Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Niederungen, 14. September 2006
Niederungen ist das erste Buch von Herta Müller, das ich gelesen habe und sicherlich nicht das letzte. Die zumeist kürzeren Geschichten handeln in erster Linie von seelischen Grausamkeiten, die im Rahmen einer dörflichen Muffigkeit die Leute, vor allem in den Familien, aneinander verüben. Das ganze spielt bei der deutschen Minderheit im rumänischen Banat, die Zeit wirkt eher unbestimmt, so als könnte es auch vor hundert Jahren gewesen sein. Der Hauptteil der Geschichten in Niederungen ist aus der Sicht eines kleinen Mädchens geschildert, das in diesem Buch ziemlich unter den Grausamkeiten der Erwachsenen zu leiden hat. Es wird genau beschrieben, wie sich das Kind anhand von Beobachtungen in seiner Umgebung in Phantasiewelten zurückziehen will, die aber doch nur wieder die Umwelt widerspiegeln und tiefe innere Zerissenheit hinterlasssen. -Tierfreunde werden an diesem Buch auch nicht viel Freude haben, es wird viel geschlachtet, ein Kalb bekommt mit dem Axtstiel das Bein zertrümmert um es schlachten zu dürfen, ein Vogelnest samt Küken wird aus der Dachrinne direkt der Katze zum Fraß vorgeworfen, -ich vermute diese Motive spiegeln das eigene Erleben der kindlichen Erzählerin. Der Tod spielt ebenso eine besondere Rolle, in diesem Zusammenhang wird auch stark auf das Brauchtum Bezug genommen Ein Phänomen das man oft auch bei österreichischen Schriftstellern, wie z.B. Josef Winkler, findet.
Enthalten sind die Geschichten:
Die Grabrede,
Das Schwäbische Bad,
Meine Familie,
Niederungen,
Faule Birnen,
Drückender Tango,
Das Fenster,
Der Mann mit der Zündholzschachtel,
Dorfchronik,
Der deutsche Scheitel und der deutsche Schnurrbart,
Der Überlandbus,
Mutter, Vater und der Kleine,
Der Straßenkehrer,
Schwarzer Park,
Arbeitstag.
Fazit: Diese Lektüre ist natürlich nicht zur Aufheiterung oder Ablenkung gedacht, wer die Bereitschaft mitbringt, sich auf Abgründe menschlichen Seelenlebens einzulassen, sollte es mit diesem Buch einmal probieren.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dorfmilieu - realistisch beschrieben, 14. September 2009
Das Banater Dorfleben (es könnte aber genau so gut ein Dorf oder eine Kleinstadt in Siebenbürgen sein) ist sehr wirklichkeitsgetreu beschrieben. Die Menschen, mit ihren Stärken und Schwächen, die Bräuche, die vielen Tabu-Themen einer kleinen Gemeinschaft, die Hoffnungen, der Alltag und vieles mehr stellen ein realistisches Bild dar.
Die Sprache ist sehr reich an Vergleichen, an abstrakten Bildern aber auch ab und zu recht nüchtern.
Ein gutes Buch !!!!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Landbevölkerung, die Securitate und die Zensur, 31. Januar 2010
Niederungen ist das Erstlingswerk von Herta Müller, die vielfach ausgezeichnet wurde und - laut Wikipedia - im Jahr 2009 "den Nobelpreis für Literatur für ihr sprachgewaltiges Gesamtwerk über die rumänische Diktatur" erhielt. Das Manuskript zu dem Buch schlummerte zunächst über vier Jahre in den Schubladen des Verlages und erschien erstmalig 1982 in einer zensierten Fassung in Rumänien. Was veranlasste aber die Securitate-Schergen, dieses Buch zu unterdrücken? Die ungeschönte Schilderung der archaischen Sitten und Gebräuche der Banater Schwaben in ihren Dörfern in Rumänien kann es kaum gewesen sein; dafür wurde Herta Müller ja bereits zur Genüge von ihren "Landsleuten" als Nestbeschmutzerin beschimpft. Im Vergleich zu einem beliebigen deutschen Dorf, zum Beispiel in Bayern, macht es auch keinen Unterschied, ob der Gesetzeshüter ein Dorfpolizist ist und eine grüne Uniform trägt, oder als Milizmann "im Dorf der Blaue genannt wird". Es sind nicht die bürgerlichen Werte, die den kommunistischen Machthabern in Rumänien zu schaffen machten; es ist vielmehr die subkutane Kritik des Buches an dem Unterdrückungssystem, an Freiheitsentzug, willkürlichen Enteignungen, Korruption und Vetternwirtschaft in dem feudal-diktatorisch regierten Rumänien unter Nicolae Ceauescu. Dieses Buch ist beeindruckend und zugleich ein - wenn auch später - Sieg über die ideologische Engstirnigkeit der beamteten Zensoren in ihren Amtsstuben.
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