Aus der Amazon.de-Redaktion
Sollte Mr. Taraborrelli jemals dem Objekt seiner biografischen Betrachtungen über den Weg laufen, muss er sich wärmstens anziehen. Berüchtigte Madonna-Tobsuchtsanfälle erfolgten schon aus weit geringerem Anlass. Sein wenig schmeichelhaftes Porträt der Königin des Pop gleicht nämlich eher einer Studie über Machtmissbrauch machiavellistischen Zuschnitts. Unverhohlen missbilligend, zeichnet Taraborrelli das Bild des
Material Girl als männermordende Ausbeuterin kreativer Ressourcen anderer zum Zwecke der eigenen Karriereförderung.
Tatsächlich bekamen bereits Madonnas Geschwister ihren radikalen Durchsetzungswillen als prägnantesten kindlichen Wesenszug zu spüren. Spätere Freunde, Plattenmenschen und geschasste Liebhaber vom Schlage eines Warren Beatty, können ein traurig Lied davon singen. Noch heute leckt sich Jellybean, der zwar im Bett reichlich entlohnt, nach Abieferung des allerersten Hits (Holiday) von der Meisterin aber gnadenlos ausgemustert wurde, seine Wunden. Ein Umfeld aus Angsterfülltheit und Liebedienerei angesichts des Despoten wird sichtbar. Reihenweise hagelt es (anonyme) Klagen von Tänzern und Angestellten die, geschurigelt bis zur Selbstverleugnung, den künstlerischen Tross schließlich genervt verließen.
Man ahnte es schon, schüchtern-zartes Liebeswerben gehört nicht ins Madonnen-Bild. Reihenweise finden hier Entjungferungen und Abtreibungen Erwähnung, während eine Hedonisten-Armada von Latino-Muskelpaketen zu täglichen Sexübungen antritt. Schließlich überspannte sie den Bogen mit ihren dauererotischen Obsessionen, der provokanten Buchveröffentlichung Sex und dem nachfolgenden Album Erotica, was sie in den Staaten fast zur Unperson werden ließ. Selbst wahrhaft intime Momente (unsere Heldin, verkleidet als Schmerzensmutter mit Jackie-O-Brille, zum ersten Mal am Grab ihrer geliebten Mutter), gerieten zu knallhart inszenierten Medienevents (zu sehen in dem mittelmäßigen Streifen In Bed with Madonna).
Allen Vorbehalten zum Trotz, kommt der Autor nicht umhin, Madonnas Stehvermögen Bewunderung zu zollen. Kolportagehaftes, auf der Klatschebene jedoch hochspannendes Porträt einer Frau, die weder über nennenswertes gesangliches noch tänzerisches Talent verfügt und doch chamäleonhaft wandlungsfähig und mit untrüglichem Gespür für musikalische Trends solch beherrschenden Einfluss auf die Popmusik nehmen sollte. --Ravi Unger
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Als eine der berühmtesten Pop-Idole der Gegenwart fasziniert Madonna seit vielen Jahren ihr Publikum. Was für ein Mensch steckt hinter dem "Kunstwerk Madonna"? Dieses Rätsel, das die Sängerin, Schauspielerin und Videokünstlerin ihren Fans immer wieder aufgibt, löst J. Randy Taraborrelli jetzt erstmals in seiner umfassenden Biografie. Anhand einer Mischung aus Interviews, bisher unveröffentlichten Berichten und Schilderungen von nahen Freunden und Verwandten entfaltet er exklusiv das schillernde Lebensbild einer außergewöhnlichen Frau