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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir atmen nicht - Ein junger jüdischer Autor erzählt eindrucksvoll von der Aktualität des Vergangenen, 27. November 2006
Wir atmen nicht. Der Ort ist nahe Jedenew, wir hören die Jedenewer Bauern singen, grölen, Klarinette, Akkordeon spielen ..
So beginnt Kevin Vennemanns Roman Nahe Jedenew, in dem zwei Zwillingsschwestern, in einem Baumhaus versteckt, erzählen, wie sie beobachten, wie mit einem Schlag jene funktionierende Zweckgemeinschaft zerbricht, die Juden und Katholiken an ihrem Ort, wahrscheinlich in Polen, dort über viele Jahre verbunden hatte.
Kevin Vennemanns Sprache zieht den Leser sofort hinein in den Sog und Bann der sich überstürzenden Ereignisse. Durch den Überfall der Deutschen wird der Ort zum Kriegsschauplatz, die Zweckgemeinschaft zerbricht, der alte Antisemitismus bricht durch, polnische Bauern plündern die Höfe zweier jüdischer Familien.
Versteckt in einem Baumhaus erinnern sich die beiden Schwestern an zurückliegende Kindersommer mit ihren vielen Abenteuern, und ihre Erinnerungen auch an ihre eigene Familiengeschichte fließt mit der äußeren aktuellen Bedrohung und Gefahr zusammen in einer Prosa von außerordentlicher Dichte und Sprachmacht.
Ein absolut gelungenes Romandebüt von einem Autor, von dessen Sprachgewalt man bald in einem zweiten Roman mehr lesen möchte,.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erschütternd, kraftvoll, beeindruckend, 23. Februar 2006
"Nahe Jedenew" ist eins der beeindruckendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Mit einer ungeheuren sprachlichen Kraft und Intensität läßt Kevin Vennemann das traumatisierte Bewusstsein zweier Schwestern lebendig werden, die aus ihrem Versteck machtlos zusehen müssen, wie ihre Familie - und damit ihr bisheriges Leben - durch ein Pogrom zerstört werden. Verzweifelt beschwören sie Erinnerungen an ihre bis vor kurzem heile und schöne Kinder- und Jugendzeit, und der Verzicht auf jeglichen Betroffenheitspathos macht diesen Roman für mich umso erschütternder. Ein literarisches Meisterwerk, dessen Sog ich mich auch zwei Wochen nach Ende der Lektüre noch nicht entziehen kann.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Angst und Geheimnis, 4. Oktober 2009
Angst und Geheimnis sind die beiden Elemente, die in das Buch hineinziehen, obwohl es spröde daher kommt, sich nur schwer öffnet. Angst: um das Leben der Hauptfiguren, einem Zwillingsschwesternpärchen, das sich in einem Baumhaus versteckt hält; Geheimnis: Was ist zuvor geschehen, wo sind wir, Zeit, Ort, Motive. Eine Bluttat ist geschehen, ein Massaker, ein Pogrom. Vennemann hebt nur langsam den Mantel, und nie ganz. Eine Restunsicherheit bleibt: Wurde die Familie eines jüdischen Tierarztes von einem ostpolnischen Bauernmob kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht ermordet und ihr Haus geplündert? Man lauscht dem somnambulen Erzählen der beiden Schwestern, die sich mit dem Erzählen die Angst nehmen wollen, sich vergewissern, wer sie sind, was passiert ist. Man springt mit dem Autor hin und zurück in den Zeitebenen. Das ist kunstvoll gemacht, ohne das einem die Kunst auf die Nerven geht. So kann man so eine Geschichte erzählen!
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