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Dossier K: Eine Ermittlung
 
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Dossier K: Eine Ermittlung (Gebundene Ausgabe)

von Imre Kertész (Autor), Kristin Schwamm (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 238 Seiten
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek; Auflage: 3 (22. September 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498035304
  • ISBN-13: 978-3498035303
  • Originaltitel: K. dossziè
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Imre Kertész’ Autobiographie – der Schlüssel zu seinem Lebenswerk Imre Kertész gilt heute unangefochten als einer der großen künstlerischen und denkerischen Deuter der Welt nach Auschwitz. Sein Werk wird als autobiographisch gelesen, doch ist es notwendig komponiert durch die Gesetze von Stil und Fiktion. Wie steht es mit seinem Leben in Verbindung? Unter welchen Bedingungen ist es entstanden? Mit «Dossier K.» legt Kertész nunmehr eine Art Autobiographie vor, eine skrupulöse (Selbst-)Befragung im Dienste persönlicher und historischer Wahrhaftigkeit. Sie erschließt nicht nur die intimen Zusammenhänge von Leben und Werk mitsamt ihren poetologischen Voraussetzungen, sondern ist, im besten Sinne des Wortes, Zeitzeugenschaft – von Kertész’ familiären Wurzeln in der versunkenen jüdischen Kultur Vorkriegsungarns über die Schrecken des Nationalsozialismus bis hin zu einem politisch bewussten Leben zwischen stalinistischen Schauprozessen, Aufstand und Diktatur.


Über den Autor

Imre Kertész, am 9. November 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst als Journalist, seit 1953 dann als freier Schriftsteller und Übersetzer in Budapest. Mit seinem «Roman eines Schicksallosen», 1975 in Ungarn veröffentlicht, gelangte er nach der europäischen Wende zu weltweitem Ruhm. 2002 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch ist eine hervorragende Einführung in eines der bedeutendsten Werke des 20.Jahrhunderts, 5. Februar 2007
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 10 REVIEWER)   
Imre Kertesz, ungarischer, mittlerweile in Berlin lebender und arbeitender Literaturnobelpreisträger galt schon vor der Verleihung dieses Preises als einer der großen künstlerischen und denkerischen Deuter der Welt nach Auschwitz. Besonders mit seinem 1975 zuerst erschienenen Roman "Roman eines Schicksallosen", in dem er seine Erfahrungen im Konzentrationslager Buchenwald setze er innerhalb der Gattung der "Literatur von Überlebenden" umstrittene Maßstäbe. Meistens wird sein gesamtes Werk biographisch gelesen, doch wie er in dem vorliegenden Buch "Dossier K." berichtet, hat er sich immer auch nach den Gesetzten von Stil, Vorstellungskraft und Fiktion orientiert. Eigene Erfahrungen sind die Grundlage seiner Bücher, aber er hat sich immer die Freiheit genommen, eine ganz eigene" Geschichte daraus zu machen.

"Dossier K." beruht auf einem langen aufgezeichneten Gespräch von Kertesz mit seinem Freund und langjährigen Lektor Zoltan Hafner. Ohne das diese Freundschaft tragende Vertrauen wäre dieses Buch nie entstanden; tiefes Vertrauen und gegenseitiger Respekt ermöglichen es, in Tiefen der Erfahrung zu gelangen, die sonst nicht hätten ausgelotet werden können. Der Leser gewinnt bei der Lektüre dieses Buches nicht nur einen Einblick in ein bewegtes Leben und eine außergewöhnliche Persönlichkeit, sondern erhält auch eine hervorragende Einführung in eines der wichtigsten literarischen Lebenswerke des 20. Jahrhunderts. Insofern haben die beiden Freunde Kertesz und Hafner nicht nur eine Autobiographie erarbeitet, sondern auch eine Dokumentation einer Schriftstellerexistenz mit ihrer Begegnung und Konfrontation mit Werken bedeutender Philosophen und vieler anderer Größen der Kultur- und Geisteswelt. Über allem aber ist es das Werk eines unabhängigen Geistes, der nicht bei seiner KZ-Erfahrung stehen bleibt, sondern fragt, was sie austragen kann für heutige Leser und Menschen. Deshalb wehrt er sich auch heftig gegen Adornos Diktum, nach Auschwitz könnten keine Gedichte mehr geschrieben werden:
"Ich kann nicht nachvollziehen, daß ein Geist wie Adorno annehmen kann, die Kunst würde auf die Darstellung des größten Traumas des 20. Jahrhunderts verzichten. Sollen wir die Gedichte Celans oder Miklos Radnotis als barbarisch betrachten? Das ist ein schlechter Scherz, sonst nichts. Und was den ästhetischen 'Genuß' angeht: Erwartet Adorno von diesem großen Dichtern, daß sie schlechte Gedichte schreiben? Je mehr du diesen unglücklichen Satz drehst und wendest, desto unsinniger wird er. Für wirklich schädlich aber halte ich eine darin zum Ausdruck kommende Tendenz: Es drückt sich nämlich ein verqueres elitäres Denken darin aus, das im übrigen auch in anderer Form um sich greift. Was ich meine ist, daß der Satz einen Alleinanspruch auf das Leiden anmeldet, den Holocaust gleichsam beschlagnahmt. Und diese Tendenz trifft sich seltsamerweise mit der Ansicht der 'Schlußstrich'-Befürworter, also derer, die den Erfahrungsbereich Auschwitz für sich abweisen und auf eine eng begrenzte Gruppe von Menschen beschränken wollen und auch die Erfahrung selbst mit dem Aussterben der letzten Überlebenden der Konzentrationslager als tote Erinnerung, als ferne Geschichte betrachten möchten."

"Dossier K." ist eine Fundgrube von wichtigen und weiterführenden Gedanken und eine Motivation, dieses außerordentliche Werk in der nächsten Zeit nach und nach zur Kenntnis zu nehmen und zu lesen.
Ich kann das Buch sehr empfehlen.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Rückblick auf ein wahrlich bewegtes Leben, 28. Oktober 2006
Von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Imre Kertészs ist ein ungarischer Schriftsteller und der erste Literatur Nobelpreisträger seines Landes. Er ist Überlebender der nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz und Buchenwald. Um diese Themen kreist eigentlich sein gesamtes Werk. Berühmt geworden ist er mit dem Buch Roman eines Schicksalslosen. In diesem Buch hat er dieses Auschwitz mit einer präzisen, neugierigen Gefühllosigkeit beschrieben, auf eine solche Art und Weise wie man bisher noch nie über Auschwitz lesen konnte.

In den bisherigen Büchern sind es immer Rollen, die er übernimmt, in diesem Buch wird er ganz persönlich, schreibt über sich selbst, über seine Kindheit, seine Jugend, seine Herkunft, natürlich über das Lager und das Überleben und seine einsame Zeit im kommunistischen Ungarn, die Diktatur mit den menschenunwürdigen Schauprozessen und dem politischen Aufstand. Es ist eine faszinierende Form der Selbstbefragung, ein Selbstgespräch, das er führt, ohne jede Skrupel, um die persönliche und historische Wahrheit zu finden. Das Ich ist für ihn eine Fiktion, die immer neu erfunden werden muss. Aus diesem Grund kommt er auf die tolle Idee des dialogischen Schreibens, Stimme und Gegenstimme. Hier befragt sich ein kluger Mann selbst sehr klug, dabei gelingt es ihm mit einer großen Selbstsicherheit Widersprüche und Zwiespältigkeiten aufzudecken.

In einem Satz zitiert er sich selbst aus seinem Roman Liquidation und sagt: Das Leben ist entweder Demonstration oder Kollaboration. Und in diesem Zusammenhang gibt es den Satz:  Überleben kann man nicht im Widerstand, sondern nur durch Kollaboration. So hat er Auschwitz überlebt und so ist das dann auch in Ordnung. Da gibt es den wunderbaren Satz: Die Tröstung war eigentlich immer der mögliche Selbstmord. Die größere Leistung ist ja das Überleben. Auch in Kadar Ära hat er Kollaboration betrieben, weil er diese vielen albernen Lustspiele zum Broterwerb geschrieben hat.

Allen Büchern von Kertész liegt ein tragischer Stoff zu Grunde, es sind Zeugnisse der Barbarei des 20. Jahrhunderts, das völlige Versagen der Kultur. Und der absolute Widerspruch, oder besser gesagt, die Schizophrenie ist, das er von der totalen Sinnlosigkeit und Absurdität der menschlichen Existenz schreibt, als sei das Schreiben für ihn ein lustvoller Vorgang. Das wurde bisher häufig missverstanden, deshalb ist dieses Buch nicht nur eine Selbstentblößung, sondern für den Autor ist es zugleich die Möglichkeit die Deutungshoheit über sein Werk zurückzuholen.

Kertész ist interessanter Weise kein Moralist geworden, denn er sagt, nach Auschwitz würde es sich erübrigen, über die menschliche Natur in irgendeiner Form zu richten. Er lebt trotz dieser weltbezogenen Illusionslosigkeit heiter.

Dieses Buch, eine Mischung zwischen Überlebensschuld und Lebensbejahung, ist vielleicht nicht nur eine lupenreine Autobiographie, sondern in irgendeiner Form auch ein Roman.

Ich bin dankbar, dass es dieses Buch gibt. Es hat so viele unterschiedliche Reflexionsebenen und ist atmosphärisch dicht geschrieben. Eine faszinierende Lektüre, die ich von ganzem Herzen ,mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielerlei Gründen, empfehlen kann.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Viel Lesenswertes im Selbstverhör, 17. August 2007
Vordergründig ist es ein Interview. Auf den zweiten Blick vermittelt es den Eindruck eines Zweiergesprächs unter gleichberechtigt Beteiligten. In Wahrheit - und das lässt sich schon aus dem Untertitel "Eine Ermittlung" vermuten - handelt es sich um ein Verhör. Eine Befragung, bei der am Ende allerdings offen bleibt, wer der Verhörte und wer der Verhörende ist: der aufrecht Gedruckte oder der - zugegeben die meisten Fragezeichen produzierende - Kursive?

Da es Imre Kertész selbst ist, der hier sein biografisches Archiv verwaltet, die Fragen stellt, die Antworten gibt und letztlich auch noch Feder führt, der zudem in seinem Schlusswort die Liebe zu Widersprüchen bekennt, bleibt es mühselig, die Frage wer hier am Ende wen verhört, abschließend zu beantworten.

Man sollte sich vielmehr auf die Geschichten einlassen, die der Autor in an Geheimakten erinnernden, von ihm selbst Dossier ("Dossier K.") genannten Schrifttümern, festgehalten hat. In Anbetracht, dass Kertész' Leben über weite Strecken in Ländern und Zeiten der Höllenjahre des vorigen Jahrhunderts verlief, der Zeit des Nationalsozialismus und seiner ungarischen Variante, in der auch die Traumata von Auschwitz dem jüdischen Jungen nicht erspart blieben, der Zeit des Stalinismus, den Zeiten der kurzen Hoffnung, die in der Niederschlagung des Aufstandes in Ungarn im Jahre 1956 ihr leidvolles Ende fanden, sowie den sich hinschleppenden grauen Zeiten des Kádár-Regimes, die trotz der Apostrophierung "Gulaschkommunismus" doch nichts anderes waren als: graue Zeiten, nur halt mit Gulasch ... - in Anbetracht dessen wurde vieles Berichtenswerte zusammengetragen. Im Umkehrschluss: Sehr viel Lesenswertes.
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