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Kritik der zynischen Vernunft
 
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Kritik der zynischen Vernunft (Broschiert)

von Peter Sloterdijk (Autor)
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 954 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: Neuauflage. (13. Februar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518110993
  • ISBN-13: 978-3518110997
  • Größe und/oder Gewicht: 17,9 x 10,9 x 4,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 85.340 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Kritik der zynischen Vernunft
OA 1983 Form Sachbuch Bereich Philosophie
Zwei Jahrhunderte nach Immanuel R Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) entwirft Peter Sloterdijk in seinem zweibändigen, fast 1000-seitigen philosophischen Essay eine aktualisierte Vernunftkritik: Die Kritik der zynischen Vernunft verquickt auf überaus elegante und stilistisch beeindruckende Weise philosophische Analyse mit Poesie und Polemik und zählt zu den meistverkauften philosophischen Werken des 20. Jahrhunderts.
Aufbau: Die Kritik der zynischen Vernunft besteht aus zwei Teilen: Der kürzere erste Teil (Sichtungen – Fünf Vorüberlegungen) führt in das Thema ein und entfaltet das Begriffspaar des Kynismus und Zynismus. Der zweite Teil (Zynismus im Weltprozess) ist in vier »Hauptstücke« unterteilt: Im »physiognomischen Hauptstück« wird die öffentliche Masturbation des Diogenes von Sinope als protokynischer Akt dargestellt, in dessen Nachfolge Sloterdijk vitalistische und existenzialistische philosophische Strömungen einordnet. Das »phänomenologische Hauptstück« stellt sechs »Kardinalzynismen« ein jeweiliges kynisches Pendant gegenüber: Militärzynismus (Pazifismus), Staats- und Vormachtszynismus (soziopolitische Protestbewegungen), Sexualzynismus (Feminismus), Medizinzynismus (volksmedizinische Selbsthilfetraditionen), Religionszynismus (Emanzipation), Wissenszynismus (Fröhliche Wissenschaft). Zu den Kardinalzynismen treten zwei »Sekundärzynismen«: der »Informationszynismus« der Regenbogenpresse und der kapitalistische »Tauschzynismus«.
Im »logischen Hauptstück« setzt sich Sloterdijk mit positivistischen, systemtheoretischen und pragmatischen Ansätzen auseinander, um die theoretisch gewonnenen Ergebnisse dann im ausführlichen »historischen Hauptstück« auf die Weimarer Republik anzuwenden, wobei sein Augenmerk besonders der Literatur der 1920er Jahre gilt.
Inhalt: Sloterdijk liefert drei Definitionen des Zynismus: In der ersten, allgemeinen Definition erscheint der Zynismus als »das aufgeklärte falsche Bewusstsein«, dessen »Falschheit […] bereits reflexiv gefedert« ist. Die zweite, historische Definition unterscheidet zwei Formen des polemischen Bewusstseins: den Zynismus »von oben« und den Kynismus »von unten«: Der antike Kynismus spiegele den »Drang von Individuen, gegen die Verdrehungen und Halbvernünftigkeiten ihrer Gesellschaften sich selbst als vollvernünftig-lebendige Wesen zu erhalten«. Die dritte, phänomenologische Definition beschreibt die Subversion selbsterkorener Wahrheitsinstanzen durch Verweis auf die »nackte« Wahrheit: »Das zynische Denken nämlich kann nur erscheinen, wo von den Dingen zwei Ansichten möglich geworden sind, eine offizielle und eine inoffizielle, eine verhüllte und eine nackte, eine aus der Sicht der Helden und eine aus der Sicht der Kammerdiener.«
Als »Konstanten unserer Geschichte« sind Kynismus und Zynismus für Sloterdijk korrespondierende Begriffe, deren Gegenüberstellung die Struktur der Kritik der zynischen Vernunft bestimmt. Die Weimarer Republik als »Gründerzeit der zynischen Struktur der Moderne« dient Sloterdijk als Folie für die Gegenwart: Sowohl 1933 als auch 1983 sind für ihn Daten des Umschlags von einer Zwischenkriegszeit in eine Vorkriegszeit. Nur eine durch Hingabe und Liebe bestimmte »zweite Aufklärung« könne, so Sloterdijks Fazit, den »Zirkel der instrumentellen Vernunft« überwinden.
Wirkung: Selten fand die Publikation eines philosophischen Werks eine so große mediale Resonanz wie die der Kritik der zynischen Vernunft. Dem einhelligen großen Lob seitens der bürgerlichen Presse stand der Totalverriss im Nachrichtenmagazin Der Spiegel gegenüber, was einen »Rezensentenstreit« zur Folge hatte, der die Verkaufszahlen des Werks emporschnellen ließ. Die spätere fundiertere philosophische Auseinandersetzung machte den unbestritten glänzenden Stil des Werks zum Ausgangspunkt für Lob wie Kritik: Allerhöchster Respekt wurde Sloterdijks Belesenheit und seiner »Schopenhauer und Spengler ebenbürtigen« Ausdruckskraft gezollt, ebenso seinem Versuch, gegen das neue zynische »Unbehagen in der Kultur« anzuschreiben. Auf der anderen Seite wurde Sloterdijk als »narzisstischer Selbstdarsteller« attackiert, der »Theorie in Tumult« transformiere. M. F.


Kurzbeschreibung

200 Jahre nach dem Erscheinen von Kants Kritik der reinen Vernunft sieht sich jede Kritik, die Aufklärung in der Gegenwart einlösen will, mit einer neuen Form des falschen Bewußtseins konfrontiert. Dieses falsche Bewußtsein beruht weder auf Lüge noch auf Irrtum, es ist auch nicht durch die auf eine »Kritik der politischen Ökonomie« gestützte Ideologiekritik aufzulösen. »Zynismus ist das aufgeklärte falsche Bewußtsein. Es ist das modernisierte unglückliche Bewußtsein, an dem Aufklärung zugleich erfolgreich und vergeblich gearbeitet hat. Es hat seine Aufklärung gelernt, aber nicht vollzogen und wohl nicht vollziehen können. Gutsituiert und miserabel zugleich fühlt sich dieses Bewußtsein von keiner Ideologiekritik mehr betroffen, da seine Falschheit bereits reflexiv gefedert ist.« Den Gehalt dieses selbst zynischen Satzes sucht der vorliegende Essay zu entwickeln, in einer Form, die sich der Verfahrensweisen des antiken Kynismus bedient: des Lachens, der Beschimpfung, der Angriffe. Aufgezeigt wird - in einem einleitenden Abschnitt - wie die verschiedenen Strategien aufklärerischer Kritik von den jeweiligen Gegenmächten umgebogen wurden und schließlich in unserem Jahrhundert in den modernen Zynismus münden. »Der zynische Herr lüpft die Maske ein wenig, zumal man ohnedies versucht, sie ihm herunterzureißen, lächelt seinen schwächeren Gegenspieler an - und unterdrückt ihn doch. Sachzwang, Machtzwang! Wissen ist Macht, auch so. Die Vormacht lüftet in ihren Zynismen ein wenig ihre Geheimnisse, treibt sozusagen ein bißchen Selbstaufklärung und >plaudert aus der Schule<.« Die verschiedenen Ausprägungen dieses Zynismus läßt Sloterdijk in einem zweiten Abschnitt Revue passieren. Im letzten Teil seiner Untersuchung analysiert der Autor eine Epoche, in der der moderne Zynismus das politische und kulturelle Bewußtsein zum ersten Mal deutlich prägte: die Weimarer Republik, deren erstes Erbe der Faschismus und dessen zweiter Sproß unsere Zeit ist.

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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ganz nah am Puls der Zeiten ...., 24. Februar 2006
Diese Rezension stammt von: Kritik der zynischen Vernunft (Taschenbuch)
Dieses Buch ist im besten Sinne aufklärerisch, denn es legt den Finger auf eine Wunde unserer modernen Geschichte. Dass nämlich jeder aufklärerische Impuls irgendwann zu Denkfaulheit und Abgestumpftheit des Herzens verflacht und dann zynisch wird. Anders gesagt: Wer irgendwann in der Geschichte recht bekam, der kämpfte darum, recht zu behalten, und wer so oft recht behielt, dass er sich gar nicht mehr rechtfertigen musste, der wurde gar zynisch. Ein kleines Alltagsexperiment: Schauen sie sich unsere Medienwelt aufmerksam an, und fragen sie sich, wer da eigentlich mit welcher Art des Zynismus am Werk ist.... Ich denke da nur an die hochgebildeten Programmchefs bei den Privaten, die zu Hause Kafka lesen und tagsüber die Menschen (in bester zynischer Manier) mit Unterschichtenfernsehen, Talkshows und dämlichen Gerichtssendungen abspeisen. Sloterdijks Kritik, die allerdings vor der Erfindung des Privatfernsehens geschrieben wurde, befasst sich eben gerade mit dem Aufspüren dieses mehr oder minder subtilen Zynismus, der sich in unserer Welt breit macht!
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen die wunde sloterdijk oder ZYN vs. KYN, 27. Mai 2003
Von FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
Diese Rezension stammt von: Kritik der zynischen Vernunft (Taschenbuch)
sloterdijk, die begriffe ZYNISCH und KYNISCH gegeneinandersetzend, versucht gesellschaftliche polaritäten zu beschreiben: dem patriarchalischen sexualZYNismus stellt er den aubegehrenden feministischen KYNismus gegenüber, dem ZYNismus der sich für ihre umtriebigkeiten stets große geldmengen beschaffenden militärköpfe aller länder stellt er den KYNismus derer gegenüber, die sich nicht so gern mustern und einverleiben lassen wollen, dem ZYNismus der an der besteurerungsschraube drehenden regierungsapparatschiks stellt er den KYNismus der gewerkschaftlichen protestbewegungen gegenüber und so weiter. liest man den etwas angejahrten genialen erstwurf der nun schon länger anhaltenden sloterdijkiade noch einmal erneut durch, entdeckt man, dass das buch hält, was man von einem philosophischen erwartet: eine langanhaltende, vorausschauende gültigkeit. nimmt man als beispiel für den ZYNismus der religions-cliquen die tricks, mit der manche mullahs ihrer islamistischen gefolgschaft den horizont verbrettern - und begreift als KYNischen gegenimpuls zum beispiel RAWA - die organisation afghanischer frauen, die mit versteckter video-kamera unter der burka hinrichtungen in fußballstadien filmten - dann sieht man, dass sloterdijks antinomie ZYNismus versus KYNismus bleibende gültigkeit hat. auch wenn sloterdijk, wie in jüngster zeit geschehen, die amerikanische regierungs-administration dem ZYNischen, den europäischen kampf um eigene identität eher dem KYNischen reflex zuordnet, bleibt er seiner einteilung treu. inwieweit sloterdijk selbst ZYNisch wird, wenn er in seiner umstrittenen gedenkrede den begriff des "menschentreibhauses" fabriziert, wird ihm vielleicht auch noch irgendwann von einem mutigen und standhaften KYNiker erklärt werden können. denn das wollen wir sicher nicht, dass man seiner formulierung "die wunde heine, die wunde marx, die wunde kierkegaard, die wunde nietzsche, die wunde heidegger, die wunde freud, die wunde adorno" - nun bald anhängen müssen: die wunde sloterdijk?
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Genuß des Unterlassens, 26. April 1999
Von Ein Kunde
Wenn Diogenes das noch erleben dürfte: Ein Plädoyer für den unhysterischen Kynismus (vulgärpoetisch schon von John Lennon formuliert: "Let it be"). Die Botschaft: Nimm nichts ernst, aber tue das mit konzentrierter Ernsthaftigkeit. Gleichzeitig der Wegweiser zu der einzigen Glückseligkeit, die uns unter Beibehaltung der persönlichen Integrität noch bleibt: Wer seinen Lebensinhalt als jenseits von dem entdeckt, was die zynische Gesellschaft als Wert [bzw. sinnvoll, d.i. (aus)nutzbar] postuliert, dem kann die zynische Gesellschaft auch nichts wegnehmen. P.S.: Man wird nicht korrumpiert, man korrumpiert sich.
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