Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gott hat also doch einen Plan. Nur leider kaum kompetentes Personal. , 10. September 2007
Harry Mulischs gleichnamiges Buch musste ich zwei Mal lesen um zu verstehen, was Cherubin seinem Engel da für ein Unterfangen in Auftrag gab. (Sie, liebe interessierte Hörspielfreunde haben es da einfacher, denn der Inhalt ist ohne Umschweife im Klappentext nachzulesen. )
"Die Endeckung des Himmels" handelt - grob gesagt - davon, dass Gott die Faxen dick hat mit diesen verflixt umtriebigen Menschen. Darum möchte er die in Stein gemeißelten Zehn Gebote zurückhaben, die er dem guten Moses seinerzeit anvertraut hat. Ein Engel heckt dann einen - wie er wohl findet - zeitgemäßen, wie unterhaltsamen Plan aus. Einer ménage à trois (Onno + Anna + Max) entstammt schließlich der Spross, der die verlustig gegangenen Gesetzestafeln finden soll; sein Name ist Quinten Quist. Er hat zwei Väter und eine Mutter, die allerdings noch vor seiner Geburt verunglückt. Zudem ist der außergewöhnliche Junge blitzgescheit und gebildet bis in die letzte Hirnwindung. Schließlich findet auch der Engel, dass er da den perfekten Kandidaten kreiert hat. Schließlich bestätigen sich aber Vorurteile, die man bezüglich Überheblichkeit hegt.
Das Hörspiel "Die Entdeckung des Himmels", ist eine mordsmäßig gut gelungene, intelligente und unterhaltsame Umsetzung von Harry Mulischs Roman. Die Besetzung mit namhaften Stimmen wie Udo Samel (Engel), Jochen Striebeck (Cherubin), Christian Baumann (Onno Quist), Jaques Breuer (Max Delius), Lisa Wagner (Ada Brons) ... ist eine klanghafte Komposition für sich, die bei genauem Hinhören ihre betörende Wirkung entfaltet.
Schade nur, dass die Reise auf die uns die Hörspiel-Bearbeiterin (Valerie Stiegele) da mitgenommen hat, nach zirka 130 Minuten schon zu Ende ist. - Macht nix, das darf man sich auch öfter anhören und vielleicht neue Facetten an der von Ironie und Hintersinn strotzenden Geschichte entdecken und sich davon berauschen lassen.
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Hörbuch- /Hörspielbewertung:
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Inhalt: **** | Sprecher: ***** | Hardware: ***** | Preis/ Leistung: ****
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auf meiner persönlichen Horchlatte: *****
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Apiculas Horchlatte: * - unerhört, ** - überhörbar, *** - eintönig, **** - hörenswert, ***** - hörrlich!
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Man lese und staune, 4. Dezember 2004
Wäre es nicht "Die Entdeckung des Himmels" gewesen - ich hätte das Buch schnell weggelegt ohne es zu Ende gelesen zu haben: Ein Meterorit, der exakt einen Menschen trifft und ihn in Staub auflöst? Menschen, die sich zufällig irgendwo auf der Welt wiedertreffen ohne jeglichen Hinweis auf den Aufenthaltsort des anderen? Unsinn. Zu viele Zufälle. Schlecht komponiert, wenig durchdacht, weglegen."Die Entdeckung des Himmels" darf das, darf alles und noch viel mehr. Schließlich sind die Götter im Spiel, oder nein, nicht die Götter, sagen wir Wesen, die über dem Menschen stehen, sich aber wie Menschen verhalten - und alle Zufälle zu etwas Vorherbestimmten machen. Was für ein genialer Schachzug des Autors! Selten habe ich so eine aufs Beste konstruierte Story gelesen, geschrieben von der Hand eines Meisters seines Faches: Eine Geschichte, die nur so strotzt von Lebendigkeit und tiefen Einsichten in das Leben, eine Geschichte, in der man sich sicher ist, dass sie irgendwann passiert ist, dass die Charaktere in ihrer feingliedrigen Charakterisierung, mit ihren ganzen Marotten und Fehlern real existieren und dir irgendwo bestimmt einmal über den Weg laufen werden. Aber "Die Entdeckung des Himmels" ist weit mehr als ein in allen Facetten hochwertiges literarischer Werk, das man eben mal gelesen hat. Diesen Roman werde ich nicht vergessen, er wird mich begleiten und immer wieder von mir zur Hand genommen werden. Man lese und staune.
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Epochenroman mit Ambition, 27. Mai 2004
Max wohnt in Amsterdam und ist Astronom, extrem ordentlich und ein notorischer Schürzenjäger. Sein Vater war ein deutscher Nazi und Kriegsverbrecher, der seine eigene Frau, Max Mutter, als Jüdin nach Auschwitz hat schicken lassen. Onno ist der exzentrische Spross einer großbürgerlichen Familie, beredt, geistreich, ein Sprachgenie und ebenso unförmig wie unordentlich. . Beide laufen sich zufällig über den Weg und schließen miteinander die Freundschaft ihres Lebens, die auch durch die gemeinsame Liebe zur schönen Ada, der Tochter eines Anitquariatshändlers, nicht beeinträchtigt wird. Von wem Quinten, der rätselhafte Sohn Adas ist, von Max oder von Onno bleibt so lange unklar, bis Ada nach einem Verkehrsunfall ins Koma fällt und siebzehn Jahre lang als menschliche Pflanze dahinvegetiert, eine Zeit, in der Max zusammen mit Adas Mutter, der rätselhaften Sophie, den kleinen Quinten aufzieht, während der agile Onno in der niederländischen Politik aufsteigt und Karriere macht, ehe er nach einem weiteren Schicksalsschlag verschwindet. Der sechszehnjährige Quinten, der im Stile früherer Bildungsreisen durch Italien vagabundiert, aber findet seinen verschwundenen Vater in Rom, wo sie sich die beiden zusammen tun und nicht nur die Wunder der Renaissance sondern auch die Originaltontafeldoukmente der Zehn Gebote entdecken, rauben und mit ihnen nach Jerusalem fliehen, wo Quinten nun seinerseits auf Nimmerwiedersehen verschwindet. So weit, so ungenau. Denn der Reiz dieses 800 Seiten-Romans erschließt sich nicht durch die Handlungsführung, sondern durch unzählige meisterhafte Miniaturen und Detailschilderungen, am Anfang auch in einer umwerfenden Situationskomik, in der Mulisch den selbstverliebten Sechziger und Siebziger Jahren einen Narrenspiegel vorhält. Die holländische Linksszene inklusive einem Auftritt von Rudi Dutschke, eine Agitpropveranstaltung auf Kuba, in der die naive Che- und Castrobegeisterung der damaligen Jugend nachbebt, die Niederlande als ein Zoo der Exzentriker, diese und andere Thematiken bieten Mulisch Gelegenheit, sich als Epiker und Erzähler der Sonderklasse auszuweisen. Je weiter man liest, desto mehr wird das Buch zu einem Zeitroman, in dem man wie in einem Meer versinken kann, auch wenn die Erziehungsgeschichte des keinen Quinten im zweiten Teil etwas langatmig wirkt und das Buch am Ende mit der Suche nach den Originaltafeln der Zehn Gebote einen starken Schlag ins Fabulöse erhält. Auch die Intermezzi, in der sich höhere Wesen über die Romangfiguren auf der Erde unterhalten, haben bestenfalls etwas Befremdliches - offenbar hatte der Autor eine noch viel weitergehende Komposition vor Augen, eine Art Faustepos des 20. Jahrhunderts, in dem gleich drei Romane verborgen sind: ein Erziehungsroman, ein Freundschaftsroman und ein Liebesroman. Keines dieser Motive prägt den Roman als Ganzes, alle stehen nebeneinander, mitunter nur durch eine hier und da etwas willkürliche Handlungsführung vereinigt. Alles in allem ein gewaltiger Torso mit allerdings mehr brillanten Passagen als viele andere berühmte Romane. Ein Buch, das zuerst verzaubert, dann befremdet und am Ende etwas irritiert.
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