Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Jokehnen. Oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?, 19. August 2006
Erzählt wird die Geschichte eines Dorfes, einer Landschaft, einer Zeit, vor allem aber die Geschichte des jungen Hermann Steputat, der geboren wurde, als Paul Hindenburg, der Sieger von Tannenberg, der Held Ostpreußens, starb - am 2. August 1934, im fernen Jokehnen, im hintersten Ostpreußen. Nach Jokehnen kam alles verspätet: das elektrische Licht, das Auto, aber auch Krieg und Nazi-Verordnungen. Nur einmal wurden die Jokehner von der Weltgeschichte eingeholt: 1945, als im kleinen Jokehnen ein Krieg zu Ende ging, den die Dorfbewohner bis dahin eigentlich nur vom Hörensagen, aus ungefährlicher Ferne kannten. Der junge wuchs zwischen wenigen - Jokehnen hatte kaum zweihundert Einwohner-, aber braven Deutschen auf: Die Jokehner waren aufrichtig überzeugt, dass das Adolfche seine Sache schon gut und richtig mache. Weder Machtübernahme noch Krieg änderten das bedächtige Leben der bedächtigen Jokehner. Wie die Verfärbung Jokehnens von schwarz-weiß-rot in braune ohne Aufsehen vor sich gegangen war, geschah auch alles andere: die Menschen- und die Pferde-Musterung, das spurlose Verschwinden des einzigen Juden, das Erscheinen der ersten gefangenen Pollacken, Als die Störche, die sonst jeden Frühling wiederkamen, 1945 ausblieben, waren die Jokehner mittendrin in der Weltgeschichte, waren sie bereits einmal vor den Russen geflohen und wieder zurückgekehrt, weil sie nicht wussten wohin. Die wenigen Überlebenden wurden im Dezember 1945 in Güterzüge verladen und nach Berlin geschickt, ausgesiedelt für immer. Jokehnenr ist ein erstaunlicher Erstlingsroman. Das liegt an der unsentimentalen Darstellung eines emotionsbeladenen Themas, an der Genauigkeit der Sprache, der Schönheit der Bilder. Surminski gelingt es, behäbig zu erzählen, ohne geschwätzig zu werden. Sein Roman informiert und unterhält, macht betroffen, ohne falsches Mitleid oder Hass gegen die Siegen zu wecken..
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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erschütterndes Zeitdokument, 4. Juni 2001
Vorweggeschickt - weder meine Eltern noch ich stammen aus Ostpreussen. Aber gerade, wenn man die Geschichte des Kriegsendes in Ostpreussen nur aus den Erzählungen anderer kennt oder sich noch gar nicht mit ihr befasst hat, ist dieses Buch eine ungeheure Bereicherung. Es schildert ohne Pathos, oft mit trockenem Humor, immer in hervorragender Prosa die Geschichte der Bewohner eines ostpreussischen Dorfs, die eigentlich den Krieg verschlafen, dann aber mit besonderer Brutalität die Folgen des Kriegs und die Vertreibung erleben müssen. Es liest sich wie ein packender Roman, obwohl sicher alles, was hier geschildert wird, echt ist und vom Autor selbst erlebt wurde. Einziger Schönheitsfehler beim Lesen ist das Fehlen von Kapiteln oder Zwischenüberschriften, die es dem Leser erlauben, bei der Dramatik der Erzählung auch einmal Luft zu holen.
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
lesens- u. empfehlenswert, 8. Januar 2001
Von Ein Kunde
meine eltern kommen aus ostpreußen und ich gehöre der nachkriegsgeneration an. dieser roman hat mich nicht nur neugierg auf ostpreußen gemacht, sondern bewirkte auch, den ort "jokehnen", früh. hieß er jäglack und heute jaglawki selbst in augenschein zu nehmen. viele gebäude sind noch vorhanden und selbst eine zeitzeugin konnte ich zu der damaligen zeit befragen. der roman, der bereits vor vielen jahren vom zdf als dreiteiler gesendet worden ist, gibt ja die eigene lebensgeschichte des autors wieder und beschreibt in ansprechenderweise die damalige zeit. der roman ist ein besonderes zeitdokument. Er vermittelt zudem das leben in ostpreußen vor und während des krieges. neben den vielen menschlichen schicksalen beschreibt der autor gleichzeitig wie die wirklichkeit von flucht und vertreibung aussah und damit wird dieser roman auch gleichzeitig zu einem wichtigen zeugnis der damaligen zeit.
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