Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Vorstellungen eines Go-Amateurs, 23. April 2005
Der Roman ist wie eine Partie Go angelegt, SIE beginnt die Erzählung im 1. Kapitel = 1. Zug, gefolgt von IHM im 2. Kapitel = 2. Zug. Und so geht es abwechselnd weiter bis zum letzen = 92. Kapitel, dem unvermeidlichen letzten Zug. Beide erzählen das Geschehen aus ihrer jeweiligen Sicht in Ich-Form, was besonders dann interessant ist zu lesen, als sich beider Wege ungefähr ab dem 40. Zug kreuzen. Durch die Verwendung der Gegenwartsform gelingt der Autorin, ein Gefühl der Gleichzeitigkeit zwischen den beiden Protagonisten und mit dem Leser zu erzeugen. Allerdings ist der ganze Roman in der Präsenzform geschrieben, was angesichts der häufigen Rückblenden z.B. in die jeweiligen Kindheitserinnerungen doch etwas ermüdet.Die Charakterisierung des Go-Spiels wirkt an manchen stellen übertrieben, mystifizierend: SIE vergleicht die Go-Steine mit Soldaten, die "gelenkig umher wirbeln, sich ihre Fallen in kreisenden Spiralen stellen" (S. 113), SIE "tauch[t] ein in die Abgründe der Mathematik" (S. 139) beim Zählen der Steine auf dem Spielbrett und kommt zu der Erkenntnis: "Go pfeift auf die Berechnung, brüskiert die Phantasie. ... Go ist das Spiel der Lüge. Man umzingelt den Feind mit Trugbildern, man zielt auf die einzig echte Wahrheit, den Tod" (S. 223) - während für IHN "eine Partie Go ausschließlich der Elite vorbehalten ist, eine Zeremonie, die mit allerhöchstem Respekt zelebriert wird" (S. 116). Diese philosophische Überfrachtung des Go-Spiels mag noch mit "dichterischer Freiheit" zu entschuldigen sein, einige Merkwürdigkeiten bei der Beschreibung der Go-Partie hätten aber - bei genauerer Kenntnis der Autorin des Go-Spiels bzw. bei etwas sorgfältigerer schriftstellerischer Ausarbeitung - vermieden werden können: nicht nur SIE, sondern auch ER - ein Japaner - bezeichnen die Ecken, Ränder und "Gegenden" des Go-Bretts mit Himmelsrichtungen, z.B. "Süden" für den unteren Rand. Im Japanischen (oder Deutschen) werden solche "geographischen" Bezeichnungen jedenfalls nicht verwendet, vermutlich auch nicht im Französischen (ob im Chinesischen, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis). Die ersten sieben Züge der Partie ist von krassestem Anfänger-Niveau (S. 113), trotzdem zieht sich die Partie über Tage und Wochen hin, über manche Züge brüten die Kontrahenten stundenlang, und hoch im Endspiel (jenseits von Zug 200, der auf S. 196 gesetzt wird) denkt ER: "Ihre Züge werden schneller und schneller. Sie wird immer listiger" (S. 223). Das ganze hört sich nicht an nach einer Go-Partie zwischen einigermaßen starken Spielern. Ein Roman, in dem Schach eine ähnlich prominente Rolle spielt wie hier das Go, in dem das Spiel jedoch so unrealistisch und exotisch überspannt beschrieben wird, wäre an der Hürde des Lektorats eines Verlages, der weiß was er publiziert, gescheitert. Trotzdem ein interessantes Buch und unbedingt lesenswert, auch wenn die Euphorie der "Pariser Literaturszene" nicht ganz nachzuvollziehen ist. Es bleibt zu hoffen, dass wir nicht wieder über 30 Jahre auf das Erscheinen eines weiteren Go-Romanes warten müssen, die seit "The Master of Go" vergangen sind, der Übersetzung des Meisterwerkes "Meijin" des japanischen Nobelpreisträgers Kawabata Yasunari.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vielschichtig und raffiniert, große Klasse, 16. Mai 2004
Ein Drama um Liebe und Tod. Schauplatz ist die japanisch besetzte Mandschurei zur Zeit des letzten Kaisers Pu Yi. Eine Chinesin mit Kontakten in der Widerstandsbewegung und ein japanischer Offizier treffen sich an einem öffentlichen Platz zum Go-Spiel. Sie sind sich ebenbürtig, sie wissen beide nicht, dass sie mit ihrem Schicksal spielen, ahnen es allenfalls, und sie sind sich verfallen.Die kurzen Kapitel sind nummeriert wie Züge beim Go. Durchgängig wechselt Zug um Zug der Spieler bzw. der Ich-Erzähler. Besonders reizvoll ist das, wenn die gleiche Episode nacheinander aus der Sicht beider geschildert wird, wobei mal sie, mal er einen Vorsprung im Verlauf der Handlung, sozusagen die Vorhand, hat. So wie beim Go oft am Anfang sehr locker und auf Distanz gesetzt wird, scheinen auch die ersten Kapitel relativ wenig miteinander zu tun zu haben, was sich später natürlich ändert. Go-Kenner werden vielleicht noch andere Ähnlichkeiten finden. Der Roman lebt von Vielschichtigkeit und Kontrasten. Auf der Spielebene findet ein logisch-ästhetischer Kampf statt, dies zwischen zwei Spielern, die sich lieben, die aber zwei sich auf den Tod bekämpfenden Nationen angehören, die wiederum kulturell und historisch verwandt sind. Die fast platonische Liebe der beiden und ihre beherrschten Treffen kontrastieren mit ihren Gedanken und Träumen ebenso wie mit einer gewalttätigen Außenwelt. Ein Tanz auf dem Vulkan, knapp und teilweise hart geschildert, ein Nebeneinander von Grausamkeit und Poesie, dieser Roman hat viele Facetten, und ich werde ihn sicher noch einmal lesen. Erste Sahne, fünf Punkte.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein phantastisches Buch, 21. November 2002
Die strenge, schnörkellose und dennoch wunderschöne Sprache macht es zu einem Genuß, dieses Buch zu lesen. Durch die beiden Ich-Erzähler, die jeweils ihre eigene Geschichte erzählen, oft aber gleiche Erlebnisse höchst verschieden reflektieren, entsteht eine enorme Dynamik. Gleichzeitig scheinen die Charaktere in ihrem Schicksal festgefroren. Nimmt man noch die liebevolle, niemals selbstverliebte Beschreibung der kulturellen und zeitgenössischen Einzelheiten hinzu, entsteht ein Gesamtkunstwerk, das Wert ist, gelesen zu werden.
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