Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein "Heimatloser" in der Fremde, 21. Januar 2000
In einer engen Einzimmerwohnung in Buda lebt von der Außenwelt abgeschottet ein Schriftsteller, genannt "der Alte". Jeden Morgen "(relativ früh: ungefähr zehn)" hängt er gedankenverloren über alte Aufzeichnungen, die sich in einer Mappe unter einem Briefbeschwerer befinden, wenn "der Alte" die Schublade des Sekretärs noch nicht geöffnet hat und immernoch wie jeden Morgen "(relativ früh: ungefähr zehn)" vor dem Sekretär stehend zu denken beginnt. Täglich sinniert er über seine "Ideen, Skizzen, Fragmente", die er aus der Schublade zieht (aber wen interessiert`s). Da ist z.B. der vom Verlag abgelehnte Roman (er bringt seitdem nichts mehr zu Papier, nur Übersetzungen, "sicheres Geld"). Gedanken kreisen in seinem Kopf, ein neuer Roman, das wär`s - aber seine Phantasie ist (wie er selbst) in der engen Einzimmerwohnung eingekerkert.In beeindruckend kunstvoller Prosa mit (teilweise exzessiven) Wiederhohlungen gelingt es Kertesz, dem Leser das eingekerkerte Dasein "des Alten" nachzuempfinden, ja, manche komplizierten Satzkonstruktionen wird man mehrmals lesen, sodaß der Leser selbst in Wiederholungen gerät und von fesselnder Prosa gefangen wird. Eines Morgens gelingt es "dem Alten", den Kerker seiner Rituale zu durchbrechen, beginnt einen fiktiven Roman über den Journalisten Steinig zu schreiben, der mit einem Flugzeug in eine fremde Stadt kommt, die ihm vertraut erscheint, aber auch unheimlich. Ein gespenstischer Empfang auf dem menschenleeren Flughafen: er folgt den gleißenden Lichtsrahl eines Scheinwerfers und gerät in die Zangen eines sozialistischen Systems, der ihn "als Diener einer höheren Idee" zum Opfer willkürlicher Entscheidungen diverser Obrigkeiten werden läßt. Mehrmals bekommt er Arbeit, mehrmals verliert er sie wieder (Beschwerden sinlos, er hat zu gehorchen). Steinig muß zum Militär und kommt in arge Bedrängnis, als er zum Gefängniswärter bestellt wird. Erläüft Gefahr, selbst zum Mitverantwortlichen eines unmenschlich totalitären Systems zu werden. Kertesz läßt den Leser mitfühlen, mitleiden und erinnert an die politischen Verhältnisse der fünfziger Jahre in Ungarn. Auch nach der Lektüre ist man noch gefesselt.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Gefühl der Leere verarbeitet..., 24. April 2003
Auch dieser 2. Roman von Kertész ist stark autobiografisch und erzählt von dem „Fiasko", das den „Alten" ereilt, nachdem a) sein „Roman eines Schicksallosen" vom Verlag abgelehnt wird, und b) der Autor sich nach Abschluß einer über 10-jährigen schriftstellerischen Arbeit an dem „einzigen ihm möglichen Roman" in einen leeren Raum geworfen sieht. Zu keiner anderen Arbeit als dem Schreiben taugend, entschließt sich der „Alte" schließlich, das Fiasko selbst zu thematisieren in einem in das Buch eingebundenen Roman. Darin wird das sinnentleerte Dasein des Herrn Steinig in einem Überwachungsstaat (gemeint ist das kommunistische Ungarn) geschildert, der aus dem „Ausland" kommend, sich in dem inzwischen verwandelten Land nicht mehr auskennt. Auch andere Personen scheitern, einziger Rückzugsraum scheint die „Südsee" zu sein, eine Kneipe, in der Steinig essen geht, und wo er sich noch am ehesten aussprechen kann. Steinig wird heimkehrend zunächst als Redakteur gefeuert und zu einem Schlosserdasein verknackt, dann rehabilitiert. Jedoch ist dann die Redakteurstätigkeit beschränkt auf sinnlose Artikel, die er selbst nicht recht versteht. Noch einmal wird er gefeuert, dann zum Militär eingezogen. Wiederum muß er als Aufseher in einem Militärgefängnis einer sinnlosen Tätigkeit nachgehen, wird er „gelebt". Als schließlich das Regime abgeschafft und die Freiheit möglich wird (der Roman erschien 1988 !), kann er nicht das Land verlassen, weil er noch „seinen Roman" schreiben muß, der dann auch zunächst abgelehnt, später angenommen wird. Zuletzt sehnt er sich als arrivierter Autor fast schon zu seinem „Fiasko" zurück, das sich mit den Jahren abnutzt wie der Stein, den Sisyphos immer neu den Berg heraufrollte. - Mit diesem schönen Bild endet das Buch, das sicher ein wichtiges Zeitzeugnis darstellt, aber natürlich nicht an den „Roman eines Schicksallosen" von Kertész heranreicht. (11.04.03)
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