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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Missglückte 'Generaltheorie', 1. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Fest scheint zu stehen dass es Klimaveränderungen gibt, "deren Auswirkungen wir auch in Europa mit Unwettern und Überschwemmungen immer stärker spüren". Fagans erste These ist, dass diese Klimaveränderungen "nicht neu" seien. Zudem geht es 1. darum, zu zeigen "wie eine weltweite Klimamaschine [sic!] das Wetter auf unserem Globus bestimmt" und 2. wie diese 'Maschine' auch die Entwicklung menschlicher Gemeinschaften - den Aufstieg und Fall von Herrscherhäusern, das Vertrauen der Menschen in ihre Institutionen beispielsweise - beeinflusst. (Cf. Klappentext Rückseite; S.7ff.). In bezug auf die naturwissenschaftliche Komponente des Buches mahnt der Klappentext (Innenseite vorne) an, dass im Zusammenhang mit Umweltkatastophen nicht allein der Treibhauseffekt zu beachten sei, sondern ebenso auch das El Niño-Phänomen. Es scheint, betrachtet man die Disposition des Buches, dass Fagan einen Schwerpunkt auf El Niño legt (sowohl, was dessen naturwissenschaftliche Erklärung als auch, was seine gesellschaftlichen Auswirkungen betrifft). (Teil I)Geht es Fagan um 'klare', allzu klare Kausalitäten, mechanistische Zusammenhänge (die Rede von der "Klimamaschine" nährt den Verdacht zusätzlich)? Zwei Beispiele nur. Erstens: Die Klimawissenschaft versteht heute El Niño und wir haben die wissenschaftlichen Werkzeuge zur Rekonstruktion der Klimageschichte ý das ist eminent wichtig für das Verständnis der Weltgeschichte ý "Wir wissen, dass kurzfristige klimatische Anomalien keine blossen Zufälle oder Ausrutscher waren" (in welchem Zusammenhang steht diese Behauptung mit dem Vorherigen?) ý es gibt einen engen Zusammenhang zwischen ungewöhnlichen Klimaänderungen (zuvor war allerdings die Rede von Schwankungen!) und ungewöhnlichen historischen Ereignissen: "Der Untergang des Alten Reiches in Ägypten fiel zum Beispiel mit einer grossen Dürre zusammen (...)". (S.11) Bedeutet zeitliche Koinzidenz Kausalität? Inwiefern müssten nicht die Kontingenzen historischer Phänomene mitbedacht werden? Zweitens: Gesellschaften haben, so Fagan, relativ wenig Spielraum bei der Reaktion auf klimatische Belastungen: Anpassung (z.B. durch Ortsveränderung), Innovation ... oder eben: Zusammenbruch. Die Moche in Nordperu etwa - einer der frühen Hochkulturen, deren Entwicklung in diesem Buch nachgezeichnet wird (Teil II) - waren angeblich wenig anpassungsfähig, "sie herrschten mittels strenger zentralisierter Kontrolle und unflexiblen religiösen Ideologien". Folge: ihre Kultur ging "angesichts der Dürre und der unvermeidlichen El Niño-Überschwemmungen unter" (S.12); - so einfach geht das! Teil III schliesslich widmet sich den Klima-Mensch-Zusammenhängen in jüngerer Zeit, um zu zeigen, dass "dieselben Beziehungen zwischen Versorgungskapazität, Bevölkerung und der Legitimation von Herrschern und Regierungen auch heute noch funktionieren". Wäre dem so, bzw. liesse sich die Frage der Stabilität von Institutionen derart verkürzend auf die genannte Beziehung reduzieren, dürfte - um nur ein Beispiel unter vielen möglichen zu nennen - die Herrschaft der Taliban in Afghanistan längst nicht mehr andauern. "Die Überbevölkerung", so Fagan, ohnehin recht undifferenziert in seiner Bemühung des 'Überbevölkerungs'-Problems (cf. z.B. S.255f. inkl. einer Preisung Malthus'), "und ihre Konsequenzen, die globale Erwärmung oder ein abrupter Klimawechsel alleine werden unsere Zivilisation nicht zerstören. Aber die Kombination von allen dreien macht uns gegenüber den klimatischen Kräften verletzlich wie nie zuvor." (S.14). 270 Seiten führen zu diesem in der Tat nicht sehr aufregenden Schluss, einmal abgesehen davon, dass Fagans Konklusion sich durchaus in eine allenfalls verkaufsfördernde Bedrohungssemantik einschreibt. 270 Seiten auch, um zu erfahren, wie eine angebliche Klimamaschine (über die Implikationen dieser Metapher lohnt es sich allenfalls nachzudenken) menschliche Gesellschaften beeinflusst, ohne eine Betrachtung des Umgekehrten: wie beeinflussen Menschen das Klima? An eine monokausale Theorie zur Erklärung des Gangs der Geschichte glauben zu können, mag Forschende vielleicht vor einer, den quantitativen Ausstoss an bedrucktem Papier lähmenden, intellektuellen Verunsicherung bewahren. - Gute Bücher, anregende und innovative Forschung garantiert es freilich nicht.
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