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Der Turm zu Babel könnte ganz unterschiedlich beginnen, und eigentlich das tut er das auch. Gleich mehrere Anfänge hat die 68-Jährige Londoner Schriftstellerin Antonia S. Byatt ihrem neuen, ebenso opulenten wie grandiosen Opus Magnum gegeben. Immerhin spielt das Buch zu einer Zeit, zu der alles möglich war: Im England der sechziger Jahre nämlich, am Vorabend der sexuellen Revolution, als sich das puritanische Großbritannien mit dem
Lady Chatterly-Prozess und der Profumo-Affäre des Jahres 1964 noch einmal von seiner prüden und juristisch fragwürdigsten Seite zeigte. In dieser Zeit versucht die ehrgeizige Literaturwissenschaftlerin Frederica Potter, sich aus ihrer Ehe mit einem vermögenden Unternehmer freizustrampeln. Nach London geflohen und dort als Lektorin arbeitend, stößt sie auf das Manuskript
Babbletower eines Dichters und Aktmodells, das wegen seiner freizügig-erotischen Darstellung einen Skandal provoziert. So ist Potter gleich in zwei Gerichtsverfahren verwickelt, die nicht zuletzt die Grenzen und Unmöglichkeiten der Justiz illustrieren: ihren Scheidungsprozess und den gegen den Verleger, den sie zur Veröffentlichung von
Babbletower ermuntert hat...
Antonia S. Byatts Der Turm zu Babel ist selbst so etwas wie ein babylonischer Turm: ein vielstimmiges Epos über Freiheit und Beschränkung, Erotik, Sex und Liebe, der Kampf der Geschlechter, menschliche Größe und Verfehlung. Aber anders als das gigantische Menschheitswerk, das ihrem Roman den Titel gab, ist ihr Buch rundherum gelungen. Denn anders als die Babylonier, die sich der Überheblichkeit schuldig machten, hat Byatt das getan, was sie am besten kann: grandios erzählen. --Stefan Kellerer
Kurzbeschreibung
Es ist das Jahr 1964, als die moralischen Gewißheiten einer ganzen Nation durch einen "Lady Chatterley"-Prozeß und einen Profumo-Skandal erschüttert wurden. Die ehrgeizige Literaturwissenschaftlerin Frederica Potter hat einen wohlhabenden Unternehmer geheiratet, auf dessen Landsitz sie argwöhnisch beaufsichtigt lebt. Nach einer tätlichen Auseinandersetzung entschließt sich Frederica, ihren Mann zu verlassen und nach London zu gehen, wo sie sich mit Abendkursen und Lektoratsgutachten durchschlägt. Eines Tages liest Frederica das Manuskript eines gewissen Jude Mason, der als Dichter und Aktmodell bereits von sich reden gemacht hat. Babbletower heißt sein literarisches Opus, zu dessen Publikation Frederica dem Verleger trotz einiger Bedenken rät. Masons Roman erzählt von einer Gruppe Überlebender der Französischen Revolution und von der Gründung einer Gemeinschaft, die jedoch bald durch sexuelle Exzesse, Gewalt und Folter zugrunde geht.
Der Verlag wird wegen der Veröffentlichung des "obs zönen" Machwerks verklagt. Im Zentrum des Romans stehen nun die zwei parallel geschilderten Gerichtsverfahren: der Scheidungsprozeß Fredericas mit allen unerquicklichen Einzelheiten und das Verfahren gegen Verfasser und Verleger von Babbletower.