Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Man weiß nie, wo eine Geschichte endet und eine andere beginnt, 23. Dezember 2009
Ich hatte keine besonderen Erwartungen an das Buch, da ich "Die Vermessung der Welt" noch nicht gelesen habe.
Der Roman besteht aus neun Geschichten, die lose miteinander verflochten sind. Spannung baut sich in den Geschichten auch dadurch auf, dass man auf "weitere" Hinweise hofft, wie die Hauptpersonen aus den bereits gelesenen Geschichten mit der gerade aktuellen Geschichte zusammenhängen und ob man noch weitere Hinweise erfährt, was aus den anderen Protagonisten letztendlich geworden ist.
Am Ende des Romanes formt sich eine Art Mosaik mit Andeutungen, aber ohne klare Konturen, dass die Geschichten nun so und so zusammenhängen. Das brauchen sie auch nicht. Kehlmann unterlässt es auch die einzelnen Geschichten eindeutig abzuschließen. Das jeweilige Ende ist zumeist offen, Spannung wird aufgebaut, man grübelt, denkt und fühlt mit der jeweiligen Hauptperson mit, doch kein Schlussakkord, kein erhobener Zeigefinger oder definites Ende verdirbt die immer offen gelassene Handlung. Wunderbar, wie Kehlmann hier gekonnt auf der Klaviatur des Schreibens spielt.
Was Sie erwartet, wenn Sie dieses Buch lesen sollten, beschreibt Kehlmann zum Schluss meines Erachtens sehr treffend selber, wenn er einen Protagonisten Folgendes formulieren lässt: "Wir sind immer in Geschichten. Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt." (S. 201)
In diesem Sinne ist der folgende Roman aus neun Geschichten weniger ein Buch, sondern näher am Leben (am realen, erdachten oder virtuellen) dran.
Ein wunderbares Buch, mit einprägsamen Geschichten von mehr oder weniger normalen Menschen, das mit jeder Geschichte erneut zum Nachdenken anregt. Toll!
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117 von 164 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die neueste Kehlmann-Komposition, 16. Januar 2009
Da dieses Buch das erste nach seinem Megabestseller 'Die Vermessung der Welt' ist, werden alle diejenigen, denen nur der ohne Zweifel großartige Roman über die zwei Gelehrten Humboldt und Gauß bekannt ist, 'Ruhm' an seinem Vorgänger messen und viele werden an diesem Vergleich scheitern.
Denn 'Ruhm' (ein sehr ironischer Titel) ist ganz anders. 'Ruhm' ist ein Episodenfilm in Romanform, wie Kehlmann es selber beschreibt, vergleichbar mit einem Inarritu-Film (Babel, Amores Perros). Natürlich geht es die Möglichkeiten der literarischen Form nutzend darüber hinaus, aber das Prinzip stimmt.
So kauft sich gleich in der ersten Geschichte der Held ein Mobiltelefon und bekommt eine schon vergebene Nummer zugewiesen. Er nimmt Anrufe an, die nicht ihm gelten und nach anfänglichem Zögern beginnt er Gefallen an dieser anderen Identität zu finden, die ihm das Handy ermöglicht. Einige Geschichten später wird der Faden auf der anderen Seite gesponnen: Ein durch kleine Hinweise in vorherigen Episoden schon bekannter Protagonist erhält auf einmal keine Anrufe mehr und seine eigene Identität entgleitet ihm zusehends. Es wird von berühmten Schriftstellern gesprochen, die dann selber Hauptdarsteller einer eigenen Geschichte sind, Personen werden aus verschiedenen Perspektiven gezeichnet, und das alles so unaufdringlich und subtil, dass man am Ende des Buches das Gefühl hat, einer Spinne dabei zugesehen zu haben, ihr kunstvolles Netz zu weben. Und dann will man eigentlich wieder von vorne anfangen, um winzige Fäden zu erkennen, die man beim ersten Lesen nicht bemerkt hat und vielleicht auch nicht bemerken konnte.
An diesem Punkt werden sich die Meinungen in 'gut durchdacht' und 'zu gewollt' scheiden, denn man hat es hier mit einem offensichtlich konstruierten Buch zu tun, ein Buch, in dem Wendungen sich unter dem Gewicht des Bauwerks 'Ruhm' biegen. An dieser dennoch filigranen, präzisen Arbeit werden sich wohl vorrangig Leser des gesamtkehlmannschen Oeuvres erfreuen, denn was er vorher über die Fülle eines Romans ausgebreitet hat, verdichtet er hier in wenigen Seiten: Das Verschwimmen von Realität und Vorstellung, in 'Mahlers Zeit' oder 'Beerholms Vorstellung' schon thematisiert, geschieht innerhalb einer Geschichte. Es wäre müßig, alle Verwebungen und Möglichkeiten des Buches aufzuführen, ich bin mir ziemlich sicher, selbst nicht annähernd alle erfasst zu haben. Als verbindendes Element aller Geschichten, neben der Frage der eigenen Identität und dem Wunsch, sie verändern zu können, 'auf die andere Seite des Spiegels zu wechseln', ist noch das schon eingangs erwähnte Mobiltelefon aufzuführen. Aber die Welt von 'Ruhm' sollte jeder Leser selber betreten und erfahren.
Unaufmerksames und passives Lesen übrigens, welches bei der 'Vermessung der Welt' noch weitgehend möglich war, dürfte einigen, die mit anderen Werken Kehlmanns nicht vertraut sind, den Zugang zu 'Ruhm' verweigern. Außerdem mag es vielen zu konstruiert erscheinen und der rechte Sinn, eine präzise Aussage fehlen. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, dass man hier einem Künstler, und genau das ist der Autor, beim Komponieren zusieht und sich an seinen beeindruckenden spielerischen Fähigkeiten erfreuen kann, dann führt an 'Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten' kein noch so großer Umweg vorbei.
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29 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spot an, 21. April 2009
Ein umstrittenes Buch, wie schön! Endlich einmal sind sich nicht alle einig. Man muss ja nicht gleich ausfällig werden, wie manche der Rezensenten. Ich kann sehr gut verstehen, dass viele, denen Kehlmanns letzter Erfolg gefallen hat, sich nun mit der Lektüre des neuen Romans nicht wohlfühlen mögen. Hier wird nichts gemütlich ausgebreitet, nichts behaglich vorerzählt. "Ruhm" ist schnell und schlaglichtartig. "Ruhm" ist anders. Man mag über das Etikett "Roman" streiten, aber das ist nebensächlich. Was einzig zählt, ist die enorme Kunstfertigkeit dieser Miniaturen, mit denen der Autor es schafft, einen Querschnitt durch die Gesellschaft zu legen. Zugegeben, der Focus liegt auf den kreativen Berufen, aber auch die Wirtschaftsmenschen und die Computerjunkies kommen dran. Und immer passt die Sprache, nie gibt es auch nur ein Wort zuviel. Selten habe ich einen Text mit so hohem Genuss gelesen. "Die Vermesssung der Welt" hat mich dagegen gelangweilt. Bildungslektüre, aber wenig poetisch, ein bisschen altbacken, für meinen Begriff. Doch vielen hat gerade das gefallen und jetzt sind sie enttäuscht. Ich bin dagegen aüßerst beeindruckt von einem Autor, der sich nicht festlegen lässt und es geschafft hat, nach einem rückwärts gewandten Buch den Finger wieder an den Puls der Zeit zu legen. Respekt!
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