synthese aus Kunst und dem bürgerlichen Leben. Die Divergenz der Betrachtungsweise mit Blick auf die politische Situation und die Aufarbeitung in diesen Erzählungen basiert auf den ca. drei Jahrzehnten Differenz und den unterschiedlichen Brennpunkten der jeweiligen Zeit. Von Horvàth wird oftmals unter die Exilliteratur der dreißiger Jahre eingestuft und Thomas Mann eher als unpolitischer Schriftsteller der Zeit u 1900, wenn man seine frühen Werke betrachtet. Meiner Meinung nach, ist „Jugend ohne Gott" nicht nur ein aufklärerisches Werk von Horvàths, sondern auch eines der Besten Bücher über die Zeit der Machtergreifung in Deutschland. Zu einen bedingt durch die hervorgerufene Perspektive der Erzählung, zum anderen durch die leicht verständliche Art des Schreibstils, so dass dieses Buch nicht nur ein annehmbares Werk für den Deutschunterricht ist, sondern auch als private Lektüre zum Lesen gefällt. Auch eine Altersbeschränkung nach oben, ist für mich nicht notwendig. Es sollte lediglich für das Verständnis dieser Erzählung ein gewisses Wissen um die deutsche Geschichte von 1930 an vorhanden sein. Auf Grund der interessanten Aufbereitung und Darstellung der unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Charaktere und im Verbund mit den Kommentaren dieser besonderen Ausgabe der Suhrkamp Basisbibliothek ist diese Erzählung eine Bereicherung der deutschen Literatur mit geschichtlichen Zusammenhängen. Auch ein gewisser Spannungsfaktor ist in diesem Buch enthalten und lässt in meinen Augen keine Wünsche offen. Diese Erzählung ist also insgesamt nicht nur für den Deutschunterricht, sondern auch für häuslichen Gebrauch in jedem Alter geeignet.
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