Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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140 von 154 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Großartige Weltliteratur, leider sehr schlecht herausgegeben, 10. September 2001
Krieg und Frieden ist eines der größten und bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Daran ist nicht zu rütteln und es wurden bereits genügend Rezensionen über Tolstoi's großartiges erzählerisches Talent, die Dreidimensionalität seiner Personen sowie das gewaltige Ausmaß dieses Werks geschrieben. Ich schließe mich allen diesen Punkten bedingungslos an. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass ich von dieser Diogenes Ausgabe sehr enttäuscht bin. Ich wählte sie ursprünglich deshalb aus, weil sie in vier Bände unterteilt ist, was das Lesen einfacher macht, weil man nicht immer einen großen Wälzer mit sich herumschleppen muss. Doch musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass die Übersetzung mittelmäßig ist (es gibt allerhand grammatikalische Fehler) und die Typographie selbst sehr zu wünschen übrig lässt. Fast auf jeder Seite befinden sich Rechtschreib- b.z.w. Tippfehler, die beim Lesen störend wirken. Es sieht so aus, als ob die Bücher ohne Korrekturen gedruckt worden sind. Ich hätte mir das von einem renommierten Verlag wie Diogenes nicht gedacht und bin wirklich enttäuscht. Es zeugt nicht gerade von Respekt für den großen Autor, sein Werk auf diese schlampige Weise herauszugeben.
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40 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meisterwerk mit minimalen Schwächen, 28. April 2007
Es ist ein Epos. Es ist schwere, anspruchsvolle Literatur. Es ist ein Meisterwerk. Und es ist mein neues Lieblingsbuch.
Krieg und Frieden - das lässt schon auf Inhalt schließen. Wir befinden uns am Beginn des 19.Jahrhunderts, zur zeit des napoleonischen Frankreichs. Wir befinden uns im Russland unter Zar Alexander I. Wir befinden uns in einer Zeit, die von Intrigen, Bünden, Hoffnungen und Enttäuschungen - und eben von Krieg und Frieden beherrscht wird.
Und eindrucksvoll schildert Tolstoi dieses auf und ab, diese antagonistischen Phasen am Schicksal seiner Protagonisten. Die Familien Bolkonskij, Rostow und Pierre, der uenehliche Sohn eines einflussreichen Grafen, bestimmen die Handlung, sind gleichzeitig ihr Opfer und zeugen der historischen Ereignisse. Liebevoll gestaltet Tolstoi seine Figuren aus - und nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch jeder noch so kleineCharkater, der ins geschehen eingreift, hat sein Gesicht, seine Mimik und Gestik, seine Eigenarten, seine guten und schlechten Seiten. So verleiht der Autor seinen Figuren eine solche Lebendigkeit, dass man nach Ende des Buches das Gefühl hat, lieben Freunden Adieu zu sagen. Liebe, Hass, Freund-und Feindschaft, verrat, Lüge, Hoffnung - alle nur möglichen Gefühle und Epfindungen machen unsere Charaktere durch, und das so´intensiv, dass dem Leser das Herz schwer wird.
Diese fiktiven Charaktere sind nun den historischen Figuren dieser Zeit beigestellt. Napoleon, Zar Alexander, der Militär Kutusow und all die anderen kleinen oder größeren Rädchen im Räderwerk der Geschichte bekommen Gestalt. Kutusow schläft während einer Besprechung ein, Napoleon quält während der Schlacht von Borodino eine Erkältung, und Zar Alexander fühlt sich von den Ehererbietungen peinlich berührt.
Besonders interessant gestaltet Tolstoi die Schlachtszenene aus - allen voran die drei Schlachten von Schöngraben, Austerlitz und Borodino. So erleben wir die Schlacht meist aus den blickwinkeln der kleinen Leute, nur selten stellt Tolstoi den Leser an die Seite der "Großen". Für ihn sind auch Menschen wie Napoleonoder Kutusow nicht mehr als Rädchen in der Geschichte. Nicht sie bestimmen die Geschichte, sondern die Geschichte bestimmt sie.
Und vielleicht liegt darin auch der für mich einzige negative Aspekt der Geschichte. Für mich prägen durch aus historische Personen ihre Zeit. Gut, da bin ich mit TOlstoi nicht einer Meinung. Das ganze wäre auch weitgehend unproblematisch, wenn Tolstoi bei alldem noch eine gewisse Neutralität wahren muss. Aber vielleicht ist das von ihm als Russen seiner Zeit auch zuviel verlangt. Dennoch rollte ich ab und an mit den augen, wenn aus Napoleon nach und nach der Leibhaftige selbst wird, dem nicht die einzige gute Eigenschaft zugeschrieben wird - und im gegenzug aus Zar alexander er Erlöser des russischen Volkes wird. Spätestens, wenn die Figur des Pierre besuchow durch ein Zahlenspiel aus dem Namen "L'empereur Napoleon" die Zahl "666" also die des Teufels, erreichnet, wird das ganze für mich bizarr und etwas überzogen. man kann über historische Figuren sagen und denken, was man will - aber ihnen alles menschliche abzusprechen, stößt für mich doch an die grenze der Geschichtsverfälschung. Wie gesagt, ohne den kleinen Korsen in Schutz nehmen zu wollen - hier wird im mehr Schmutz zugeschoben, als er verdient.
Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt an diesem Werk, denn ansonsten bemüht sich Tolstoi sehr um völkerfreundliche Neutralität. Gerade die einfachen Soldaten scheint er auf allen Seiten sehr ins Herz zu schließen. Sie, die sie nur Teil des Großen Ganzen sind, können nicht anders, als sich dem zu fügen (was er im Übrigen auch von seinen historischen Persönlichkeiten behauptet - fragt sich, ob es damit getan ist, Zar Alexander jegliches Verständnis für den Krieg und Napoleon jegliches militärisches Können abzusprechen) und das größtenteils garnicht wollen. So vergisst Tolstoi (fast) nie, uns den Menschen hinter all dem sehen zu lassen.
Ich lege dieses Buch jedem ans Herz, der sich mit der Zeit Napoleons ein wenig besser auskennt, mehr über sie erfahren möchte und sich nicht vor den 1600 Seiten erschreckt. Liebevoll gezeichnete Charkatere, epischer Erzählstil, der lebendig und anspruchsvoll zugleich ist, eine (fast) fehlerlose historische Darstellung, die das Wissen bereichert und diese aufregende Zeit wieder auferstehen lässt - all das macht Tolstois "Krieg und Frieden" zu meinem persönlichen Highlight. Daher dennoch 5 Sterne!!!
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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr als ein historischer Roman, 27. Dezember 2003
Lew Tolstois Werk Krieg und Frieden ist, so sagen Literaturwissenschaftler, kein Roman im üblichen Sinne. Dafür enthalte er zu viel Geschichtsphilosophie und zu viel Militärgeschichte. Dafür fehle ihm ein roter Faden, ein erzählender Charakter, eine stringente Handlung. Seinem Umfang nach (1600 Seiten) wäre er dieser Kategorie aber sicher zuzuordnen. Obwohl das monumentale Werk trotzdem in Vielem einem Roman ähnelt, so ist es doch mehr als ein solcher. Das Buch ist ein Porträt des russischen Adels am Anfang des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt zwischen 1805 und 1820. Vor dem Hintergrund der Napoleonischen Eroberungsfeldzüge, insbesondere seines Einmarsches in Russland im Jahre 1812, beschreibt Tolstoi das Leben einer Reihe von Familien und Einzelpersonen dieser Schicht zwischen ihrem Alltag und den Anforderungen, die dieser Alltag und dieser Krieg, die das Leben selbst an sie stellt. Tolstoi blickt dabei auf die geschichtliche Entwicklung wie auf einen mal schneller, mal langsamer dahinfließenden Strom, in dem hier und da die Köpfe seiner Hauptfiguren auftauchen. Eine Zeitlang verweilt sein Blick bei dem einen, dann wieder schwenkt er zum anderen. Einige versuchen, gegen den Strom zu schwimmen, andere gehen darin auch unter. Einige verliert man aus dem Blickfeld. Dazwischen reflektiert Tolstoi über den Strom, das heißt die Geschichte, als solchen und darüber, wie man ihn beschreiben und interpretieren sollte. Das mag für einen Roman vielleicht untypisch sein, aber es ist sehr reizvoll. Tolstoi ist ein sehr genauer Beobachter und schildert das Leben der Petersburger Gesellschaft, des Moskauer Adels, des Landadels und der Offiziere detailgetreu und in vielen Facetten. Selbst wenn die Handlung teilweise kaum fortschreitet, ja, wenn eine solche gar nicht zu erkennen ist, so folgt man den Hauptdarstellern doch mit Interesse und Aufmerksamkeit durch ihr Leben. Tolstois Sympathie gilt dabei den Menschen, die sich durch Natürlichkeit, Geradlinigkeit und Menschlichkeit auszeichnen, seine Verachtung und sein Spott gelten den Intriganten, den Karrieristen und denjenigen, die sich andauernd verstellen und die Fahne nach dem Wind hängen. Zur ersten Gruppe gehören auch die so genannten einfachen Menschen, die Bauern. Obgleich ihnen Tolstoi wegen ihrer Einfachheit und Natürlichkeit wesentlich mehr Zuneigung entgegenbringt als dem verdorbenen Adel, so neigt er doch nicht zu einer Idealisierung der Unterschicht. Er geißelt ihre Einfalt, ihre Dummheit und ihren Aberglauben. Und auch die Aufrechten, die der Adelsschicht angehören, sind keine übermenschlichen Heldengestalten. Es sind Menschen, die sich auf ihrer Suche nach Glück oder nach einem anderen Sinn des Lebens fortdauernd irren, die Fehler machen und die Schwächen haben: Ruhmsucht, Eifersucht und Härte gegen diejenigen, die sie am meisten lieben. Wenn Tolstois Blick von den Einzelpersonen abstrahiert, wenn er über den geschichtlichen Prozess als Ganzen nachdenkt, dann fällt vor allem seine Kritik der zeitgenössischen Historiographie, insbesondere der Militärgeschichtsschreibung ins Auge. Gegen die Fixierung auf die großen Feldherren und Monarchen, insbesondere Napoleon und Alexander I., und auf militärstrategische Überlegungen, setzt er eine Militärgeschichtsschreibung, die den Krieg aus der Sicht der Offiziere und einfachen Soldaten beschreibt. Das ist kein Sandkastenspiel vom Feldherrenhügel aus, sondern eine grausame Schlächterei. Manch eine Schlacht habe sich ganz anders zugetragen, als uns die Geschichtsschreiber weismachen wollen, so Tolstoi. Man könne den Feldzug Napoleons gegen Russland und seinen Rückzug nicht verstehen, wenn man nur die Memoiren der Heeführer zur Erklärung heranziehe. Diese würden sich aus Eitelkeit und Ruhmsucht Entwicklungen anrechnen, die sich auch ohne ihr Handeln eingestellt hätten. Der russische Heeführer Kutusow gilt Tolstoi als einer der wenigen, der erkannt habe, wie wenig sich die geschichtliche Entwicklung von Einzelnen beeinflussen lasse und dessen Kriegführung deshalb einzig und allein auf zwei Prinzipien aufgebaut gewesen sei: Zeit und Geduld. Kutusosow wird damit nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch im Geiste zum Gegenspieler Napoleons, der in seiner Selbstüberschätzung tatsächlich geglaubt habe, die Weltgeschichte zu lenken. Nicht weniger wichtig ist für Tolstoi, dass Kutusow seine Soldaten schont, wo er kann, während Napoleon sie um seines eigenen Ruhmes willen gnadenlos verheizt. Voll Bitternis beklagt Tolstoi deshalb, wie Kutusow nach der Vertreibung Napoleons aus Russland von seinem Amt als Oberkommandierender entfernt wird, während Napoleon trotz seiner zahllosen Verbrechen noch immer als Großer gelte. Napoleons gibt es jedoch auf russischer Seite genauso, wie auch bei den Österreichern und bei den Deutschen. Tolstois Herz schlägt nicht allein für die Russen, es schlägt für die Menschen, seien sie Russen, Franzosen oder Deutsche. Der Krieg verändert die Menschen nicht, er zwingt sie aber in Situationen, in denen sie sich zwischen Menschlichkeit und Grausamkeit, zwischen dem Guten und dem Bösen, entscheiden mmüssen. Wenn die Vertreibung Napoleons aus Russland und schließlich von der Macht überhaupt auch auf immer ein Verdienst des russischen Volkes bleibe, das diesen Sieg errungen habe, so ändere dies doch nichts daran, dass der Krieg ein unerhört grausames und sinnloses Morden sei, dem viele gute und wertvolle Menschen zum Opfer fielen. Wer Krieg und Frieden liest, der wird auf unterhaltsame Weise etwas erfahren über den russischen Adel, den Vaterländischen Krieg von 1812 und den Charakter des russischen Volkes, wenn es so etwas geben sollte. Er wird aber auch viel über das Leben als solches erfahren, darüber, wie eng Gut und Böse beieinander liegen und darüber, dass es nicht den einen, einzig richtigen Weg zu einem glücklichen Leben gibt.
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