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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wie das mit Kurzgeschichten-Sammlungen so ist..., 25. März 2007
Jede Sammlung von Kurzgeschichten, insbesondere wenn sie zu den früheren Werken von Autoren gehört, die erst später mehr Vollendung in ihren Stil brachten, hat dieses Merkmal: Es gibt die guten und es gibt die weniger guten. Dies gilt auch für Haruki Murakamis: "Wie ich eines Morgens im April das 100%ige Mädchen sah".
Der Band erhält neun Geschichten, ganz unterschiedlicher Machart, gleichwohl kreisen sie alle um die typischen Murakami-Themen: Vereinsamung, Verlust, Japan & der Kapitalismus, Japan & Werteverlust und natürlich die liebe Liebe, die den Figuren meist entgleitet wie feiner Sand in der Hand. Dazu die Elemente des Surrealistischen, Verzerrten und Rätselhaften, die Murakami einen nicht unwesentlichen Rang in der Gegenwartsliteratur einnehmen lassen. Bestes Beispiel hierfür ist der Gewinn des begehrten Franz-Kafka-Literaturpreises der Franz-Kafka-Gesellschaft, womit Murakami sich ein Stelldichein gibt mit Altmeister Philip Roth und den Nobelpreisgewinnern Elfriede Jelinek und Harold Pinter.
Wer die Kurzgeschichten in "Wie ich eines Morgens im April das 100%ige Mädchen sah" liest, der wird allerdings nur teilweise eine Ahnung von dem bekommen, was Murakami ausmacht.
Die Geschichte, welche der Sammlung ihren Namen gab, sticht gewiss im positiven Sinne hervor. Leser von "Gefährliche Geliebte" werden hier deutliche Parallelen ausmachen, gemeint ist das Wiedersehen der einen, ganz besonderen Frau. Ein weiteres durch und durch gelungenes Beispiel einer exzellenten Kurzgeschichte ist "Das Schweigen", wo so ganz nebenbei mal die Psychologie der Massen an einem Einzelschicksal sehr stimmig dargestellt wird - das ist große Kunst!
Dann und wann fehlt es den Charakteren jedoch ein bisschen an Substanz und ein psychologisches Innenleben bleibt ein wenig auf der Strecke, so etwa in "Lederhosen", gleiches gilt für "Der letzte Rasen am Nachmittag".
Fazit: Alles in allem eine gute Sammlung, die den Leser spüren lässt, dass da einer schreibt, der es kann. Der flüssige Stil ermöglicht Murakami Zugang zu einem breiten Publikum; dort, wo seine Geschichten zusätzlich Tiefgang haben, lässt er bereits großes Können aufblitzen; an anderer Stelle bleibt er etwas flüchtig, wovon er sich zum Teil auch heute noch nicht so ganz gelöst hat. Die Sammlung ist daher ein echtes Murakami-Substrat: Die guten und die schlechten, alle sind sie im Töpfchen.
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32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Große Freude, 14. November 2002
Das Buch hat mir große Freude gemacht! Gut - Ich bin da empfänglich; es freut mich schon, wenn eine Japanerin in Deutschland für ihren Mann Lederhosen kaufen will als Mitbringsel - ausgerechnet in einem Spezialgeschäft, das nur an Kunden verkauft, die persönlich zum Anprobieren erscheinen. Das leichte Schmunzeln entwickelt sich dann schnell zu einem Lächeln, manchmal auch zu einem Lachen. Das Buch hat eben einen besonderen Humor. Manche Geschichten sind ein wenig traurig, alle sind mit großer Empfindsamkeit geschrieben. Und plötzlich wird der Leser überrumpelt. Kaum denkt man, man hätte sich mit dem Tonfall von Haruki Murakami angefreundet, da stutzt man: Da mischt sich plötzlich Wirklichkeit und Traum ... Nein, ich will nicht zu viel verraten. Das Buch bietet ein enorm breites Spektrum. Der Schriftsteller hat ein großes Herz und eine breite Schulter. Er zieht die unterschiedlichsten Register und hat doch immer einen unverkennbaren Sound. Meine Verbeugung! In manchen glücklichen Augenblicken hatte ich sogar das Gefühl, das 100% Buch in der Hand zu halten.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Droge Murakami, 3. Februar 2002
Von Ein Kunde
Normalerweise ist es eher schwierig, Murakamis Bücher aus der Hand zu legen. Daraus resultieren schlaflose Nächte, verpasste Termine und verärgerte Vorgesetzte. Mit seinem Kurzgeschichtenbuch hat er mir sehr geholfen. Was sonst über mehrere hundert Seiten dargelegt wird, hat er hier in komprimierter Form zusammengefasst. Einmal mehr phantastisch und mystisch, wie die japanische Seele. Das 100% Paar, dass sich vermutlich vergessen hat und deshalb sich nicht mehr finden kann. Die Lederhosen, die eine Ehe kaputt machen. Der unerwünschte Schwager, der die Liebesgeschichte mit der eigenen Schwester zerstört. Der Mann, der Briefe rezensiert von alleingelassenen Menschen. Die wirklich real existierenden TV-People (oder habt Ihr sie etwa noch nicht gesehen?). Aoki, der einen Klassenkameraden mit Gerüchten beinahe zu Grunde richtet. Das grüne Monster, das sich verliebt hat. Der tanzende Zwerg, der den japanischen Kaiser stürzt und der allerletzte Rasen. Dies sind alles aussergewöhnliche Geschichten, die nicht in jedem Falle die Erwartungen des Lesers erfüllen. Dies muss auch so sein. Was wäre schlimmer als ein ausrechenbarer Murakami? Ich habe seinen Stil wieder mal in vollen Zügen genossen. Da werden teilweise dramatische Begebenheiten in Nebensätzen abgetan und gleichzeitig Nebensächlichkeiten zu grosser Wichtigkeit hervorgehoben. Nach jedem Buch von Murakami schaut man die Welt mit anderen Augen an. Hier geschieht dies sogar nach jeder Geschichte.
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