Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wichtiges Stück Literatur..., 13. Mai 2002
Von Ein Kunde
"Draußen vor der Tür" ist schlichtweg einzigartig. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Einerseits ist das Stück wohl das wichtigste Beispiel für Trümmerliteratur überhaupt, zum anderen beeindruckt es enorm durch die Unerbitterlichkeit, mit der Borchert die Anklage gegen eine Gesellschaft führt, welche die Leiden des Heimkehrers Beckmann (Borcherts Antiheld) einfach nicht wahrnimmt, in der die Menschen unfähig zur Auseinandersetzung mit den im Krieg geschehenen Greueltaten sind. Vorweg: Borchert geht es nicht um Kritik am Nazi-Regime und an dessen Ideologie, dieses Thema wird nur kurz angeschnitten (und fehlt in einer früheren Fassung ganz), Borchert prangert die Anpassungsbereitschaft der Vätergeneration an, welche, kaum ist der Krieg beendet, versucht, weiterzuleben als sei nichts gewesen, während Beckmann, getrieben von Schreckensvisionen, stets kurz vor dem Selbstmord steht. Und so zieht dieser, ausgestattet mit einer alten Gasmaskenbrille und kurzen Stoppelhaaren, für seine Umwelt mehr Witzfigur als ernsthafter Gesprächspartner, von Station zu Station, trifft auf die verschiedensten Personen, vom Oberst (der kein schlechtes Gewissen hat für seine Taten während des Krieges, ganz im Gegensatz zu Beckmann) bis hin zum Kabarettdirektor ("Mit der Wahrheit kommen sie nicht weit!"). Und immer wieder wird er in seiner negativen Auffassung vom Leben bestätigt, immer wieder steht er "draußen vor der Tür". Die vielen expressionistischen Züge, die das Stück in erster Linie in sprachlicher Hinsicht aufweist, machten es schon bei der Uraufführung 1947 in Hamburg vielen Kritikern schwer, zu einem positiven Urteil zu kommen, Friedrich Luft hielt das Stück für "ein neurotisches Lamento bis zum vagen Ende.", an anderer Stelle war zu lesen: "Nun gut, Borchert war ein Anfänger [...] - aber hat er uns wenigstens [...] etwas zu sagen? Nein." Trotzdem ist das Stück bis heute sehr erfolgreich beim Publikum, ist doch die Figur Beckmanns unglaublich faszinierend, sind die Fragen, die Borchert aufwirft, bis heute ungeklärt, da die Aufarbeitung der dunkelsten Epoche Deutschlands noch längst nicht abgeschlossen ist. 1947, so meine persönliche Meinung, war die Zeit einfach noch nicht reif für ein Stück wie "Draußen vor der Tür", so daß es kaum verwundert, daß das Drama in seiner Art fast alleine dasteht und verissen wurde. Gerade zu Borcherts Zeit bestimmten die Klassiker die Spielpläne... Und, trotz der negativen Kritiken: Auch und gerade in künstlerischer Hinsicht ist "Draußen vor der Tür" ein Meisterwerk. Die Sprache und der Stil sind unglaublich eindringlich, die Wortwahl trifft die Situation immer genau, die Figuren sind unglaublich plastisch gezeichnet, der Aufbau (von Tür zu Tür) ist bestens geeignet, um das Aufeinanderprallen Beckmanns mit einer ihm fremden Welt zu zeigen - und das Ende ist keineswegs vage, sondern macht Sinn. Eine Anmerkung noch: Die Tatsache, daß das Stück ursprünglich als Hörspiel für den NWDR erarbeitet (und auch gesendet) wurde, macht sich gelegentlich bemerkbar, wenn Borchert z.B. mit dem Geräusch (!) zuschlagender Türen arbeitet, für die Umsetzung auf die Bühne stellt das aber keine Schwierigkeit dar...
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56 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gelungene Anklage, 1. November 2002
Wolfgang Borchert hat in seinem bekanntesten Werk hier alles gesagt, was gesagt werden muß, wenn es um Krieg geht.Nicht Clausewitz mehr hat die Oberhand ( man verzeihe mir den nicht ganz passenden Vergleich! ), sondern er. So ist sein Werk "Draußen vor der Tür" nicht nur mit Vehemenz geschrieben, es enthält auch versteckt soviele kleine Pointen, daß es zu einem Genuß wird, dieses Stück samt Vorspiel immer wieder zu lesen bzw. sich anzuschauen. Ja, diese Typen gab und gibt es immer noch. Vorsicht !!! Natürlich berühren auch ebenso die Kurzgeschichten. Sie enthalten den eigenwilligen Borchert-Ton und rühren mich auch heute noch an. Wer will d a s schon von sich behaupten von den heutigen Dichtern? Dieses Büchlein ist deshalb Anlass genug, sein ganzes Werk zu lesen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein immer noch aktueller Meilenstein dt. Literaturgeschichte, 9. Dezember 2004
Dieses Drama ist Borcherts größtes und umfangreichstes Werk und ein Musterbeispiel der Literaturgattung Trümmerliteratur, und es sei daher jedem unbedingt empfohlen, der sich aus literarischem und/oder geschichtlichem Interesse mit der Kriegs- und Nachkriegszeit in Deutschland beschäftigt. Kurz zum Inhalt: Ein verkrüppelter und von Krieg und Gefangenschaft gezeichneter Soldat mit Namen Beckmann kehrt aus dem zweiten Weltkrieg heim ins zerstörte Hamburg und sucht nach seinem Platz im kalten, rauen Nachkriegsdeutschland, womit er Schwierigkeiten hat: Seine Frau hat ihn verlassen, Angehörige sind tot, und auch sonst steht er scheinbar überall „draußen vor der Tür". Obendrein quält er sich vor Selbstzweifeln über die Schuld, die er und seine Mitmenschen auf sich geladen haben und über den Umgang mit derselben, was ihn an den Rand des Selbstmords treibt... Eindrucksvoll, aber manchmal auch etwas zu wehleidig versucht Borchert mit einfachen, klaren Sätzen, Zynismus und dem Dialog des geteilten Ichs, sich und all denen, die ähnliches wie er und Beckmann tun und erdulden mussten, eine Stimme zu geben, und er erhebt kollektiv Anklage gegen die Ignoranz und Gleichgültigkeit der Gesellschaft, die nicht bereit ist (und jahrzehntelang auch nicht bereit sein wird), sich der eigenen, schlimmen Vergangenheit zu stellen - So ähnlich drückt es auch Heinrich Böll in einem der Textausgabe als Interpretationshilfe beigehefteten Nachwort aus. Die preislich moderate Textausgabe umfasst (wenn auch im Buchtitel leider nicht erwähnt) erfreulicherweise auch noch einige Kurzgeschichten von Borchert zur Vertiefung des Themenkomplexes Trümmerliteratur und eignet sich daher auch für den Deutschunterricht ab etwa Klasse 10. Auch wenn die deutsche Vergangenheit heute gemeinhin als aufgearbeitet gilt, eine Vergangenheitsbewältigung zumindest teilweise stattgefunden hat und der weitere Umgang mit dieser Thematik oftmals für Verdruss sorgt, ist dieser Text immer noch als brandaktuell anzusehen, versetzt man sich z. B. einmal in die Lage eines US-Soldaten, der aus dem Irak oder aus Afghanistan heimkehrt...
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