Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Leben als Ausschweifung, 17. Oktober 2008
Der Held dieses Romans wird früh sterben. Dennoch kommt für ihn ein Leben ohne Ausschweifungen nicht in Frage. Denn ein Leben ohne Ausschweifungen, ohne Extase, ohne Höhepunkte der Emotion und der Leidenschaft ist kein Leben. Doch leider haben wahre Ausschweifungen auch immer etwas von Selbstzerstörung.
Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der in Paris Erfahrungen mit Kokain macht, sich nicht zuletzt dank der Droge ein Leben aufbaut und dann wieder zerstört. Es geht dabei aber nicht nur um die Droge. Es geht eher um alle Formen der Abhängigkeit, so besonders der von den Frauen. Und es geht um die Welt, die tragisch aber auch witzig ist, wenn man sie erst durchschaut hat.
Das alles ist sehr gut geschrieben, unterhaltsam und traurig. Also hat das Buch eigentlich alles, was ein guter Roman so braucht. Und noch dazu enthält dieses Buch die verzweifelste Szene eines Beischlafes, die ich jemals gelesen habe.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unbedingt lesen!, 15. Mai 2009
Was für ein Buch! In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts (das Buch wurde 1922 veröffentlicht) flüchtet ein junger Mann aus Liebeskummer nach Paris. Dort wird er mehr oder weniger zufällig Journalist und verfällt dem Kokain ebenso wie zwei Frauen, zwischen denen er hin- und hergerissen ist: Seine alte Liebe von einst, früher Maddalena, jetzt Maud, 'hatte die ganze Skala einfacher Liebe durchschritten, um sich auf die Suche nach dem Laster zu machen.' Und Kalantan, die bildschöne Armenierin, 'die durch die kompliziertesten Formen des Lasters gegangen, um die Einfachheit von Umarmungen ohne Raffinement zu suchen.'
Doch es würde diesem Buch nicht gerecht, reduzierte man es allein auf diese Liebesgeschichte. Pitigrilli hält der damaligen Gesellschaft einen Spiegel vor und stellt ihre ganze Oberflächlichkeit und Verlogenheit bloß. Das Ganze wird dazu mit Witz und Intelligenz erzählt - es ist eine wahre Freude dies zu lesen. Ein paar Beispiele hierzu:
'Man muss heiraten, um die Art der Langeweile zu verändern.'
Eine Krankenschwester tröstet einen todkranken Patienten: 'Bedenke doch,...dass dein eines Bein schon im Paradies ist, und dass du nun bald wieder mit ihm vereinigt sein wirst.'
'...erste Anzeichen nahenden Alters. Es ist das Alter, in dem die Männer anfangen, sich braun zu kleiden.'
'Das Mönchlein erklärte ihm, dass man Christus lieben müsse, weil er sich für die Menschheit geopfert habe. Und Tito erwiderte ihm, dass dann die Maulwürfe und Kaninchen, die in den physiologischen Laboratorien geopfert würden, um neue Heilmittel zum Wohle der Menschheit auszuprobieren, ebensogut Jesus Christus seien.'
Und so weiter...
Dazu kommt noch eine ganz eigene Art der Erzählung der Genesis, ein wunderbares Plädoyer für Mütter von unehelichen Kindern, eine ausführliche Diskussion weshalb Prostituierte bessere Ehefrauen sind als Witwen, Überlegungen wie man Gefühle (insbesondere Eifersucht) durch Krankheiten heilen kann, viele Gedanken zum Thema Frauen und Männer und vieles mehr. Und auch wenn ich mich wiederhole: Dieses Buch erschien 1922!
Der einzige Wermutstropfen: In diesem Buch wimmelt es von altmodischen, französischen und spanischen Ausdrücken, die zum Teil auch weder per Lexikon noch Internet zu klären waren. Ein Anhang wäre hier sehr hilfreich gewesen.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine eindrucksvolle, zeitlose Mahnung, 3. August 2005
Tito Arnaudi, der Protagonist und attraktive Lebemann in diesem zeitlos wirkenden Plot, verzichtet aus einem Spleen heraus auf seine Doktorprüfung und flüchtet wegen Liebeskummer nach Frankreich, genauer gesagt nach Paris, wo er einen Artikel über Kokain und Kokainschnupfer schreibt, welchen er seinem reichen Onkel aus Amerika, der Herausgeber einer großen Morgenzeitung in New York ist, sendet. Der große Anklang, den dieser Bericht hervorruft und das Geld, welches ihm deshalb geschickt wurde, gestattet Arnaudi, inzwischen selbst dem Sog des weißen Pulvers erlegen, ein legeres Leben. Seine Ausstrahlung, sein Wohnsitz und der Name seines Onkels, verhelfen Tito schließlich zu einer regulären Anstellung als Journalist. Hin und her gerissen zwischen der Liebe zu zwei Frauen, wobei die eine, Maud, für unersättliche Sinnlichkeit, unbekannte Formen der Liebe und krankhafte Laster steht und die andere, Kalantan, angeekelt von den krankhaften Extravaganzen, für die primitive, einfache, wahre Liebe, gerät Tito immer tiefer in den Strudel dekadenter Ausschweifungen...Mir scheint, Pitigrilli, oder besser Dino Segre, wusste damals ziemlich genau, wovon er schrieb. Dieses Werk gilt in meinen Augen heutzutage nicht mehr als reißerisch, dafür gibt es genug zeitgenössische Literatur, welche sich völlig ungenierter über dieses Thema hermacht, aber es zieht einem dennoch unweigerlich in seinem Bann, vielleicht gerade wegen der manierlicheren Art, mit der Segre an dieses Werk herangegangen ist, obgleich er nichts wirklich beschönigt... Lesen!
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