Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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22 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Pflichtlektüre für jedefrau/jedermann, 10. Mai 2003
Endlich ein Autor, der auf die psychischen Aspekte des 1. und 2. Weltkriegs eingeht. Eine Pflichtlektüre für jeden Kriegs- und Nachkriegsmuffel, die uns unterstützt, die verdrängten seelischen Herausforderungen und Handlungen der Generation unserer Großeltern nachvollziehen zu können. Wird auch Zeit, dass sich unsere Gesellschaft endlich mit diesen Dingen auseinandersetzt. Wer Verständnis lernen möchte für die oft eigenartigen Verhaltensweisen älterer Generationen (v.a. männlichen Geschlechts) sollte das Buch unbedingt lesen. Das gedrillte, soldatische Ich des Mannes von damals hat seinen Einfluss bis heute nicht verloren. Schade, dass der aktive Part bzw. Beitrag der Frau zum Nationalsozialismus und zum Krieg fast außer Acht gelassen wurde. Ein Gustostück sowohl stilistisch, sprachlicher (bei einem Literaturwissenschaftler eh klar) als auch fachlich- psychologischer Natur. Wo Theweleit wohl sein analytisches Können gelernt hat? Freud hätte seine Freude! Ich denke auch, dass dieses Buch in den Schulstoff der Oberstufen genommen werden müsste. Für mich ist es ein enorm wichtiger Beitrag für den Weltfrieden - herzliche Gratulation Herr Professor Theweleit!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
viel Lesearbeit für relativ wenig Aussage, 18. Juli 2008
Der Ansatz von Theweleit ist genial: Aus den Romanen und Ergüssen der rechtsradikalen Freikorpssoldaten heraus zu destillieren, was psychoanalytisch gesehen - hinter dieser Angst vor der roten Flut, die alle Dämme überschwemmt steckt. Die Umsetzung ist teilweise auch recht amüsant - insbesondere das Zusammenspiel von Text und Illustration. Ich habe allerdings - auch beim zweiten Lesen gut 25 Jahre später - Probleme mit der verschwurbelten Theoretisierei, mit der damals sicher sehr modischen Begeisterung für Deleuze und andere. Vieles ist dann doch sehr raunend, gewollt (?) schwer verständlich oder unverständlich und - hier gebe ich einem der Vorrezensenten recht: auch redundant!
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19 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Zweifelhafte Fleißarbeit, 28. Dezember 2006
Klaus Theweleit breitet gern Bildung aus, noch lieber aber ein Arsenal an Material und Bleiwüsten von Fußnoten. Die Fülle der Zitate und Belege, all die Episödchen und Histörchen, die verzettelten Vor- und Rückverweise, die wirre Gliederung, die diffuse Redundanzen, die Liebe zum Kleingedruckten, das letzte Beweiskraft ausschöpfen soll, vor allem aber die mit Archivareneifer artig zusammengetragenen Bildchen mit ihrer vom Autor suggerierten ikonografischen und symbolischen Deutungsschwere bilden die Staffage einer geklitterten Geschichtsexegese, deren flotte Idee sich allzu schnell erschließt und daher in immer neuen Varianten durchgespielt werden muss, bis man geduldig ein halbes Tausend Seiten gelesen hat, von denen wenig Substanz bleibt: Die Grausamkeiten von Krieg, Nachkrieg und Nationalsozialismus versucht Theweleit mit einer Art Psychoanalyse des Männlichen zu begründen. Eliten und Protagonisten der gewaltbereiten Rechten stellen sich ihm als armselig verstörte und vor allem verklemmt-liebesunfähige Sexualneurotiker dar, deren Leben angesichts der Umstände im obrigkeitsstaatlichen und prüden Wilhelmismus eher als problematische Anamnese denn als Biographie aufzufassen wäre. Offenbar kommt das dem Wunsch- und Trostbedürfnis entgegen, in den Gewaltexzessen des zwanzigsten Jahrhunderts etwas Pathologisches zu sehen, das sich heilen ließe, wenn man nur für gesundes und aufgeklärtes Aufwachsen der jungen Menschen, insbesondere offenbar der instabilen Jungen, sorgt. Von dem Wust an Bezügen kann man manches ganz nett pointiert und im isolierten Detail stimmig finden, anthropologisch und historisch ist aber kaum etwas Stichhaltiges gesagt. Beachtlich erscheint allenfalls die Fleißarbeit, mit der Bezüge zusammengekehrt werden, die der vagen und verwegenen Intention dahinkonstruiert auf die Beine helfen. Der Rest sind willkürliche Deutung, gefällige Belletristik und altlinker Humor.
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