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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Identität nur im Schreiben, 12. Dezember 2002
Die Verbindung von Kertesz und dem im Titel zitierten Rimbaud liegt in ihrer Existenz als Schriftsteller. Das ist, wie Kerteszs Buch zeigt, radikal zu verstehen: Er verliert sich da in den Rändern seiner Identität, wo er das Erlebte nicht mehr selbstverständlich in Literatur umformen kann. Er ist nur da mit sich selber identisch, spürt sich nur da, wo er schreibt. Diese Suche nach den richtigen Namen für Personen und für die Dinge selbst, eine Tätigkeit, die mit der Frage nach der Identität unmittelbar verknüpft ist, gewinnt durch direkte oder verborgene Hinweise auf Wittgenstein an Tiefe. Diese Erkenntnis manifestiert sich in einer Reihe von Apercus an verschiedensten Orten der Welt. Dabei spürt man, wie präsent der Holocaust ist, wie anwesend das Abwesende. Als Jude zu einer Identität zu finden ist für Kertesz zu einer Unmöglichkeit geworden. Die Lektüre der kurzen, leicht zu lesenden, aber nachhaltig nachwirkenden Abschnitte lohnt sich auf jeden Fall. Sätze von unendlicher Tiefe stehen neben flüchtigen Erlebnissen im Europa des ausgehenden 20. Jahrhunderts, in dem die ganze, furchtbare Geschichte unheilvoll anwesend ist.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Notizen von einer Selbstauf(=hoch)hebung, 2. Juli 2001
Die Erkenntnis "Ich ist ein anderer" stammt ursprünglich von Rimbaud, wie man weiß. Was haben Rimbaud und Kertész gemeinsam? Nicht viel, sollte man denken. Der eine wird im kollektiven Gedächtnis als Ewigjunger überleben, der andere als immer schon zu Alter. Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit. Beide haben sie ihr Sach auf nichts gestellt, aufs Nichts, aufs Ich - aufs Schreiben. Mehr haben sie nicht als das, was das Schreiben ihnen schenkt(e). Darum zeichnet ihr Schreiben eine brillante existentielle Qualität aus. Sie meinen es ernst, da das Schicksal es ernst mit ihnen meinte; Rimbaud beendete sein Leben als Waffenhändler in Afrika, Kertész begann das seine in Konzentrationslagern. Erstaunlicherweise jedoch bedeutet vollkommene Ernsthaftigkeit in der Literatur eine Luzidität und Selbstabgelöstheit, die man landläufig eher mit Heiterkeit assoziiert. Allein, um dieses (goethische) Paradox zu studieren, lohnt sich die Lektüre dieses schmalen Bändchens.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Identität im 21. Jahrhundert? - eine Farce!, 31. Dezember 2005
„Was sind meine höheren Fähigkeiten?“ fragt sich der Protagonist dieses dünnen Romanheftes, nachdem er auf einer Konferenz einem alten Freund in die Arme läuft, an den er sich allerdings nicht erinnern kann. Auch kann er die Bewunderung des Fremden (für seine Bücher) nicht nachvollziehen: „Ich bin der einzigen Inspiration dieses Landes nicht gefolgt: jenem permanenten verführerischen Sirenengesang, der zum seelischen, geistigen und physischen Selbstmord verleitet, und das zeugt von einer gewissen Vitalität. Doch wäre es höchst unbesonnen, ja verblendet, dieses Minimum als Sieg zu werten.“ Eine Persönlichkeit –nein, das war er nicht. „Alles ist falsch (durch mich, wegen mir: meine Existenz verfälscht es)“, resümiert er in Erinnerung an seine Kriegsgefangenschaft. Eine verzweifelte Suche nach der eigenen Identität beginnt, wohl wissend, dass sie ins Nichts führt. „Ich“ ist eine Fiktion, bei der wir bestenfalls Miturheber sind. Ich ist ein anderer“, erinnert sich der Protagonist an Rimbaud´s Worte. „Ich – ein anderer“ ist ein existentielles Dokument eines 1929 geborenen Prager Juden, der sich auf die Suche begibt nach dem Essentiellen, den Kern seines Lebens und dabei seine eigene Jugend wieder findet. Trotz der Erkenntniß, das Leben-langes-leiden bedeutet und Wahrheit nur um den Preis eines ungeheuerlichen Schmerzes zu erkennen ist, findet Kertész eine späte Zufriedenheit. Imre Kertész gelang 1975 mit seinem Buch „Roman eines Schicksallosen“ der internationale Durchbruch, gewann mehrere Preise und wurde 2002 für sein Lebenswerk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
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