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Ein ganzer Kerl
 
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Ein ganzer Kerl (Taschenbuch)

von Tom Wolfe (Autor), Benjamin Schwarz (Übersetzer)
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
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Ein ganzer Kerl + Fegefeuer der Eitelkeiten + Ich bin Charlotte Simmons: Roman
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  • Dieser Artikel: Ein ganzer Kerl von Tom Wolfe

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  • Fegefeuer der Eitelkeiten von Tom Wolfe

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 1079 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 2., Aufl. (März 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349922920X
  • ISBN-13: 978-3499229206
  • Originaltitel: A Man in Full
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,8 x 4,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 59.825 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

    Beliebt in dieser Kategorie:

    Nr. 33 in  Bücher > Belletristik > Romane & Erzählungen > Nach Epochen > Weltliteratur > 20. Jahrhundert > Nordamerika

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Seit er 1972 seinen Klassiker, den Essay "Why They Aren't Writing the Great American Novel Anymore" veröffentlichte, hat Tom Wolfe seine schriftstellerischen Präferenzen laut und deutlich vorgebracht. Für den Musterknaben des New Journalism ist Minimalismus eine Pleite, wenn nicht gar eine Folge von Mutlosigkeit. Die wahre Aufgabe des amerikanischen Schriftstellers sei es, große Romane über gesellschaftliche Beobachtungen zu produzieren -- von der Sorte, die Balzac auftischen würde, hätte er sich ins Viagra-Zeitalter hinübergerettet. Wolfes Manifest hätte einen arroganten Klang, hätte er es nicht bereits 1987 mit Fegefeuer der Eitelkeiten geschafft. Nun, mehr als ein Jahrzehnt später, ist er wieder da mit einem zweiten Roman. Ist der "Mann in Weiß" seinen eigenen Ansprüchen gerecht geworden?

In vielerlei Hinsicht müßte die Antwort "Ja" lauten. Wie sein Vorgänger ist Ein ganzer Kerleine Großleinwand-Arbeit, in der eine Vielzahl von Figuren an der gefetteten Stange des gesellschaftlichen Lebens hoch- beziehungsweise (rasch) an ihr herunterklettern. "In einem Zeitalter wie diesem", erinnert uns eine der Figuren, "im ausgehenden 20. Jahrhundert, war gesellschaftliche Stellung alles, und sie zu erringen, war das Schwierigste, was es gab". Wolfe hat ganz gewiß den Schauplatz geändert. Statt auf New York konzentriert er sich hier auf Atlanta, Georgia, wo der Kampf um Revier und Macht durch Südstaatenanstand zumindest leicht patiniert ist. Die Handlung dreht sich um Charlie Croker, einen egomanischen Südstaatler mit einem im Zerfall befindlichen Immobilienimperium am Hals. Aber Wolfes Aufmerksamkeit konzentriert sich genauso stark auf zwei Nebendarsteller: einen im sozialen Abstieg begriffenen Familienvater, Conrad Hensley, und Roger White II, afroamerikanischer Anwalt bei einer renommierten Kanzlei. Was diese Nebenhandlungen letztendlich zusammenführt -- und einen Feuersturm des Rassenhasses in Atlanta auszulösen droht --, ist die angebliche Vergewaltigung einer Debütantin durch Georgia Tech Football-Star Fareek "The Cannon" Fanon.

Eine detaillierte Inhaltsangabe der Handlung wäre natürlich in etwa so lang wie ein durchschnittlicher minimalistischer Roman. Nur soviel sei gesagt -- Ein ganzer Kerl ist voll von der Sorte hervorragender klassischer dramaturgischer Elemente, wie wir sie von Wolfe inzwischen erwarten. Eine Wachteljagd auf Charlies 29.000-Morgen-Plantage, ein Wichtigtuer-Abend im Sinfoniekonzert, eine politisch geladene Pressekonferenz -- der Autor setzt diese Szenen zusammen mit einer Freude, die sich rasch auf den Leser überträgt. Das Buch ist darüber hinaus sehr, sehr komisch. Die Anwaltskanzleien, wie die vornehme, erfolgreiche Fogg Nackers Rendering & Lean, könnten direkt von Dickens stammen, und Wolfe läßt sogar seinen Nebenfiguren, wie den Berufshinterwäldler Opey McCorkle, lebendig werden: In wahrer Opey-McCorkle-Manier erschien er zum Abendessen mit kariertem Hemd, karierter Krawatte, roten Filzhosenträgern und um seinen Schmerbauch einen großen, alten Ledergürtel, der aussah wie etwas, mit dem man ein Maultier anspannen könnte. Aber hier hatte er seinen sonst üblichen Schwall von schwülstiger Rhetorik gemischt mit Baker-County-Ismen abgelegt. Leser auf der Suche nach einem netteren, sanfteren Wolfe werden möglicherweise enttäuscht sein. Während er die (notwendige) Überlegenheit des Satirikers gegenüber seinem Sujet bewahrt, neigt er dazu, genau dann seine Überlegenheit zu verlieren, wenn er versucht, uns zu bewegen. Trotzdem, wenn es um die maximalistische Porträtierung der amerikanischen Szene geht -- und um reine Satz-für-Satz-Unterhaltung -- dann sieht es so aus, als ob 1998 tatsächlich das Jahr des Wolfes werden kann. --James Marcus -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Ganze Kerle, halbes Vergnügen

Tom Wolfes neuer Roman

Die Namen, welche Massstäbe für die zeitgenössische amerikanische Literatur setzen, sind bekannt. Zu nennen wären etwa der grosse Gesellschaftsporträtist John Updike mit seinem extensiven und vergleichsweise zugänglichen Œuvre oder Philip Roths über scharfe Grate führende Erkundung jüdisch-amerikanischer Existenz; vor allem aber die Exponenten der literarischen Avantgarde: Don DeLillo, Thomas Pynchon und der im Dezember 1998 verstorbene William Gaddis. Zumindest die beiden letzteren führen nur wenige, allerdings meist gewichtige Titel in ihrer Bibliographie; und alle drei ähneln sich in ihrer Zurückhaltung gegenüber den heute gängigen Personality-Vermarktungsstrategien.

Wie ist es möglich, dass Tom Wolfe sich mit dem 1987 erschienenen «The Bonfire of the Vanities» (dt. «Fegefeuer der Eitelkeiten») – einem zwar dem Zeitgeist der achtziger Jahre auf den nach Designermode lechzenden Leib geschriebenen, literarisch aber nicht überwältigenden Buch – für seine neue Romanpublikation gleich viel Aufmerksamkeit sichern konnte, wie sie DeLillos fünfzig Jahre überspannendem soziohistorischem Panorama «Underworld» zuteil wurde oder der abenteuerlichen Exkursion durch Ideen- und Sprachwelt des 18. Jahrhunderts, die Pynchon mit «Mason & Dixon» unternahm? Wir möchten nicht davon ausgehen müssen, dass Wolfes emsige Imagepflege – etwa seine Fixierung auf vanillefarbene Massanzüge – allein den Mehrwert an Substanz, Imaginationskraft und Kunstvermögen aufwiegt, den jene anderen Autoren in ihr Schaffen einbringen.

Klischees und Redundanzen

Gewiss: Wolfes neuer Roman will sein, was man in Amerika als pageturner begrüsst, spannend, handlungsorientiert und mit aktuellen Themen versetzt. «Ein ganzer Kerl», wie das Buch in der deutschen Fassung heisst, legt die Schwelle in sprachlicher und erzähltechnischer Hinsicht wesentlich weniger hoch als die beiden eben genannten Romane und kann mit dem thematisch verwandten «JR» von William Gaddis – einer Wirtschaftssatire, die schwindelerregender gebaut ist als die gewagteste Börsenspekulation – schon gar nicht verglichen werden. Gegen ein Buch, das den Leser weniger hart fordert, wäre nun freilich nicht das geringste einzuwenden; irritierend wirken jedoch Wolfes Charaktere, die mehr oder minder fest in ihren Schablonen kleben, seine Armada von auf ihre sekundären Geschlechtsmerkmale reduzierten Frauenfiguren und die etwas vernutzte Strategie, mit der einen Hand anklagend auf die verrohte Sexualmoral unserer Zeit hinzuweisen und gleichzeitig mit der andern den Voyeurismus des Lesers zu alimentieren. Auf eher bemühende Art unterfordert fühlt man sich auch durch die zahlreichen Wiederholungen und Redundanzen, die das ohnehin umfangreiche Buch unnötig aufblähen.

Dazu trägt auch die Übertragung von Benjamin Schwarz das Ihrige bei: Möglicherweise unter dem Druck der Zeitnot hat sich der Übersetzer dafür entschieden, Wortspiele, Slang- oder Dialektphrasen auf englisch einzuschiessen und sie vorgängig oder nachher im deutschen Wortsinn wiederzugeben. Das entspricht zwar zumindest stellenweise dem Original, wo derartigen Elementen öfters auch die Standardvariante beigegeben ist; doch wirkt die Lösung im Deutschen insgesamt schwerfällig und wenig überzeugend.

Den Ehrentitel «ganzer Kerl» beansprucht im Roman der Immobilienentwickler (auch hier hätte mit «Generalunternehmer» eine elegantere Übersetzungsvariante zur Disposition gestanden) Charlie Croker: ein bulliger Sechzigjähriger mit ergreifend schlichten Idealen, die von einer Vorliebe für die Gemälde des populären amerikanischen Realisten Andrew Wyeth bis zur mit erklecklichem finanziellem Aufwand gepflegten Nostalgie für den Lebensstil der verblichenen Südstaatenaristokratie reicht. Dass die Verbindlichkeiten der political correctness daneben keinen Raum finden, versteht sich von selbst. – Mit den nicht eben bescheidenen Lebenshaltungskosten, die ihm seine persönlichen Vorlieben abnötigen, und einer noch wesentlich gigantischeren Fehlspekulation hat Croker soeben eine halbe Milliarde Dollar in den Sand gesetzt, die leider nicht sein eigen war; die Szene, in welcher ihn der für solche Fälle zuständige Bankexperte zwar nicht gerade Blut schwitzen lässt, aber doch immerhin «Satteltaschen» – nämlich feuchte Flecke, die sich am Ende der Prozedur vorn auf Crokers Heldenbrust treffen –, gehört zu den Paradestücken des Buches. Gleichzeitig merkt der geneigte Leser, dass sich der Autor in aller Stille daranmacht, den zähen Fleischbrocken Croker vor unsern Augen zum Menschen weichzuklopfen.

Keine vergleichbare Gunst widerfährt Fareek Fanon, dem farbigen Spitzensportler, der laut Gerücht die Tochter eines anderen – weissen – Finanzpotentaten am Ort vergewaltigt haben soll. Der Ort ist Atlanta und damit ein Epizentrum an der Verwerfungslinie zwischen dem «schwarzen» und dem «weissen» Amerika. Die Geburtsstadt Martin Luther Kings hat sich zwar von ihrer durch Segregation und aggressiven Rassismus geprägten Vergangenheit zum «Chocolate Mecca» emanzipiert, wo eine tadellos gekleidete Crème arrivierter Afroamerikaner und ein farbiger Bürgermeister die Zielgerade der Chancengleichheit passiert zu haben scheinen; doch nach wie vor verläuft eine unübersehbare und auch mit Geld und beruflichem Erfolg kaum zu überwindende Grenze zwischen dem «oberen» und dem «unteren» Stadtteil. Vergleichsweise höflich lässt sich Wolfe hier beim Porträt des Bürgermeisters oder eines jungen Karriereanwalts auf die Probleme der zwischen gesellschaftlicher Ambition und der Loyalitätspflicht zur eigenen Bevölkerungsgruppe lavierenden Afroamerikaner ein; Fareek Fanon freilich bleibt auf die Karikatur eines gehirnamputierten Muskelbergs reduziert, und angesichts dieser Tatsache erscheint die Wahl seines Namens als intendierte Taktlosigkeit. Wir möchten dem Autor nicht die Ignoranz unterstellen, dass er ohne besseres Wissen auf den Nachnamen eines der berühmtesten Vorkämpfer für die Rechte der Nichtweissen zurückgegriffen hätte.

Plötzlich dieser Edelmut

Noch dies wäre einigermassen tolerierbar gewesen, wenn Wolfe sich ganz auf den Rahmen der Gesellschaftssatire beschränkt hätte, innerhalb dessen sich die Haupthandlung entwickelt. In einem aufwendig, allerdings öfter ohne die wünschenswerte erzählerische oder psychologische Tiefenschärfe inszenierten heimlichen Kuhhandel verspricht Croker, sich für den inkriminierten schwarzen Sportler zu verwenden, wenn ihm dafür seine Schulden getilgt werden – während in den Kulissen bereits die Neider, die Frustrierten und Beleidigten auf den Sturz des grobschlächtigen Tycoons und einen erfolgreichen Beutezug durch die Ruinen lauern.

Doch der Autor begnügt sich nicht damit, auf diese Art das Fegefeuer der Eitelkeiten, der Gier und der Selbstverleugnung neu anzufachen. Er verschränkt Crokers Schicksal mit einer Story, die – abgesehen von ihrem gegen gewisse sittliche Normen verstossenden Mittelteil – den Heftchen des Schweizerischen Jugendschriftenwerks wohl angestanden hätte, die einst hiesigen Primarschülern zu Kauf und Erbauung angeboten wurden. Als der eigentliche «ganze Kerl» im Buch erweist sich Conrad Hensley, ein wackerer junger Mann, der seine Familie durch Schwerarbeit im Kühlhaus eines – ebenfalls zu Crokers Wirtschaftsimperium gehörigen – Lebensmittelkonzerns erhält und wegrationalisiert wird, als sich die Wolken über dem Geschäftsmann zusammenziehen. Aus schierer Rechtschaffenheit landet Conrad bald darauf im Gefängnis – sprich: im gärenden Abschaum der amerikanischen Gesellschaft –, wo ihm ein erster Zufall die Schriften des Stoikers Epiktet in die Hand spielt und ein zweiter (nichts Minderes als ein Erdbeben wird hier aufgeboten) ihm im Moment höchster Gefahr zur Freiheit verhilft. Und selbstverständlich ist es wieder Zufall, dass Conrad in seinem neuen Leben Krankenpfleger – und, nach einigen weiteren Guttaten, dem mittlerweile durch Intrige, drohenden Ruin und eine Operation schwer mitgenommenen Croker zugeteilt wird.

Diese unglaubliche Verkettung und die konsequente moralische Überspanntheit sind die einzige und leider zumindest dem Anschein nach unbeabsichtigte Ironie dieses Handlungsstrangs; und das Happy-End, in dessen Verlauf uns Wolfe die Lehren Epiktets zum dritten- oder viertenmal auftischt, beleidigt zwar wohl nicht den gelassen im Hades wandelnden Geist des Stoikers – aber doch jeden einigermassen anspruchsvollen Leser.

Angela Schader -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Tom Wolfe noch besser, 10. April 2001
Von Ein Kunde
Wolfe hat sich nach "Fegefeuer der Eitelkeiten" lange Zeit gelassen, um ein Meisterwerk vorzulegen. Fesselnd vom Anfang bis zum Schluss und sehr humorvoll gibt er einen Einblick in die (Untiefen der) amerikanische Gesellschaft. Ausgeprägte Charaktere, die gerade durch ihre Überzeichnung das Buch zusammen trotz der verschiedenen Handlungsstränge fesselnd machen. Einziges Manko - die deutsche Übersetzung. Nachdem ich zuerst die englische Fassung gelesen hatte, war ich zunächst enttäuscht, als ich den Roman nochmals auf Deutsch lesen wollte. Gerade die langen Passagen, die im Slang verfasst sind, lassen sich sicherlich nur schwerlich übersetzen. Allen, die im Englischen fit sind, kann ich nur die Originalausgabe empfehlen. Für die deutsche Fassung deshalb nur 4 Punkte, sonst wären es 5 (oder auch mehr...).
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Nicht das beste Buch der Welt, aber ein großer Wurf, 28. August 1999
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: Ein ganzer Kerl (Gebundene Ausgabe)
Angeblich wollte Tom Wolfe mit "Ein ganzer Kerl" das beste Buch der Welt schreiben. Damit dürften ihm allerdings schon ein paar Leute zuvorgekommen sein. Trotzdem hat er Erstaunliches geleistet. Nachdem der Autor sich mit "Fegefeuer der Eitelkeiten" in den amerikanischen Literatur-Olymp und in ein Luxus-Apartement in New Yorks Park Avenue katapultiert hatte, wollte er jetzt noch einmal nachlegen. Wieder sollte es ein Spiegelbild eines ganz bestimmten Teils der amerikanischen Gesellschaft werden. Diesmal handelt es sich um Atlanta, Georgia während der letzten Dekade unseres Jahrhunderts. Hier residiert Charlie Croker, der als Immobilienentwickler ein Vermögen gemacht hat, welches er in eine Lebensmittelgroßhandelskette, eine 29000-Morgen-Plantage und diverse Gebäude investiert hat. Nun steht er allerdings kurz vor der Pleite, da er für sein jüngstes Projekt, entgegen seinen sonstigen Prinzipien, persönlich gehaftet hat.

Die andere Hauptfigur ist Conrad Hensley. Mit 23 schon verheiratet und Vater von zwei Kindern, ist er Lagerarbeiter in einem vom Crokers Kühlhäusern in Kalifornien. Weil Croker sparen muß, wird Conrad entlassen. Damit beginnt für ihn der Abstieg, oder besser, die Odyssee, die ihn schließlich zu Croker selbst führen wird.

Dann ist da noch Ray Peepgass, der nicht nur mit seinem Namen gestraft ist. Er ist Angestellter im mittleren Managment jener Bank, bei der Croker die meisten Schulden hat. Von seiner Frau aus dem Haus geworfen und einer Ex-Geliebten auf Kindesunterhalt verklagt, sieht er hier seine Chance gekommen, schnell zu viel Geld zu kommen.

Und wieder zeigt uns Wolfe, wie Politik betrieben wird und wie sie sich auf das Leben scheinbar Unbeteiligter auswirkt. Der schwarze Bürgermeister von Atlanta steht vor seiner Wiederwahl. Diesmal gibt es einen ernst zu nehmenden schwarzen Gegenkandidaten. In dieser Situation kommt plötzlich das Gerücht auf, der aus einem Ghetto stammende schwarze Football-Star Fareek "The Cannon" Fanon habe die Tochter eines weißen Multimillionärs vergewaltigt. Sofort formieren sich hinter den Kulissen die Fronten, um diesen Umstand irgendwie zu nutzen.

Die New York Times hat Wolfe vorgeworfen, seine Charaktere fast nur über Äußerlichkeiten zu definieren. Aber diese Kritik geht fehl. Wolfe's Hauptanliegen ist es gerade zu zeigen, wie sehr die Menschen in der westlichen Welt, und ganz besonders in Amerika, sich selbst über Statussymbole definieren. So ist es doch verständlich, wenn Peepgass zu einer reichen Scheidungswitwe nicht in seinem alten Ford Escort, sondern einem geliehenen Volvo 960 fährt. Geld regiert die Welt!

Im Gegensatz zu "Fegefeuer der Eitelkeiten" sind die Charaktere in "Ein ganzer Kerl" etwas menschlicher, obwohl sie egoistisch und zynisch genug sind.

Wolfe kann die männliche Gier nach Macht, Geld und Sex hervorragend beschreiben. Auch in "Ein ganzer Kerl" sind die Protagonisten ständig einem Hagel aus sexuellen Reizen ausgesetzt.

Diesmal versucht der Autor allerdings auch, das Denken zumindest EINER Frau zu beschreiben. Ob ihm das gelungen ist, vermag ich als Mann jedoch nicht zu beurteilen.

Der überraschende Schluß des Buches ist in den USA heftig kritisiert worden. Während sich in "Fegefeuer der Eitelkeiten" alles zwangsläufig, wie in einer griechischen Tragödie, auf den Sturz des Protagonisten zubewegte, erfahren die Dinge diesmal noch eine erstaunliche Wende. Aber in einem Land wie Amerika scheint gerade das Verrückte die Normalität zu sein. Insofern ist auch der Schluß nur eine Variante der amerikanischen Realität.

Spannend, unterhaltsam und lehrreich gewährt Tom Wolfe uns mit "Ein ganzer Kerl" einen Einblick in Südstaatlermentalität, die männliche Seele und deren Religion, das Geld.

Trotzdem bleibt ein Rest von Zeus' Funken in uns.

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Es war einmal in Amerika, 6. Februar 2005
Von Ulrich Schröder (Griesheim Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Nach "Fegefeuer der Eitelkeiten" wieder ein absoluter Volltreffer dieses Autors, der es wie kaum ein Zweiter versteht, einen glasklaren Blick auf unsere heutige Zeit zu vermitteln und Sachen auf den Punkt zu bringen. Abgesehen von einer ungemein fesselnden Komposition - ich konnte mich kaum von dem Buch los reißen - schenkt er uns so manches Aha-Erlebnis. Ein großes Lesevergnügen trotz einer teilweise unerfreulichen Geschichte.
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4.0 von 5 Sternen Der Sueden lebt!
Nach Fegefeuer der Eitelkeiten gewaehrt uns Wolfe mit dem vorliegenden Roman einen erneuten Einblick in die Strukturen der amerikanischen Gesellschaft und dem Denken und Handeln... Lesen Sie weiter...
Vor 1 Monat von faustino888 veröffentlicht

5.0 von 5 Sternen Buch zum Niederknien
Ach gäbe es nur mehr Autoren vom Format eines Tom Wolfe. In "Ein ganzer Kerl" wird uns die amerikanische Befindlichkeit kraftvoll und authentisch vor Augen geführt. Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von Angelika Schaller veröffentlicht

5.0 von 5 Sternen Ein ganzer Kerl
Finanzkrise und kein Ende. Wollen Sie mal so richtig eintauchen in die Welt der ganzen Kerle dort draußen, sich mitreißen lassen von einem der brillantesten Schriftsteller, den... Lesen Sie weiter...
Vor 12 Monaten von ECOreporter.de veröffentlicht

5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnet! So sollte ein Roman geschrieben sein!
Mit diesem Roman toppt Tom Wolfe sein Erstlingswerk um Längen! Es ist zumindest mit einer der besten Romane, den ich je gelesen habe. Lesen Sie weiter...
Vor 13 Monaten von Marcio Martedi veröffentlicht

5.0 von 5 Sternen mal was anderes
ich, eine frau anfang (leider bald eher mitte) 40, verheiratet, 2 anstrengende kinder, lese sonst nur marian keyes und liane moriarty. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 27. Juni 2007 von B. eberan-krause

5.0 von 5 Sternen 1080 Seiten wollen gelesen sein - absolut kein Problem !!!
Tom Wolfe schreibt hier nach "Fegefeuer der Eitelkeiten" wieder einen tollen Roman (seinen 2.) über einen "Master of the Universe", der zum Schluß zum Stoiker wird und einsieht,... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 17. Dezember 2006 von Laoban888

5.0 von 5 Sternen Ein ganzer Kerl
Tom Wolfe hat die Fähigkeit, Menschen, Charaktäre und Situationen so intensiv und detailliert zu beschreiben, dass man sie fühlen und vor sich sehen kann. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 18. September 2006 von Scilly

4.0 von 5 Sternen Reich werden ist nicht so schwer-reich bleiben aber sehr!
Hi,
die Schwere an gedruckten Seiten in der Hand gewogen, paßt bestens zur Wahrnehmung des Hauptdarstellers dieser sehr unterhaltsamen Gesellschafts..satire(?). Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 8. September 2006 von S. Hempel

5.0 von 5 Sternen Ein Roman wie aus einem Guss
Dies ist die Geschichte von Charlie Croker, dem Immobilientycoon, der knapp vor der Pleite steht. Die Aaasgeier warten schon.... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 31. März 2005 von Mag Wolfgang Neubacher

5.0 von 5 Sternen Tom Wolfe ist wahrhaftig ein ganzer Kerl!
Ein fesselndes Panorama des menschlichen Größenwahns, der Abgründe, Tragödien, Irrtümer und Eitelkeiten wie nur Tom Wolfe sie beschreiben kann. Lesen Sie weiter...
Am 7. Mai 2004 veröffentlicht

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