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Wie man Fanatiker kuriert: Tübinger Poetik-Dozentur 2002
 
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Wie man Fanatiker kuriert: Tübinger Poetik-Dozentur 2002 (Taschenbuch)

von Amos Oz (Autor)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 112 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 6 (20. April 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518123092
  • ISBN-13: 978-3518123096
  • Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 11 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 01.03.2004
Der vorliegende Band versammelt drei Beiträge des israelischen Autors Amos Oz, die 2002 als Vorlesungen im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur entstanden sind, informiert Alexandra Senfft in ihrer Kritik des Buches. Ein vierter Beitrag des Präsidenten des palästinensischen Schriftstellerverbandes Izzat Ghazzawi über die "Rolle von Kultur und Literatur" runden den Band ab, und hier hätte sich die Rezensentin gewünscht, dass der Verlag zumindest den Kontext der vier Texte erwähnt hätte und vielleicht einen kleinen Hinweis darauf gegeben hätte, dass Ghazzawi im letzten Jahr unerwartet verstorben ist. Oz stellt in diesem Band "Rezepte" vor, wie dem Fanatismus auf israelischer und palästinensischer Seite zu begegnen sei, berichtet Alexandra Senfft. Der Autor bezeichnet sich selbst als "Experte" für "vergleichende Fanatismusforschung" und schlägt drei Mittel zur Bekämpfung des Fanatismus vor, nämlich gegenseitiges Verständnis, Offenheit bei gleichzeitiger Verankerung in einem "sozialen und politischen System", wofür Oz das Bild der "Halbinsel" wählt, und nicht zuletzt "Humor", fasst die Rezensentin zusammen. Senfft kann sich vorstellen, dass Kritiker des Buches dem Autor vorwerfen könnten, er sei zu "idealistisch", bedenke das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen Palästinensern und Israelis nicht und verfolge mit diesem Buch ganz eigennützige "zionistische" Zwecke. Die Rezensentin nimmt zu diesen möglichen Kritikpunkten keine Stellung und betont lediglich, dass Oz argumentiert, der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis sei nicht als Kampf zwischen "Gut und Böse", sondern als Konflikt zwischen dem "Recht der einen und dem gleichen Recht der anderen" zu verstehen.

© Perlentaucher Medien GmbH


Kurzbeschreibung

Die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten, genauer zwischen Israelis und Palästinensern, bildet den Hintergrund, vor dem Amos Oz im Januar 2002 seine Vorlesungen in Tübingen hielt. Hier schildert er, der bereits seit Mitte der sechziger Jahre für zwei unabhängige Staaten auf israelisch-palästinensischem Territorium plädierte, wie er zum Schriftsteller wurde. In der zweiten Vorlesung wendet sich der "Fanatismusexperte" Amos Oz dem Thema zu, das wie ein roter Faden sein gesamtes literarisches wie essayistisch-publizistisches Werk durchzieht: Ursachen und Konsequenzen des Fanatismus. Und um ein praktisches Beispiel sowohl für Nichtfanatismus wie für das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern zu geben, hat Amos Oz den palästinensischen Schriftsteller Izzat Ghazzawi gebeten, über die Bedeutung von Kultur und Literatur in Konfliktgebieten zu reden. In dieser Weise wirft vorliegender Band ein Schlaglicht auf die Situation und setzt ein kleines optimistisches Zeichen, nämlich dass Koexi stenz zwischen beiden Völkern möglich ist.

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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein beeindruckendes Plädoyer für den Frieden im Schatten von 9/11, 24. Mai 2006
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 10 REVIEWER)   
Man muß sich das vorstellen: im Januar 2002 hält Amos Oz, gerade mal 3 Monate nach dem Terroranschlag auf die Twin-Towers in Manhattan im Rahmen der Tübinger Poetik - Dozentur drei Vorlesungen über sein Schreiben, den Fanatismus als Wurzel allen Übels in der Welt und über die Chancen und Bedingungen eines vernünftigen und realistischen Friedenschlusses in Nahost und Palästina.

Mitten in einer beispielslosen Hysterie, auch in Deutschland, sagt er Sätze wie diese:

"Nein, meine Damen und Herren, dies ist eine Schlacht zwischen Fanatikern, die denken, daß der Zweck, jeder Zweck, alle Mittel heiligt. Es ist ein Kampf zwischen jenen, die die Gerechtigkeit -was auch immer dieses Wort bedeutet - über das Leben stellen, und auf der anderen Seite denjenigen von uns, für die das Leben Priorität hat gegenüber vielen anderen Werten, Überzeugungen oder Glaubensrichtungen. Die gegenwärtige Krise in der Welt, im Nahen Osten oder in Israel/Palästina dreht sich nicht um die islamischen Werte und bestimmt auch nicht, wie einige Rassisten behaupten, um die arabische Mentalität. Es geht um den alten Kampf zwischen Fanatismus und Pragmatismus, zwischen Fanatismus und Pluralismus. Beim 11. September ging es nicht einmal um die Frage, ob Amerika gut oder schlecht ist, ob der Kapitalismus bedrohlich oder notwendig ist, ob die Globalisierung gestoppt werden sollte oder nicht. Es geht um den typisch fanatischen Anspruch: Wenn ich der Meinung bin, daß etwas schlecht ist, dann zerstöre ich es, zusammen mit allem, was es umgibt. Fanatismus, meine Damen und Herren, ist älter als der Islam, das Christentum, das Judentum, älter als jeder Staat oder jede Regierung, jedes politische System, älter als jede Ideologie oder jeder Glaube in der Welt. Fanatismus ist unglücklicherweise eine allseits präsente Komponente der menschlichen Natur, ein schlechtes Gen, wenn man es so nennen will. Menschen, die in Amerika Abtreibungskliniken in die Luft sprengen, die hier in Deutschland Moscheen und Synagogen in Brand stecken, unterscheiden sich von Bin Laden nur im Ausmaß, nicht in der Art ihrer Verbrechen."
Und:
"Wenn wir Fanatismus letzten Endes auch nicht besiegen können, so können wir ihn vielleicht doch in Grenzen halten... Ich predige keinen totalen moralischen Relativismus, sicher nicht. Ich versuche die Notwendigkeit hervorzuheben, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sich in den anderen hineinversetzen, wenn man streitet, wenn man sich beklagt, insbesondere dann, wenn wir fühlen, daß wir zu hundert Prozent im Recht sind...
Vor vielen Jahren, als ich noch ein keines Kind war, erklärte mir meine Großmutter in sehr einfachen Worten den Unterschied zwischen Juden und Christen - nicht zwischen Juden und Moslems, aber zwischen Juden und Christen: 'Du siehst', sagte sie, 'Christen glauben, daß der Messias schon einmal hier war und irgendwann wiederkommen wird. Die Juden bleiben dabei, daß der Messias noch kommen wird. Deswegen', sagte meine weise Großmutter,'deswegen hat es soviel Zorn, Verfolgung, Blutvergießen und Haß gegeben. Warum ? Warum,' sagte sie, 'warum kann man nicht einfach abwarten und sehen was passiert?'
Sie war immun gegen Fanatismus. Sie kannte das Geheimnis, in Situationen mit ungewissem Ausgang zu leben, mit ungelösten Konflikten, mit der Andersartigkeit von anderen Menschen umzugehen. Fanatismus beginn - wie ich gesagt habe - daheim."

Drei beeindruckende Vorlesungen eines Mannes, dessen Leben ein Spiegel der konfliktreichen Situation in Palästina ist (vgl. seine Autobiographie "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" und seinen Essay "Israel und Deutschland". Es ist zu wünschen, daß sich sowohl diejenigen, die Israel von jeder Kritik ausnehmen wollen, als auch die notorischen Unterstützer der Palästinenser vor allem auf der extremen Linken (und mittlerweile auch wieder der extremen Rechten), diese Stimme des engagierten Ausgleichs anhören.
Daß Oz im Anschluß an seine Vorlesungen seinen palästinensischen Freund Izzat Ghazzawi zu einer weiteren Vorlesung bittet und ihm eine Stimme gibt, ist typisch für sein Engagement. Und auch er plädiert leidenschaftlich:
"Viele beharren auf der Vorstellung, daß die Normalität mit dem Abnormalen im Konflikt steht, Vielleicht erfordert das Krankheitsbild unserer Region viel Hilfe von der gesamten Welt. Während die Israelis Frieden brauchen, brauchen die Palästinenser Befreiung, und es gibt einen Preis, der für beides, für Frieden und für Befreiung, bezahlt werden muß. Die beiden Völker müssen entscheiden, welchen Preis sie bezahlen: Blut oder einen Kompromiß. Wir alle kennen den Weg des Bluts. Das existierende Leid gibt uns eine sehr klare Vorstellung davon. Wir müssen den Weg zu Kompromissen kennenlernen."
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ein- und Ausblicke, 3. Februar 2005
Von Susanne (München Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Das Buch stellt die Vorträge von Amos Oz in Tübingen/Deutschland dar und enthält zudem einen Beitrag von Izzat Ghazzawi. Der ganze Nahost-Konflikt wird auf menschliche Art behandelt, teilweise mit kritischen/zynischen Untertönen. Das Büchlein ist deshalb auch sehr interessant, da der in Europa dargestellten Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, relativiertund eine Anregung zum Nachdenken gegeben wird. Ich hoffe, dass viele - vielleicht sogar "Fanatiker", die sich kurieren lassen wollen - dieses Buch lesen.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Make Peace not Love, 14. März 2006
Hätte ich dieses Buch früher gelesen, wäre es mir leichter gefallen, die Situation im Nahen Osten besser zu verstehen. Amos Oz ist ein radikaler Kompromissler zwischen Palästinensern und Israelis. Er liebt die Menschen und das Land, in dem er lebt. Und er sucht den Frieden durch den Kompromiß, der immer schmerzhaft ist - für beide Seiten. Diese Sicht ist einfach, und doch so neu in der Auseinandersetzung in Israel. Für jeden, der nicht schwärmerisch nach Frieden sucht, sondern ernsthaft auf der Suche ist, ist dieses Buch (Büchlein) ein Gewinn.
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