Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Zukunft der Geschichte, 28. Juni 2004
Was pathosgeschwängert als „Ein Vermächtnis" angepriesen wird, ist mehr oder weniger eine lose Sammlung von Essays rund um die Geschichte. Folglich hat das Buch auch keinen ganz festen Rahmen, viel mehr bekommt man die Quintessenz dessen, womit sich Krockow vornehmlich sein Leben über beschäftigte: mit Geschichte, insbesondere der Preußischen und Deutschen. Wer meint, dass er mit dem Kauf dieses Buches eine Antwort auf die Frage nach der„Zukunft der Geschichte" bekommt, wird zurecht enttäuscht! Freilich hat Krockow keine Antwort auf diese Frage, er kann dem Leser nur seine Sicht der Dinge darlegen und ihn mehr für den Umgang mit der Geschichte sensibilisieren. Gut 50 der rund 200 Seiten beanspruchen allein die 155 Anmerkungen und Leseempfehlungen sowie die Verweise auf Quellen der zahlreichen Zitate. Damit bietet Krockow wie gewohnt einen reichhaltigen Fundus an wohlfeil ausgewählten Zitaten - wegen denen allein - das Buch schon empfehlenswert ist. Sicherlich mutet vorsichtig gezogene Vergleich mit dem 11. September befremdlich an, dennoch weist er auf etwas vollkommen Richtiges hin, nämlich, dass die Welt mit den Anschlägen eben nicht vor vollkommen neue Probleme gestellt wurde. Folglich ließe sich ableiten, dass man auf diese neue Gegebenheit vielleicht überstürzt, hektisch oder falsch reagiert, gar einen Freibrief für andere Lösungswege beansprucht . Das ganze Buch über merkt man, dass jahrzehntelang gewonnene Geschichtskenntnisse zusammenlaufen und zu diesem Buch geronnen sind. Auch weicht er weitgehend gekonnt den Fallstricken aus, die jedem gestellt werden der sich an die Geschichte herantraut, nämlich wie Popper es so schön formulierte: dem leidigen menschlichen Bedürfnis zu suggerieren. Neben den gerade mal neun Seiten über den 11.9 widmet sich Krockow auch folgenden Themen: Den Stürmen des Überganges(Französische Revolution, 48er Revolution, die Studentenrevolte der 68er u.s.w.); Kann man aus der Geschichte lernen für die Zukunft? Wie wirkt sich das Moralisieren der Vergangenheit und Gegenwart aus? Nur vier Punkte gibt es von mir, da ein Namensverzeichnis zum Nachschlagen fehlt und das Buch sich z.B. mit Poppers Beiträgen zur Geschichte genauso messen lassen muss wie mit Krockows älteren Büchern. Trotzdem gefiel mir dieses Büchlein, allein schon der Denkanstöße und Zitate wegen.
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2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Altbackenes Erbe, 14. Oktober 2003
Von Ein Kunde
Das Buch des im März 2002 verstorbenen Graf Christian von Krockow, das der Verlag als „Vermächtnis" preist, wartet mit kulturkonservativen Allgemeinplätzen und einer starken, aber argumentativ schwer haltbaren These auf. Die historische Entsprechung für den Terror des 11. September findet der Autor im hybriden deutschen Nationalismus des 20. Jahrhunderts. Allein unsere „moralisierende Gedenkkultur", die an die Stelle von historischer Bildung getreten sei, versperre den Blick auf diesen Zusammenhang. Da Krockows Islamkenntnisse nicht viel weiterreichen als das Wissen um die Anzahl der Suren im Koran, reduziert sich die Gemeinsamkeit zwischen muslimischen Terrorgruppen und nationalistischen Massenbewegungen auf den Kampf gegen die als wesensfremd und bedrohlich empfundene Zivilisation des Westens. Mit den von der deutschen Kulturkritik Anfang des 20. Jahrhunderts geprägten Kampfbegriffen Kultur und Zivilisation, auf die Krockow bei seinem Vergleich zurückgreift, läßt sich die Propaganda islamischer Fundamentalisten nicht hinreichend erfassen. Ernst Jüngers Lob des Selbstopfers im Zeichen der „totalen Mobilmachung" steht in einem grundlegend anderen Zusammenhang von Religion und Politik, Technik und Krieg als dies bei palästinensischen Selbstmordattentätern der Fall ist. Naphta, die dämonische Figur aus Thomas Manns „Zauberberg", vereint Züge aus der europäischen Geistesgeschichte der zwanziger Jahre, taugt aber nicht als Psychogramm Osama Bin Ladens. Weniger originell als diese Assoziationen sind Krockows Ausführungen über das Ende der Utopien nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und die Klagen über den Verlust an Bildung bei den neuen Eliten. Das Lamento tönt altbacken und gleicht Nachhutgefechten längst geschlagener Debatten. Mit einem Zitatenschatz von Burke bis Fest poliert Krockow konservatives Tafelsilber, doch hinzuzufügen hat er ihm mit seinem „Vermächtnis" nichts.
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