Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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41 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der sensible Hans und seine Welt, 22. Juni 2009
Schon wieder ein Buch über New York? Schon wieder eine Geschichte über eoine amerikansich-europäische Familientragödie? Und das auch noch mit der Cricket-Thematik verwoben? Sonderlich neugierig war ich nicht, als ich das vorliegende Buch begann, aber - um schon einmal ein Voraburteil abzugeben - mit der Lektüre kam der Appettit.
Worum geht es? Im Mittelpunkt des vorliegenden Romans steht Hans van der Broek, ein verheirateter Mann in den Dreißigern, der bei einer Investmentbank in New York als gut verdienender Ölanalyst beschäftigt ist. Seit den Anschlägen vom 11.9.2001 fühlt sich seine Frau Rachel in New York unwohl, ob aus Terrorangst oder aus ehelichem Überdruss bleibt zunächst zu nur zu vermuten. Dann kommt es, wie es kommen muss: ohne ihrem Mann ein hinreichendes Mitspracherecht einzuräumen, verlässt sie mit ihrem kleinen Sohn Jake New York und kehrt zu ihren Eltern nach London zurück.
Ein fast zwei Meter großer und gut verdienender Mittdreißiger im Big Apple - ist das nicht wunderbar? möchte man nun denken. Doch weit gefehlt. Der sensible Hans leidet unter der Trennung von seiner Familie zum Gotterbarmen, einsam betrachtet er sich das Haus der Schwiegereltern im entfernten London über Google Earth oder flaniert ziellos durch die Straßen der Stadt. Wie es der Autor will, lernt er dabei den Kariboamerikaner Chuck Ramkissoon kennen, das genaue Gegenteil von Hans, dem es als agile, risikobereite und phantasiebegabte Persönlichkeit gelingt, den deprimierten Hans mit Hilfe des Criskettspieles zu revitalisieren. Cricket als Therapie? Das klingt gut. Hans wird heimisch im Kreis einfacher Leute, spürt die Wonnen der Gemeinschaft und scheint langsam zur Ruhe zu kommen.
Aber nur, bis er bei einem seiner Europaflüge entdeckt, dass sich seine Noch-Ehefrau Rachel in London in einen stadtbekannten Koch verliebt hat und mitsamt ihrem kleinen Sohn in dessen Loft gezogen ist. Das haut rein. Hans sagt seiner Cricketwelt Adieu und zieht nach London zurück, wo er dann tatsächlich kurz darauf ( als der neue Liebhaber Rachel den Laufpass gibt ) auf eine demütigende Weise wieder zum Zuge kommt. Die Ehekrise ist überstanden, das wiedervereinigte Paar kauft sich sogar ein neues Haus, und wenn sie nicht gestorben sind, dann zanken sie noch immer.
Mit Chuck Ramkissoon allerdings nimmt es ein böses Ende. Schon vor der Rückkehr Hans van den Broeks nach London hatte er sich als eine Art Halbgangster geoutet, nun findet man ihn ermordet im Hudson. Alle Pläne des agilen Jamaikaners hatten sich in Luft aufgelöst, am ende ist es so, als hätte es ihn nie gegeben.
Was sich in dieser Zusammenfassung als kompakte Geschichte anhört, wird in dem vorliegenden Buch allerdings sehr verschachtelt und mit zahlreichen Einschüben erzählt. Die Kindheit in Den Haag, Hans van den Broeks Mutter, seine Kollegen in der Investmentbank, seine Cricketspiele und seine Ehekrise, sein Zusammenleben mit zahlreichen schrägen Figuren im sagenhaften Chelsea-Hotel und die Atmosphäre im New York nach dem 11.9.ergeben insgesamt eine dicht und gut erzählte Geschichte samt satt ausgeleuchtetem Bühnenbild.
Nur - was will sie uns sagen? In den teilweise enthusiastischen Rezensionen unserer Feuilletongiganten war immer wieder von der wunderbaren Symbolik die Rede, mit der der Autor das Schicksal Hans van der Broeks mit den Geheimnissen des Cricketspieles parallelisiert. "Was war ein Inning", reflektiert Hans an einer Stelle, "wenn nicht eine einzigartige Gelegenheit die variable Welt mittels Anstrengung; Geschick und Selbstbemeisterung in die Schranken zu weisen?" (S. 218) Das klingt gut. Fungiert also das Cricket in dem vorliegenden Buch als ein Symbol der Weltbewährurng? Dann wäre Hans Rückkehr zu seiner Frau und die Beendigung des Cricketspieles einer Kapitulation vergleichbar. An einer anderen Stelle schwärmt Chuck Ramkissoon vom Cricket als einem Spiel, das die Aggressionen der Völker durch seinen friedlichen Ritualismus besänftigen könnte. (S.260) Muss man das ernst nehmen? Oder spiegeln Werfer und Fänger beim Cricket den Antagonismus von Mann und Frau wieder, wobei amüsanterweise der magische Dritte immer anwesend ist?
Das Buch ist voller solcher Anspielungen, die aber insgesamt auf einer fast banalen Ebene verbleiben - und dass aus einem ganze einfachen Grund. Denn niemand wird auf der Grundlage des vorliegenden Romans die Cricketregeln wirklich verstehen (es ist mir auch unter Zuhilfenahme diverser Lexika nicht gelungen), weswegen auch aus den Regeln dieses Spieles keine vertiefte Einsicht über den Roman erwachsen kann.
Bleibt der Cricketplot also insgesamt uneingelöst, tut das dem Roman erfreulicherweise keinen Abbruch. Denn Joseph O´Neills Geschichte lebt von ihrer ungemein poetischen Sprache und der imaginativen Einbildungskraft, mit der der Autor seinen sensiblen Protagonisten die Welt und seine Zeit betrachten lässt. Wunderbar, die Reflexionen über die "Müdigkeit" als Symptom der Ehekrise auf Seite S.31. Über die Anti-US-Hysterie der Europäer nach dem Ausbruch des Irakkrieges heißt es "Viele meiner Bekannten hatten die zurückliegenden ein, zwei Jahrzehnte in einem Zustand intellektueller und psychischer Sehnsucht nach einem solchen Augenblick verbracht."(S.126).
Für Hans van den Broek sind diese Ereignisse im Fernhorizont unerheblich. Ihn interessiert nun sein Sohn, "die einzig mögliche Paginierung" seines Lebens (S. 291). Und über die Ehe vertritt er am Ende eine fast fatalistische Meinung. "Heirate unbedingt, denn am Ende wirst Du entweder glücklich sein oder zum Philosophen werden."(S. 229 ). Ein empfehlenswertes Buch - nicht unbedingt, wegen der Cricket-Metaphorik sondern wegen einer Sprachkraft und einer psychologischen Einfühlungskraft, wie man sie selten findet.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Man kann hier getrost von "großer Literatur" sprechen, 15. September 2009
Ein erstaunliches Buch. Es geht vor allem um einen Mann in einer Stadt. Beide - der Mann und die Stadt - sind stark verunsichert, da Ihnen ein großer Teil des Bodens unter den Füßen weggezogen wurde. Die Stadt ist New York vor allem in der Zeit nach dem bedeutungsschweren 09/11. Der Mann ist ein erfolgreicher Analyst, der mit Frau und ungeborenem Kind 1999 beruflich nach New York wechselt und sich ab 2002 alleine dort aufhält, da die Familie - eine Pause braucht, deren Ende offen zu sein scheint.
In der New York Times stand "O'Neill scheint unfähig zu sein, auch nur einen langweiligen Satz zu schreiben." Und das trifft es wunderbar. Zwar passiert in dieser Geschichte nicht wirklich viel, außer dass die Hauptfigur einige skurrile Persönlichkeiten trifft, von denen es in New York so viele gibt, und sich obendrein mit einem charismatischen Mann, der große Ideen verfolgt und unklaren Machenschaften nachgeht, anfreundet. Dieser "Freund" - so beginnt die Geschichte - wird zwei Jahre nachdem die Hauptfigur New York den Rücken gekehrt hat (2006) tot aufgefunden. Und ab da beginnt die Reflexion der Hauptfigur auf "seine" New Yorker Zeit.
Der Schreibstil von O'Neill ist kurz, knapp und sehr prägnant. Dabei wirken seine Geschichten ein bisschen, wie Gedanken. So fliegt er manchmal von einer Geschichte zur nächsten, dann weiter zu einer dritten, um schließlich wieder zur ursprünglichen Situation zurückzukehren. Es kommt einem manchmal so vor, als ob man den Gedanken und Erinnerungsbildern der Hauptperson 1:1 folgt.
Dieses Buch ist niemals langweilig und immer klar. Und mit welcher Treffsicherheit und Akkuratesse O'Neill Stimmungen und Gefühle beschreibt ist sehr beeindruckend.
Wie gesagt - ein erstaunliches Buch. Meines Erachtens kann man hier getrost von "großer Literatur" sprechen.
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24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
New Yorker Geschichten!, 29. März 2009
New York und seine Viertel, ein Londoner Ehepaar und seine Konflikte, der 11. September und vieles mehr zeigt uns eine Stadt, die voller Wunder und Abenteuer steckt.
Mit Tempo und Fortune eröffnet Joseph ONeill den Roman über seinen Helden Hans van den Broek, der als Banker in New York arbeitet. Rachel, intelligent, redegewandt und sicher viel klüger als ihr Mann, kann es in New York nicht mehr aushalten und will mit Jake, dem gemeinsamen Sohn, nach London zurückkehren. Ohne, dass direkt Bezug darauf genommen wird, weiß man, dass sie den 11. September mit seinen unwägbaren Gefahren im Gefolge als verunsicherndes Element für das Wachsen und Gedeihen ihres Sohnes vorschiebt, um ihren Mann zu verlassen. So richtig gut ging es den beiden schon lange nicht mehr mit einander.
Wie also soll ihr Mann, der Icherzähler in dieser spritzigen Erzählung, sein Leben ohne sie gestalten?
Noch fährt er alle vierzehn Tage nach London, um sie und den Sohn zu besuchen. Aber lange wird das so nicht weitergehen.
Er wohnt seit dem Anschlag auf das WTC im Hotel Chelsea, einem illustren Ort, an dem bekannte Dichter und Schriftsteller ihr Domizil in der Vergangenheit aufgeschlagen hatten. Mit den Bildern von ehemaligen Bewohnern wie Mark Twain bis O.Henry und Thomas Wolfe sind die Treppen und Gänge bestückt. Hier wohnten Andy Warhol, Bob Dylan und Leonard Cohen, und hier kann man die wunderlichsten Typen aus- und eingehen sehen, wenn man in der Lobby sitzt.
Hans lernt Chuck Ramkissoon kennen, einen dubiosen Geschäftemacher aus Trinidad mit ambitiösen Plänen für ein Cricket Center, und er beginnt Cricket zu spielen. Er trifft Mehmet Taspinar, einen Türken, der als Engel verkleidet seinen skurrilen Eigenarten lebt; und die alte Dame, die ständig mit einem Revolver herumläuft, um etwaigen Räubern den Garaus zu machen. Szenen im Hotel sind von ausnehmender Komik, so dass die Erzählung eine Vielzahl von wechselnden Stimmungen und Gemütsbewegungen spiegelt. Die Gestalten, die das Hotel bevölkern, geben den Plot, aus dem die heutigen Träume sind.
Im Wechsel mit realen Begebenheiten reflektiert Hans sein Leben. Seine Gedanken wandern zurück in seine Heimat Holland, und melancholisch- elegisch steigen Kindheitserinnerungen hoch, die ihm seine damalige verträumte und arglose Lebenshaltung herbeizaubern.
Heute ist Hans ein empfindsamer Beobachter der Gegenwart, in der es um Amerika und seine Weltherrschaftsansprüche unter Bush geht; es geht um Krieg und Frieden, um die Wirtschaft, den Irak und die Risiken und Krisen einer Ehe.
Filigran gehen einzelne Erzählstränge in einander über, und das Leben in New York wechselt spontan die Farben. Van den Broek wandert durch die Strassen und Häuserschluchten und trifft Menschen von unterschiedlichster Lebensart, die seinen Weg kreuzen.
Der Wechsel zwischen harter Realität und feinfühligen Reflexionen, die in poetisch hinreißenden Sätzen daher kommen, nimmt den Leser gefangen. ONeill zeigt in seinem Roman die Verstörung und nüchterne Weltbetrachtung neben den hoffnungsvollen Erwartungen einer ganzen Generation von Mittdreißigern.
Mit Niederland ist Joseph ONeill ein Meisterwerk gelungen, das die Bestsellerlisten erobern wird.
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