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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Frechheit siegt, 4. Oktober 2004
„Mensch, spinnst du? Weißt du, was das Hotel Kaiserhof ist? Das ist Hitlers Stammlokal. Hier hat ihm Göring die Nachricht überbracht, er sei Reichskanzler geworden. Hier hat Kaiser Wilhelm seine Herrenabende veranstaltet. [...] Hier wohnte Bismarck, bevor er ins Reichskanzlerpalais umzog. Und hier willst du abends mit mir hingehen?" „Na klar, grade deshalb! Wer fragt schon Göring, Himmler oder einen preußischen Prinzen nach seinem Ausweis. Voraussetzung: Selbstbewusst auftreten, dann kann gar nichts passieren."1942 und immer mehr jüdische Familien werden nach Majdanek und den anderen Lagern im Osten abtransportiert. Obwohl zahlreiche Gerüchte über die Lager und die SS kursieren, folgen die meisten dem Befehl. Denn untertauchen, ohne Papiere, ohne Lebensmittelkarten, scheint ihnen noch weit gefährlicher. Auch Ciomas Eltern, russische Juden, die nach der Novemberrevolution nach Berlin kamen, werden abtransportiert. Cioma ist zunächst noch unabkömmlich, weil er in einem Wehrmachtsbetrieb arbeitet. Aber lange währt dieser Schutz nicht. Doch er wagt den Sprung in die Illegalität. Mitglieder der bekennenden Kirche verstecken ihn und entdecken Ciomas Talent, Stempel zu fälschen. Juden in Berlin brauchen Papiere, um nicht aufzufallen. In der Kirche werfen Gläubige ihre Ausweise in den Opferstock. Diese Ausweise fälscht der Grafiker Cioma so perfekt, dass niemand die Fälschung erkennt. Erstaunlich, wie lange das gut geht. Denn die Pfarrer der bekennenden Kirche sind vielleicht gute Menschen, geschickte Untergrundkämpfer sind sie nicht. Ihre Notizbücher enthalten alle Namen und Telefonnummern im Klartext. 1943 fliegt der erste auf und die Gestapo greift sich immer mehr von ihnen, zahlreiche versteckte Juden wandern mit ihnen in den Tod. Doch Cioma kann fliehen. Mit dem Wahlspruch „Frechheit siegt" radelt der junge Mann quer durch Deutschland zur Schweizer Grenze und kann sie sogar überqueren, obwohl sein Fahndungsphoto in allen Kriminalpolizeistellen hängt. Eigentlich gibt es so viele Berichte über die Nazizeit, kann uns da jemand noch etwas Neues erzählen? Cioma Schönhaus kann. Seine Geschichte über das Überleben klingt wie ein Märchen. Ca. 5.000 Juden tauchten im Krieg in Berlin unter, ca 1.500 sollen den Krieg überlebt haben. Erstaunlich, denn sie brauchten Helfer, die sich selbst in Gefahr begaben. Eine einzige Anzeige eines misstrauischen Nachbarns konnte ihnen KZ oder Tod bringen. Eine anonyme Anzeige bringt auch Ciomas Gruppe das Verderben. Viele aus der bekennenden Kirche überleben den Krieg nicht. Darunter der Kopf der Gruppe, Dr Kaufmann, das Paradebeispiel eines korrekten preußischen Beamten, Offizier im ersten Weltkrieg, hochdekoriert, bis 1936 eine gradlinige Karriere, dann als Halbjude entlassen. Doch die ordnungsgewohnte Bürgerlichkeit sitzt ihm auch in Berlin 1942 noch tief in den Knochen. Von seinen Mitarbeitern erwartet er militärische Pünktlichkeit und absolute Integrität. „Im Grunde ist das, was wir hier tun, illegal. Aber unter einem kriminellen Regime ist das, was wir machen, die einzig angemessene Verhaltensform. Nun, sie sind jung, abenteuerlustig und zu allen Dingen im Leben positiv eingestellt. Ich aber, als ehemaliger Oberregierungsrat, muss doch sehr umdenken." Ein Buch über eine furchtbare Zeit, mit schrecklichen Ereignissen und trotzdem und grade deshalb herzerwärmend. Das soll dem Autor mal jemand nachmachen.
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34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Mensch denkt und Gott lenkt, 11. Oktober 2004
*Meine glückliche Rettung ist die Folge eines Geschehens, bei dem das Gesetz der großen Zahl die entscheidende Rolle spielt. Wenn der Parkettboden in einem großen Raum ein faustgroßes Loch aufweist, und wenn in diesem Raum jemand versuchen wollte, mit einer Erbse in dieses Loch zu treffen, wären seine Chancen minimal. Nähme man aber einen Sack voller Erbsen und leerte diesen im Raum aus, das Loch wäre sofort gefüllt ...* ---------- In fesselnden, oft geradezu unglaublich klingenden Geschichten berichtet der Zeitzeuge Cioma Schönhaus mit viel Sinn für Selbstironie und Spannung aus seinem wechselvollen Leben im nationalsozialistischen Berlin. Im Jahre 1942 taucht er in den Untergrund ab, nimmt dort wechselnde Identitäten an und verhilft mit raffiniert gefälschten Papieren Hunderten von Todgeweihten zur Flucht ins Ausland. Und er besitzt die Stirn, sich eine kleine Segeljacht auf dem Wannsee zu kaufen. Selber schließlich von der Gestapo steckbrieflich gesucht, flieht er im Herbst 1943 per Fahrrad und mit eigens selbst gefälschten Reisedokumenten in die Schweiz. Fazit: Ein wahrlich wunderbares, Mut machendes, Buch: Intelligenz und Einfallsreichtum, Lebenslust und Leichtsinn gegen staatlichen Terror und Unvernunft! Pflichtlektüre - meint - Reinhard Busse
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
leichten Sinnes, 2. August 2008
Ein junger Jude taucht nach der Deportation seiner Eltern in den Berliner Untergrund.
Als Passfälscher hilft er auch anderen Untergetauchten. Schließlich wird er steckbrieflich unter zwei verschiedenen Namen gesucht. Mit einem Fahrrad flieht er in die Schweiz.
Sprachlich gefällt mir das Buch nicht so sehr. Zuviel wörtliche Rede, die ein wenig holperig daher kommt.
Inhaltlich ist es schon eine unglaubliche Geschichte. Cioma Schönhaus ist so unvorsichtig, leichtsinnig und zerstreut, daß er mehrmals seinen Paß verliert.
Man sollte meinen, daß ein Illegaler auf seine Sachen aufpaßt, weil ihr Verlust ihn das Leben kosten kann, aber irgendwie kommen ihm wichtige Dokumente immer wieder abhanden.
Seinen richtigen Paß verliert er gleich zweimal. Und der zweite Verlust zwingt ihn dann, in den Untergrund abzutauchen, weil die erneute Meldung eines Paßverlustes ernste Konsequenzen für ihn gehabt hätte.
Irgendwann, nach ein paar Versuchs-Pässen hat er dann einen richtig guten, hieb- und stichfesten Paß, der ihn als Weißrussen ausgibt. Leider kommt ihm das Ding aber irgendwie in der Straßenbahn abhanden.
Und nun wird er steckbrieflich im gesamten Reichsgebiet gesucht. Man vermutet einen russischen Spion in ihm.
Das Buch ist in einem munteren Ton geschrieben. Und man kann beinahe verstehen, daß jemand, der so leichtsinnig im besten Sinn des Wortes ist, auch genug leichten Sinnes ist, alles auf die leichte Schulter zu nehmen und dem Schicksal somit immer wieder ein Schnippchen zu schlagen.
Sprachlich gebe ich dem Buch nur drei Punkte, aber inhaltlich hat es schon Spaß gemacht, den Lebensweg eines Menschen zu verfolgen, der mit soviel Lebenslust, Zerstreutheit, Mut und Leichtsinnigkeit geschafft hat, was außer ihm nicht viele andere geschafft haben darum vier Sterne.
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