Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Zeitgenosse mit Rückgrat, 15. März 2008
Ich hatte die Ehre, Vladimir Zarev kennen zu lernen, was mich in seinem Fall keinesfalls hindert, seinen vorletzten Roman Verfall, der leider einzig auf Deutsch zu haben ist, für gelungen zu halten. Den Inhalt besprachen bereits die unterschiedlichsten Rezensenten auf unterschiedlichste Art; eines aber wird bislang unterschlagen: Dass dieser Roman weit mehr ist, als ein bulgarisches Panoptikum des Sterbens und Lebens. Als ein Bericht von einer fernen Front. Die Scheinheiligkeit und Präpotenz gewisser Kritiker erschreckt mich. Bulgare zu sein sollte weder hindern noch nützen, weder in der Literatur, noch im Leben. Europa ist größer, Gott sei Dank, als die Vorstellungskraft mancher Leute, die es bevölkern, die (noch) nicht begreifen, dass die guten Ideen und die gelungenen Romane von oberhalb der nationalen Grenzen kommen. Ich freue mich sehr, dass Zarevs Lebens-Werk , das ein sehr umfangreiches und tiefgründiges ist, zurzeit ins Deutsche übertragen wird. Denn Vladimir Zarev gehört zu den Autoren, dessen Gesamtwerk europäische wenn nicht Weltgeltung hat.
"Wir haben Redefreiheit und freie Medien. Das ist eine große Errungenschaft. Aber Freiheit ist ein persönliches Gefühl. Demokratie hingegen ist eine Form der Macht, und sie ist nur dann von Vorteil, wenn vor dem Gesetz alle gleich sind. Wenn die Regeln nicht eingehalten werden, geht Demokratie leicht in Anarchie über. Bei uns haben heute jene die Macht, die Gesetze und Regeln ignorieren." Das sagte Vladimir Zarev in einem Interview (Dez 2007), und das kommt mir gar nicht bulgarisch vor.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bulgarien - geschüttelt und gerührt!, 23. Juni 2008
Eins vorweg: man sollte diesen Roman lesen, wenn man Bulgarien liebt bzw. sich für dieses Land interessiert. Bei mir ist das der Fall, da ich familiär stark an dieses Land gebunden bin. Ansonsten könnte dem Leser schnell langweilig werden, da er schon einige Ortskenntnisse und das Verständnis für die bulgarische Mentalität voraussetzt.
Ich habe das Buch in 3 Tagen "verschlungen". Toll beschrieben wurden die Irrungen und Wirrungen der wilden 90er. Ich konnte mich schnell mit beiden Erzählsträngen anfreunden, sozusagen jeweils eine Handlung aus armer und eine aus (neu)reicher Sichtweise bis zum bitteren Ende für beide Protagonisten.
Es gibt soviele kleine nette, witzige Details in diesem Buch zu entdecken, aber oft wirklich nur für den "Kenner".
Ich habe mich köstlich amüsiert, habe gelacht, mitgelitten und manchmal vor Staunen über die wahnwitzigen Alltagsbegebenheiten "den Mund nicht mehr zu bekommen".
Fazit für alle, die mal über den deutschen "Tellerrand" hinausschauen wollen in den wilden Osten der 90erJahre: LESEN!!!
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Dialektik auf bulgarisch., 22. Januar 2008
Die Geschichte zweier grundverschiedener Karrieren im Bulgarien der 90-er Jahre, also zum Zeitpunkt des Überganges vom rigiden Kasernenkommunismus in den vibrierenden Kasinokapitalismus, wird in diesem Buch äusserst unterhaltsam, weitgehend konsistent und in einer prägnanten und engagierten Sprache (ein Lob an den Übersetzer) erzählt. Martin Sestrimski, der vormals gefeierte Literat verkommt zum verarmten, perspektivenlosen Säufer, während sich Bojan Tilev, ein unbedeutender Beamter des Innenministeriums, in einen rast- und skrupellosen Grosskapitalisten verwandelt. Begleitet werden die beiden Protagonisten vom ständig an ihnen nagenden Selbstzweifel. Zarev versteht es, das äusserlich spartanische, aber im Inneren äusserst bunte Leben zu Zeiten des Sozialismus dem äusserlich bunten, aber im Inneren verkümmerten, bisweilen niederträchtigen Treiben des real existierenden Raubtierkapitalismus' gegenüber zu stellen. Wer diese erfrischende Dialektik erkennt und Verständnis für die daraus entstehenden Handlungsstränge aufbringt, wird das Buch mögen, obwohl das Ende der Geschichte doch etwas konstruiert und gar tranzendental erscheint. Deswegen bekommt dieser Roman von mir auch nicht die vollen fünf Sterne. Aber lesenswert ist Zarevs bulgarisches Gesellschaftsportrait der wilden 90-er Jahre allemal.
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