Neue Zürcher Zeitung
Baselitz im Gespräch
zlg. Eric Darragon, Professor für Geschichte der modernen Kunst in Paris, führte mit Georg Baselitz, einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart, eine Reihe von Gesprächen, die einen facettenreichen Einblick in das zeitgenössische Kunstschaffen vermitteln. Zugleich sind sie ein Stück Geschichte moderner Kunst. Da wird eine Fülle von Themen angesprochen: Ausstellungsfragen, das Entstehen von Bildern, Lebensgeschichte und Zeitgeschichte, Kunst in Deutschland, Frankreich und den USA, Baselitz' Verhältnis zu Kollegen, Schriftstellern und Literatur, Kunst und Politik, malerische Techniken, kunsthistorische Bezüge, die Rolle der Mythologie in der zeitgenössischen Kunst. Als zentraler Satz steht über der Publikation: «Meine Vergangenheit sehe ich wie ein Fremder. Was ich jeweils gemacht habe, kann ich wie ein Fremder benützen. Ich kann es auch so sagen, dass ich mich immer auffresse und wieder ausspucke.»
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 30.06.2001
Obgleich der Künstler die Möglichkeit eines intellektuellen Austauschs über sein Werk verneint, geben die hier aufgezeichneten Gespräche mit dem Pariser Kunst-Professor Darragon Zeugnis vom Versuch, den Dialog herzustellen. So schreibt der Rezensent und verrät schon mal Respekt, dem bloßen Versuch gegenüber. Dass die "leitmotivisch" die Gespräche durchziehende Frage nach der kulturellen Identität des Georg Baselitz schließlich doch auf etwas Greifbares stößt (zum Beispiel "offenbart sich der Anteil der Literatur an den gedanklichen Voraussetzungen der Werke"), scheint Sylvia Schütz zu freuen. Genüsslich breitet sie aus, was Darragon seinem "spröden und kantigen" Gegenüber, das immer bemüht ist, "die Spannung eines vieldeutigen Wechselspiels von Verstehen und Missverstehen aufrecht zu erhalten", entlockt. Das kann nur eine Empfehlung sein.
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