Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Lo! Lola! Lolita!", 19. Mai 2009
Der Roman wurde in der angelsächsischen Welt auf den Index gesetzt und deshalb 1955 zuerest von der Olympia Press in Paris veröffentlicht. Deren Verleger Maurice Girodias verachtete den "esprit bourgeois" in all seinen Manifestationen und war in den frühen 50er Jahren vor allem für Bücher bekannt, die er seine "erotic armada" nannte. Dazu zählten solch anregende Titel wie "With Wide Open Mouth", "The Chariot of Flesh" und "White Thighs", oder ganz einfach "Lust".
Lolitas erster Ruhm basierte deshalb vorwiegend auf einem oberflächlichen Verständnis einiger "Kenner". 1957 kündigte Nabokov seinen Vertrag mit Girodias und - nachdem einige juristische Hürden genommen waren - publizierte der New Yorker Verlag Putnam's Sons den Roman 1958. Erst danach erkannte eine genauer analysierende Kritik hier ein provokatives Werk der Weltliteratur, das dann schnell zu einem modernen Klassiker avancierte.
Thema des Romans ist die verbotene "amour passion" des 1910 in Frankreich geborenen Literaturwissenschaftlers Humbert Humbert, der aus dem Gefängnis seine einseitige Beziehung zu der zwölfjährigen Dolores Haze schildert. Er ist diesem besonderen Typus von "Nymphchen" verfallen, dem zwiespältigen Wesen "dieses Nymphchens - jedes Nympchens vielleicht; diese Mischung aus zarter, träumerischer Kindlichkeit und einer Art spukhafter Ordinärheit" und "den sehr jungen Hürchen". Diese perfekte Inkarnation findet er in der Tochter der Witwe Charlotte Haze, einer bürgerlichen Frau, in derem Haus er nur ein Zimmer mieten wollte, die sich aber sofort in ihn verliebt. Um in Lolitas Nähe bleiben zu können, heiratet Humbert schleunigst die Mutter. Als diese ihre Tochter aus dem Haus schicken will, denkt er daran die Mutter zu ermorden, doch ein Autounfall räumt sie bequemerweise aus dem Weg. Aber Lolita, die heimlich Begehrte, ist keine Unschuld mehr, sie ist es die Humbert schliesslich verführt, ohne seine Liebe je zu erwidern. Ihre Gunst muss er sich erkaufen. Ein Jahr, das für Humbert so selig wie qualvoll ist, reisen die beiden als Vater und Tochter von Motel zu Motel durch die U.S. of A. Irgendwann bemerkt Humbert, dass die verfolgt werden, Lolita muss mit einer Virusinfektion ins Krankenhaus, plötzlich ist Lolita verschwunden, offenbar mit dem Verfolger namens Quilty verbündet. Fast drei Jahre später findet Humbert Quilty und erschiesst ihn.
Der Vorzug dieser Ausgabe ist die neue Übersetzung, denn vielerlei Sekundärliteratur, auch die von Nabokov selbst vorgenommen Übersetzung ins Russische, hat die 1959 enstandene Version von Maria Carlsson doch etwas ungleichmässig aussehen lassen. Ausserdem enthält diese Ausgabe umfangreiche und äusserst hilfreiche Anmerkungen, denn der Roman ist ein überlegen geplantes System von inneren Bezügen, ist reich an offenen und versteckten Anspielungen auf andere Autoren und Werke (Marcel Proust, Vergil, Edgar Allen Poe, ein ironisches Gedicht von Catull oder Prosper Mérimées "Carmen", auf de Sades "Justine", auf Flaubert und James Joyce, um nur einige wenige Beispiele zu nennen), die auch für den gebildeten Leser oft schwer zu erkennen oder zu enschlüsseln sind. Er enthält ausserdem parodistische Bezüge auf Siegmund Freud, den Nabokov offensichtlich nicht besonders schätzte, denn auch in dem späteren Roman "Ada oder das Verlangen" gibt er ihm parodistische Spitznamen wie "Sieg Heiler" oder "Signy mon Dieu, mon Dieu".
Ausserdem sollte berücksichtigt werden, dass Humbert Humbert als Literaturwissenschfter zwar ein sehr belesener Mann, aber andererseits nicht immer klar im Kopf ist. Der Herausgeber der "Gesammelten Werke", Dieter E. Zimmer betont richtig, "dass hier ein Leben als eine atemberaubende, vergebliche Jagd beschrieben ist, dem nicht nur der Gegenstand der Leidenschaft (Liebe) immer entrinnt, weil er im Grunde nur eine Mirage im Kopf des Jägers ist."
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58 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
jeder Täter ist ein Opfer, 16. September 2007
Lolita-die Geschichte eines Besessenen:besessen vom Zauber der Jugend,der Unschuld,des fohlenhaften Charmes kleiner Mädchen.
Ein alternder Gelehrter,der seine pädophilen Obsessionen ausleben möchte und bisher nicht wirklich wagte,bekommt die Chance dazu: er heiratet die Mutter eines von ihm begehrten Kindweibchens. Als seine Frau stirbt,nimmt er das "Töchterchen" zu sich,hoffend,dass er sie langsam und Schritt für Schritt verführen kann. Tatsache ist jedoch,das Nymphchen verführt ihn-mit der unbedarften Kaltschnäuzigkeit einer Heranwachsenden,für die Sexualität noch ein Spiel ist,dessen Folgen sie nicht abschätzen kann.
Lolita lernt schnell,die Begierde ihres "Vaters" für ihre Zwecke auszunutzen,ja er verfällt ihr bis zum Wahnsinn.
Als Sie sich dann von ihm abwendet und (wieder mit Hilfe eines reifen Mannes)flieht,bleibt er gebrochen zurück,um nach Jahren seine Rache an dem "Zerstörer" seiner geliebten Lolita zu nehmen,Opfer seines Wahns von Liebe und Besessenheit.
Sprachlich von großer Einfühlsamkeit,die Szenen der Begierde hautnah beschreibend,ohne obszön zu sein bekommt das Werk von mir trotzdem nur vier Sterne-zu beklemmend ist der Gedanke,dass man Verständnis und Mitleid für einen Erwachsenen aufbringen kann,der das Leben eines Kindes zerstört...
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38 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein pulsierender Roman über die Pädophilie, 14. August 1999
Von Ein Kunde
Humbert Humbert ist wahnsinnig. Und er ist wahnsinnig verliebt. Seine Liebe gilt Lolita. Lolita ist minderjährig, fast noch ein Kind. Doch gerade sie sind es, die kleinen „Nymphchen", die Humbert alles bedeuten. Und mehr: seine krankhafte Obsession für die kleinen Mädchen in ihren kleinen Röckchen fixiert sich auf die kleine Lolita. Humbert will Lolita haben, und um sie zu bekommen, heiratet er ihre alleinerziehende Mutter. Als diese stirbt, hat er freie Bahn: Aus dem Vater - Tochter - Verhältnis wird mehr. Als die Obsession auch zu einer sexuellen Besessenheit wird, ist nicht mehr zu unterscheiden, wer von beiden wen verführt hat, hätte man nicht im Hinterkopf: Lolita ist fast noch ein Kind. Sie hat nur gespielt, wo er Ernst gemacht hat. Auf ihren rastlosen Reisen durch Amerika wird das Liebes-Spiel der beiden gefährlicher, denn Lolita will einerseits noch ein Kind sein, mußte aber schon so erwachsen werden, daß ihr das Kindliche gar nicht mehr steht. Immer wenn ihre Verbindung so auffällig wird, daß Verdacht geschöpft werden könnte, flüchtet Humbert, und Lolita reißt er mit sich. Die Flucht durch Amerika ist auch die Flucht vor sich selbst, denn nach und nach leidet auch Humbert unter den Strapazen seiner Obsession. Auch weil er merkt, daß Lolita sich ihm entzieht, was ihn nur noch rasender macht. Am Ende wird er gefaßt und muß für seine Leidenschaft büßen. Seiner Krankheit bewußt gemacht, schreibt er auf, was passierte: Verführung und Untergang. Nabokovs Roman macht so besessen, wie Humbert Humbert ist. Man verschlingt die Seiten mit Gier, lechzt danach, immer weiterzulesen, hangelt von Höhepunkt zu Höhepunkt mit der Geschichte mit. Und bleibt am Ende krank zurück - krank vor Leidenschaft für dieses Buch. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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