Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein orgiastisches Vergnügen - Mit Silbersternchen, 18. Januar 2010
Der deutsche Vittorio Kowalski fährt jedes Jahr mit seinen Eltern in ein österreichisches Bergdorf, wo er mit der Einheimischen Anni Freundschaft schließt. Nach einem nicht näher genannten Ereignis enden die Besuche in Farnach, und das junge Paar verliert sich aus den Augen. Daraufhin entwickelt Vittorio ein eigenartiges Interesse an den kleinen Urlaubsort, und kann die Wetterbedingungen jeden Tages aus den letzten 15 Jahren auswendig nennen. Vittorio beschließt das zu machen, was jeder mit derartigem Spezialwissen anstrebt: Er geht zu Wetten, daß ...? und wird prompt in Thomas Gottschalks Sendung eingeladen. Alles scheint gut, bis die Frage nach dem Wetter eines ganz bestimmten Datums eine Kette von Ereignissen auslöst, mit denen keiner gerechnet hat...
Unglaublich, Wolf Haas hat nach seinen Kultkrimis rund um den eigenwilligen Privatdetektiv Simon Brenner tatsächlich einen Liebes- bzw. Heimatroman geschrieben. Doch es wäre nicht Wolf Haas, wenn er nicht auch diesem leidlichen Genre seinen ganz persönlichen Stempel raufdrücken würde. Und was für ein Stempel das ist. Der Leser bekommt nämlich nicht die Geschichte von Vittorio und Anni auf herkömmliche Art und Weise serviert, sondern als Dialog zwischen einer deutschen Literaturbeilage und dem fiktiven Autor der Geschichte, Wolf Haas als Romanfigur. Und diese Buchbesprechung ist einmalig.
Die Literaturbeilage und Wolf Haas kennen das Buch natürlich genau, und auch wenn es für uns nicht real ist, so nimmt es während des Gesprächs Form an und wird genauso greifbar, wie es für die fiktiven Gesprächspartner ist. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, wenn vom simplen, ersten Satz über Gestaltung des Umschlags und nicht näher genannten Silbersternchen bis hin zum offenen Ende ein Roman erzeugt wird, der nicht existiert. Neben dieser einzigartigen Erzählweise schenkt uns Haas auch noch eine Menge an Themen, die Raum zur Interpretation bieten. Allein der Gegensatz zwischen deutschen Touristen und österreichischen Einheimischen, der hervorragend umgekehrt wird, als Wolf Haas selbst als Romanfigur während einer Recherchereise in den Ruhrpott fährt, zeugt von dem Ideenreichtum des Autors.
Einzig und allein gegen Ende kommt mir vor, als ob zu viele Romanpassagen zitiert werden. Ob das nun gewollt ist und den Effekt der Romanentstehung verdeutlichen soll, oder ob dem Autor die Ideen ausgegangen sind, darüber will ich nicht urteilen. Klar ist auf alle Fälle, dass sich mein Eindruck vom Buch deswegen nicht schmälert. Das Wetter vor 15 Jahren ist die kreativste und humorvollste Geschichte, die ich je gelesen habe und gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
37 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nix Brenner, aber dings: Ein tolles Buch., 16. Oktober 2006
Ein Schriftsteller namens Wolf Haas wird von "Literaturbeilage" interviewt, fünf Tage nacheinander, und es geht um das neue Buch: "Das Wetter vor 15 Jahren". Darin erzählt der andere, der Spiegel-Haas vom Bochumer Bauingenieur Kowalski, der als Fünfzehnjähriger im österreichischen Urlaubsort seiner großen Liebe begegnete, sie aber verlor, um sie fünfzehn Jahre später wiederzutreffen, im Nachgang eines Auftrittes bei "Wetten, daß", bei dem Kowalski die genauen Wetterdaten jedes Tages der vergangenen fünfzehn Jahre nennen konnte, und zwar für jenen Urlaubsort irgendwo in den Alpen.
Das Originelle ist, daß über jenes Buch nur gesprochen wird, denn wir lesen das Interview. Während "Literaturbeilage" hinter jedem Detail eine Andeutung, ein Mysterium vermutet, kämpft Haas augenzwinkernd gegen jene Bedeutungssucht und die Unbill des Interpretiertwerdens an, wobei sich quasi eine Rekursion auftut, denn letztlich bleibt die Frage unbeantwortet, wodurch etwas Bedeutung erlangt: Durch die Intention oder die Interpretation.
Wolf Haas ist dieses Experiment auf grandiose Weise gelungen; "Das Wetter vor 15 Jahren" ist ein unglaublich amüsantes, spannendes und selbstironisches Buch, das nicht nur nebenbei eine Lanze dafür bricht, etwas entspannter mit Literatur (und -beilagen) umzugehen, zudem eine ergreifende, absichtlich nicht wirklich glaubwürdige Liebesgeschichte (eigentlich: zwei) spinnt und niemals der Versuchung erliegt, den Autor (auch nicht den gespiegelten) zu erheben und die Kritik abzukanzeln. Spaßig, witzig, intelligent, großartig gemacht. Unbedingt lesen! Leider ist es (zu) schnell vorbei.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
31 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meilenstein, 3. September 2006
Da mir eine befreundete Journalistin ihr Vorexemplar borgte, und ich außerdem vorgestern einer der 1200 Besucher bei Haas' erster Lesung im Museumsquartier war, möchte ich mich weit aus dem Fenster lehnen, bevor das Buch und die dazugehörigen Kritiken am Markt sind: Dieser Roman ist ein Meilenstein! Der Autor wagt es, eine romantische Geschichte zu erzählen und schafft dies bravourös, indem er die Romanform frech neu definiert. Haas lässt die übliche Romanware so alt aussehen wie ein Motorradfahrer, der einen Autobahnstau überholt. Im Gegensatz zu all den Autoren, die in Interviews ihre Romane erklären, schreibt er kurzerhand das Interview statt des Romans. Mehr möchte ich gar nicht verraten. Zu gefährlich ist es, zu klingen wie die Dame von der "Literaturbeilage", die den "Wolf Haas" im Roman interviewt. Allein dafür - dass man diesen Jargon wohl nie wieder unbefangen verwenden kann, verdient Haas schon standing ovations. KÖSTLICHE UNTERHALTUNG!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|