Aus der Amazon.de-Redaktion
Bei Frage 27, dass die Deutschen den Ägyptern die Nofretete gestohlen haben, macht sich gelinder Unmut breit. Doch sollte es bis Frage 38 dauern, der nach dem verpassten Heiratsantrag an Julie Christie, als der edle "Dr. Schiwago" regelrecht ausflippt und schäumt vor Zorn. Hoppla, war da etwa was? Die Pressedame bebt! Gespräch gescheitert? Aber nein, die 100 Fragen gehen gnadenlos über die Bühne. Solch ein Interview ist Omar Sharif noch nicht untergekommen. Mission erfüllt. Moritz von Uslar hat uns einen weiteren Promi präsentiert. Diesmal aber mit garantiertem Echtheitszertifikat!
Wie hebelt man die langweilige Interviewroutine aus? Eine Frage, die sich von Uslar, seit 1992 Redakteur beim SZ-Magazin, verzweifelt stellte. Seine schlicht-geniale Lösung: Ein verbaler Boxkampf musste her. Finten, Finessen, Fangfragen, alles war erlaubt, die Phalanx der Selbstdarsteller aufzumischen. In 15 Minuten und exakt 100 Fragen wird Sachdienliches mit Indiskretem bunt gemischt, wild assoziiert, irrelevante Fragen schaffen Unruhe beim Star. Irritation ist Trumpf. Diese neue "Gesprächsform", im SZ-Magazin längst Kult, präsentiert Politiker und Stars in völlig neuem Gewand. Besser noch, ohne Kleider!
Natürlich gibt es Wortmeister, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Karl Lagerfeld geriert sich als altbekannte Quasselstrippe, während bei Harald Schmidt von Uslar immerhin den Kardinalfehler vermeidet, witziger sein zu wollen als sein Gegenüber. Hans Eichel und Angela Merkel sind in ihrer kaum zu knackenden Panzerung wahrhaft keine Traumpartner. Eichel kontert auf beamtenhaft hölzernem Scherzniveau, bei Merkel registriert der Fragesteller sichtlich beunruhigt, dass ihre weitgehend humorfreien Antworten nicht gerade eine spritzige Kanzlerkandidatin erwarten lassen.
Rockstars vom Schlage eines Jagger, Tommy Lee und Motörheads Lemmy (mit einer verstörenden Affinität zu NS-Memorabilia), genügen ihren Klischees. Haarig für den Interviewer wirds dafür mit Martin Walser und Michel Friedman, der bei antisemitischen Verdachtstönen alle gelackte Eloquenz verliert und echt gallig reagiert. Dafür ist Götz George netter denn befürchtet. In der leichteren Abteilung gelingt es MvU sogar, Heidi Klum zwölf rekordverdächtige Busenfragen unterzujubeln.
25 Interviews, entlarvend, peinlich, witzig -- und hochspannend. Zwar besitzt das verbale Schlachtfest kaum Informationswert, enthüllt dafür aber ungeahnte Promi-Innenansichten, die den Opfern in den allerwenigsten Fällen willkommen sein dürften. --Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Aus der Not heraus kreierte der Journalist und Autor Moritz von Uslar vor fünf Jahren eine Interviewform, die heute zum originellsten und erhellendsten gehört, was es im deutschen Blätterwald über Prominente zu lesen gibt. Im Sinne der Ansage 'So schnell wie möglich, denn wir haben ja nicht ewig Zeit' stellt er Berühmtheiten wie George Clooney, Elton John oder Hillary Clinton exakt 100 Fragen. Subversive und unverschämte Fragen, wie die an Woody Allen: 'Kennen Sie etwas Originelleres, als "Uh, Baby!" zu stöhnen beim Orgasmus?' Eigentlich als Gegenwehr auf die absurden Bedingungen gedacht, unter denen Hollywoodstars interviewt werden, erschuf Uslar eine Kunstform, in der sich die Gesprächspartner von einer gänzlich unbekannten Seite zeigen. Und das nicht nur im druckvollen Frage-und-Antwort-Spiel, sondern gerade auch durch ihre Körpersprache, durch Blicke und Gesten, die Uslar in wunderbar genauen, respektlosen Zwischenkommentaren beschreibt.
Uslars '100 Fragen', einer großen Fangemein de bekannt durch ihre Veröffentlichung im 'SZ-Magazin', sind Extremtexte - messerscharf und gefährlich dicht dran.
Interviewpartner:
Mick Jagger - Peter Stein - Woody Allen - Til Schweiger - Udo Lindenberg - Michel Friedman - Harald Schmidt - Angela Merkel - Götz George - Dieter Bohlen - Elton John - Karl Lagerfeld - Luciano Pavarotti - Willie Nelson - Ulrich Wickert - George Clooney - Heidi Klum - Hillary Rodham Clinton - Martin Walser u. a.