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5.0 von 5 Sternen
Menschlichkeit, Freiheit, Wahrheit, 15. Dezember 2002
Von Ein Kunde
Vorneweg: Man sollte sich nicht über den Preis dieses Buches wundern. Denn das Buch ist so dick und schwer, dass es sich nicht für eine Lektüre im Bett vor dem Einschlafen eignet. Man könnte von dem über 1000-seitigen Werk erschlagen werden. Genau so wie von den vielen, detaillierten Fakten, die Weigel für diese Biographie zusammen getragen hat. Es ist die umfangreichste Lebensbeschreibung, die es über Papst Johannes Paul II gibt. Und die mit Abstand beste. Der Leser erfährt, relativ nüchtern gehalten, viele Einzelheiten aus dem Leben des Bischofs von Rom, die sich immer mehr zu einem Mosaik zusammenfüngen. Das Wichtigste: Johannes Paul ist ein Mensch, der menschlich handelt. Vor allem sein Werdegang und seine Entwicklung vor der Papstwahl sind äußerst interessant und unerlässlich für eine Bewertung des Pontifikats. Seine tiefe Frömmigkeit und Spiritualität, sein Hang zur Mystik eines Johannes vom Kreuz und seine Verwurzelung im polnischen Volk sind wegweisend für sein Handeln als Papst. Weigel erzählt vom jungen "Lolek", der unter deutscher Besetzung im Steinbruch arbeitete und im Untergrund Theologie studierte. Er erzählt vom Lyriker und Theaterbegeisterten, der ursprünglich nicht Priester sondern Schauspieler werden wollte. Er erzählt vom jungen Geistlichen, der sich unerschrocken über die Repressalien des stalinistischen Systems hinwegsetzt und trotz Verbot die Jugend zum Glauben hinführt. Er erzählt vom jungen Weihbischof und späteren Erzbischof von Krakau, der sich von seinen Freunden und Bekannten auch als Kardinal noch zärtlich "Wujek"(Onkel) nennen lässt. Er erzählt vom passionierten Skifahrer und Sportler, der noch wenige Wochen vor der Papstwahl mit seinen Freunden Kajakausflüge macht. Weigel berichtet aber auch vom kämpferischen Bischof, der sich gegen Unterdrückung und Bevormundung, gegen Stalinismus und Staatssozialismus wendet. Der es schafft, in der neuen Stadt Nova Huta, von den polnischen Kommunisten als erste atheistische Stadt ohne Kirche geplant, ein Kirchengebäude zu bauen und zu weihen. Der es schafft, die Fronleichnamsprozessionen in Krakau zu einer beeindruckenden Demonstrationen gegen das Regime zu machen. Weigel schreibt vom Doktoranden Karol Wojtyla, der sich intensiv mit der Phänomenologie Husserls auseinandersetzt, über Scheler promoviert und ein Buch über die christliche Sexualehtik verfasst. Er schreibt über die Mitarbeit des Krakauer Bischofs beim zweiten Vatikanum und seine Einflussnahme auf die Pastoralkonstitution "Gaudium et spes". Weigel schreibt über den Willen des Papstes, den Kommunismus zu beseitigen und der Freiheit und der Menschenwürde in Osteuropa wieder zu ihren Rechten zu verhelfen. Dass Johannes Paul einer der wichtigsten Protagonisten des Falls des Kommunismus war, bestreiten heute selbst seine schärfsten Kritiker nicht mehr. Wer sich intensiv mit dem Menschen Wojtyla beschäftigt, ist nicht mehr verblüfft über die pastorale und theologische Stingenz von Johannes Paul II. Der Papst ist ein Hirte mit Prinzipien, für die er sein ganzes Leben lang gekämpft hat. Diese Prinzipien heißen Menschlichkeit, Freiheit und Wahrheit. Gerade die Kritiker dieses Papstes sollten Weigels Buch lesen. Vor allem die Einführung für die deutschen Leser. Denn dort fragt sich der Autor, weshalb ein Papst, der heute einer der letzten radikalen Kritiker des Kapitalismus ist, der die Welt für die Verbrechen der Kirche und das zum Teil unerhörte Verhalten im Dritten Reich um Verzeihung bittet, der die Armut und den Hungers auf der Welt als größtes Problem der Menschheit sieht, immer noch verhöhnt und verspottet wird. Weigels Buch ist DAS Standardwerk über Johannes Paul II, das in keiner theologischen, philosophischen, soziologischen und politikwissenschaftlichen Bibliothek fehlen darf. Zudem ist es leicht verständlich zu lesen und bietet auch dem Laien die Möglichkeit, sich über den charismatischen Hirten der katholischen Kirche umfassend zu informieren.
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