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Melancholie
 
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Melancholie (Taschenbuch)

von Jon Fosse (Autor), Hinrich Schmidt-Henkel (Übersetzer)
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb. (Mai 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499232189
  • ISBN-13: 978-3499232183
  • Originaltitel: Melancholia
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,4 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 151.536 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Jon Fosse als Romancier

«Melancholie» in deutscher Übersetzung

Die Stücke Jon Fosses, noch vor einem Jahr bei uns so gut wie unbekannt, haben die deutschsprachigen Bühnen erobert. Jetzt gilt es, die Erzählprosa des Norwegers zu entdecken. Der Roman «Melancholie», im Original 1995 und 1996 in zwei Bänden erschienen, handelt vom norwegischen Landschaftsmaler Lars Hertervig (1830 bis 1902). Nicht Geschichten erzählt uns Fosse, er entfaltet Zustände, zwanghaft umkreist er Schlüsselerlebnisse des begabten, aber hilflosen Künstlers, der an der Düsseldorfer Akademie bei seinem berühmten Landsmann Hans Gude studierte, später mit der Diagnose Melancholie für ein paar Jahre in der Irrenanstalt Gaustad eingesperrt wurde und schliesslich in einem Armenasyl starb.

Schon als Kind interessierte sich Fosse für den «verrückten Maler», einen entfernten Verwandten. Lange Jahre sträubte er sich aber gegen den Gedanken, einen Roman über eine historische Person zu schreiben, da er Bücher, in denen Fakten und Fiktionen vermischt werden, nicht sonderlich schätzt. Viele Quellen zu Hertervigs Leben scheint es nicht zu geben, Krankenjournale etwa, Legenden, Mythen, Anekdoten.

Keine Biographie schreibt Fosse, auch keine Romanbiographie, obwohl er das zunächst versucht hatte. Er erkundet vielmehr Hertervigs mentalen Raum, er fragt und überlegt, was im Kopf des Malers vorgegangen sein könnte. Zunächst ist da jener Herbsttag des Jahres 1853, an dem Hertervig aus seiner Düsseldorfer Bude fliegt, weil er sich in die blutjunge Nichte des Zimmerwirts verliebt. Gleichentags will Gude ein Urteil über die Malkünste des Eleven fällen. Zwischen Grandiositäts- und Minderwertigkeitsgefühlen ist der junge Maler, Fosses Alter Ego, hin- und hergerissen. Einige Jahre später finden wir ihn in der Irrenanstalt. Er wälzt sich auf dem Bett, zwanghaft onanierend, der Oberarzt hat ihm gesagt, dass er nicht mehr werde malen können. Es folgt ein Kapitel, das im Spätherbst 1991 spielt. Der fiktive Schriftsteller Vidme sucht eine Pastorin auf. Er möchte in die Staatskirche eintreten, doch die Pastorin kommt zum Schluss, dass er nicht in die Kirche passe, denn er sei ein Mystiker, «und wenn die Norwegische Kirche etwas nicht will, dann Mystiker». Vidme schreibt stattdessen ein Buch über Hertervig. Er erlebt die Kunst, seine eigene wie jene Hertervigs, als Gnade. Fosse zeigt, dass sich alle Fakten mit dem Blick, den man auf sie wirft, verändern, wenn wir im Schlussteil des Romans Hertervig durch die nicht allzu weit geöffneten Augen seiner fiktiven Schwester Oline erleben. Der Maler ist bereits tot, sein Bruder Sivert liegt im Sterben. Olines Gedanken jedoch kreisen monoman um Essen und Abführung.

Als Fosse an dem Buch arbeitete, studierte er Thomas Bernhards Roman «Der Untergeher» über Glenn Gould, in Fosses Worten «die reine Lüge, aber ein guter Roman». Fosse lernte, wie Bernhard ein fremdes mit dem eigenen Leben verwob. Fosses Buch hat denn auch einiges von der Obsessivität der Prosa Bernhards. Die Erzählmaschine des Norwegers rollt langsam und rhythmisch voran, gespeist von unablässigen Variationen. So gelingt es Fosse, die Zwänge des von Wahnbildern heimgesuchten Malers auch im Erzählprozess bewusst zu machen. Während wir Bernhards Roman geniesserisch einschlürfen, lässt uns Fosse durch die Art seiner unerbittlichen Variationen und Repetitionen, durch sein Umkreisen des immer Gleichen, geradezu physisch mit dem kranken Maler leiden, und wir erkennen, wie isoliert Hertervig in seinem mentalen Gefängnis ist. Wo bei Bernhard Witz und Sarkasmus triumphieren, herrscht bei Fosse Düsternis und Depression. Fosse schreibt nie höhnisch, vielmehr bestimmt Trauer den emotionalen Duktus seines Buches. In dieser Trauer liegt aber etwas Versöhnliches. Von Sehnsucht nach einem «inneren Licht» ist Fosses dunkler Roman durchsäuert. Im südwestnorwegischen Quäkermilieu, dem Hertervig entstammte, war «das innere Licht» ein tragender Wert. Fosse schreibt die Dunkelheit herbei, weil er an den negativen Weg zum Licht glaubt.

Fosse, der sich als Autor, ähnlich wie der Maler Hertervig, in einem sozialen Leerraum sieht, schreibt über das Soziale und die Abwesenheit des Sozialen. Er führt uns so an die Grenzen der Existenzmöglichkeit. Hertervig litt unter einem inneren Druck, der so stark war, dass er sich am Leben der andern nicht beteiligte. Er lebte in seinem Träumen. Gespannt ist man, wie Jon Fosse sich künftig entwickeln wird, ob sich infolge der internationalen Beachtung, die sein Werk, anders als jenes Hertervigs, erfährt, auch der Impetus seines Schreibens ändern wird.

Aldo Keel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Kurzbeschreibung

Der norwegische Maler Hertervig ist unsterblich verliebt, völlig verrückt nach der fünfzehnjährigen Helene; er verliert den Verstand. Das grandiose Psychogramm eines melancholischen Künstlers.

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Berührend, 21. Juni 2004
Von Ein Kunde
Ich gebe zu: ich habe für dieses Buch gleich drei Anläufe gebraucht. Die ersten beiden Versuche scheiterten kläglich an den ersten 50 Seiten. Zu monoton schienen mir Handlung und Sprache, zu viele Wiederholungen, zu endlos die Sätze. Und diejenigen, denen es ähnlich geht, und die auf eine Veränderung der Stilmittel im Rest des Buches hoffen, muss ich enttäuschen. Stil und Charakter des Buches bleiben bis zur letzten Seite erhalten.

Was sich aber sehr wohl ändert, ist der Leser. Nachdem ich mich zum dritten Mal durch den Anfang durchgebissen hatte, und immer weiter las, wurde ich mehr und mehr angezogen von dieser Sprache, von diesen Gedanken. Denn dieser Stil ist kein Seitenfüller, um das Buch dick und wichtig erscheinen zu lassen...nein, er gibt eindrucksvoll und nachfühlbar die Psyche eines Mannes wieder, der an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn schwankt. Und man merkt an den Details, an den kleinen Aha-Erlebnissen und Stellen zum Schmunzeln, wieviel Geist hinter alle dem steckt, wieviel Gefühl. Ich bin schließlich komplett eingetaucht in die Welt dieses Buches, war unfähig das Buch wegzulegen, so sehr hat es mich berührt..

Zudem ist die Handlung insgesamt auch ziemlich fesselnd, auch wenn sich eigentlich relativ wenig tut. Es gibt allerdings ein paar Lokalitätenwechsel und Zeitsprünge, zudem wechselt die Erzählperspektive, was dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz gibt.
Und der Schluss ist einfach unendlich schön. Ich bin echt verzaubert vom Einfühlvermögen des Autors. Eine Moral von der Geschicht o.ä. sucht man vergeblich, dieses Buch ist die Geschichte eines Landschaftsmaler, und emotionale Landschaften malt auch der Autor. Dieses Buch erzeugt im Leser eine gewisse (schwermütige) Stimmung, die auch über das Ende hinaus erhalten bleibt.

Diejenigen, die diese Stimmung kennen, werden ihr anfängliches Durchhalten nicht bereuen....anderen bleibt es womöglich für immer verschlossen. Für mich gehört es jedenfalls zu den Besten die ich jemals gelesen habe..
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4 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Zu wenige Wörter für über 400 Seiten., 21. Juni 2001
Von lars.vollert@gmx.de (Frankfurt, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Diese Rezension stammt von: Melancholie (Gebundene Ausgabe)
"Melancholie" leidet an einer Krankheit, die viele zeitgenössische Bücher befallen zu haben scheint: ewige Wiederholungen. Es ist erstaunlich, wie man einen derart umfangreichen Roman mit so wenigen verschiedenen Wörtern füllen kann. Fraglich ist aber, ob angesichts dieses Stilmittels der eigentlich faszinierende Inhalt noch wahrgenommen wird: das Abgleiten eines jungen Malers in den Wahnsinn. Vielleicht ist das Buch ein Versuch, dieses Irrewerden durch einen Blick in einen verwirrten, in sich selbst gefangenen Geist zu erklären. Nach längerer Lektüre fragt man sich als Leser jedoch selbst, ob der eigene Kopf noch klar ist.
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5.0 von 5 Sternen Verliebt, 22. Oktober 2008
Von Polar - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Deutsche mögen die skandinavische Literatur, die nebelverhangenen Ufer, die verschlossenen, wortkargen Bewohner, ihre tiefe, oft in sich verschlossene Leidenschaft, die sich nicht selten gewaltsam Luft verschafft. Wer bereit ist, sich in die Abgründe der menschlichen Psyche zu begeben, ist bei Jon Fosse gut aufgehoben. Zwar kommt er in Melancholie nicht so gewohnt wortkarg daher, doch breitet sich die wehmütige Stimmung vor allem in der verstörten Seelenlandschaft eines Künstlers aus, der nicht lieben darf. Er darf betrachten, darf Pinsel und Farbe in die Hand nehmen und doch tut sich nach einem Blick in die Augen seiner Angebeteten ein Riss auf, der nicht mehr zusammenzufügen ist. Schade, dass Helene erst Fünfzehn ist. Aber vielleicht gründet gerade Lars Hertervigs Zuneigung darin, dass sie unschuldig scheint und unerreichbar bleibt. Was mancher Künstler als Muse verpackt, will der Maler sein eigenen nennen und verliert den Verstand darüber. Fosse der Meister des inneren Monologs lässt seinen Helden alles verlieren, sein Stil der dosierten Wiederholung, den er in seinen Theaterstücken meisterhaft beherrscht, zieht den Leser in einen Bann, verlangt ihm allerdings Geduld ab. Wer mitgerissen werden will, ist hier falsch beraten. Er muss sich treiben lassen. Und dies hat nichts mit Skandinavien zu tun, mag der Nebel noch so dicht sein. Schwermut ist in jedem Landstrich anzutreffen, wenn einer sie in sich trägt.
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5.0 von 5 Sternen Malerische Innenwelt
Als der flämische Landschaftsmaler Lars Hertervig Mitte des 19. Jahrhunderts die Düsseldorfer Akademie besucht. Kennt er niemanden. Wahrscheinlich nicht mal sich selbst. Lesen Sie weiter...
Vor 21 Monaten von N. K. veröffentlicht

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