Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Realistischer Politthriller, 11. Juli 2009
Harris hat seine versprochene Rom Trilogie unterbrochen, um mit "Ghost" seinen ersten Gegenwartsroman zu schreiben. Sein Titelheld erfreut sich, oder erträgt eine ähnliche Position wie Tiro, der Sklave Ciceros in "Imperium." Als unbedeutender Ghostwriter hat er immer bereit zu sein, die Diktate eines mächtigen Herrn zu aufzunehmen, nämlich die des britischen Ex-Premierminister Adam Lang, der seine Memoiren veröffentlichen will.
Niemand zuvor hat Großbritannien so lange regiert wie Adam Lang. Nun ist er aus dem Amt geschieden, und alle Welt erwartet sehnsüchtig die Memoiren des charismatischen Machtmenschen. Sensationelle zehn Millionen Dollar Vorschuss hat ihm sein amerikanischer Verleger geboten. Unter zwei Bedingungen: Das Buch muss binnen zwei Jahren auf dem Markt sein (allerdings ist bereits über ein Jahr vergangen), und der Ex-Premier soll in Sachen Krieg gegen den Terror kein Blatt vor den Mund nehmen. Ein halbes Jahr vor dem Termin passiert das Undenkbare: Am Ufer der US-amerikanischen Insel Martha's Vineyard, wohin sich Adam Lang zum Arbeiten an seinen Erinnerungen zurückgezogen hat, wird die Leiche des Ghostwriters Michael McAra angeschwemmt. War es Mord? Schnell wird ein Ersatzmann gefunden, der auf eigene Faust noch genauer als sein Vorgänger in der Vergangenheit des Machtpolitikers recherchiert. Und dabei stößt er auf hochbrisantes Belastungsmaterial, dessen Veröffentlichung zu einem weltpolitischen Chaos führen würde. Wie tief war der Premier in Kriegsverbrechen verwickelt? War er während seiner Amtszeit möglicherweise eine Marionette der CIA?
Before Harris seinen Erstlingsroman Vaterland veröffentlichte, war er jahrelang ein bekannter und vielbeschäftigter politischer Kommentator. Trotz gewisser Ähnlichkeiten mit gegenwärtigen Politikern, ist Ghost keine Satire oder verschleierte Attacke, sondern harter, zynischer Politthriller. Vor allem ist Harris endlich wieder ein Autor, dem es gelingt, eine gute und spannende Story zu erzählen - und das auf knapp 300 Seiten.
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28 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das moderne Imperium, 25. November 2007
"Die Macht beschert einem Menschen allerlei Annehmlichkeiten.", schrieb Robert Harris auf den ersten Seiten seines letzten Romans "Imperium", "zwei saubere Hände gehören allerdings nur selten dazu." Erzähler des ersten Bandes seiner Trilogie über das Leben und die Zeit von Marcus Tullius Cicero war Tiro, der Sklave Ciceros. "Bewaffnet" mit Griffel und Wachstafel, agierte er als Schatten seines Herrn, war ständig an seiner Seite, um jedes Wort des fruchtbarsten Autors und Redners des antiken Roms für die Nachwelt festzuhalten. Harris schuf mit Tiro einen großartigen Charakter: auf den ersten Blick bedeutungslos, auf den zweiten jedoch aufgrund der Kraft des geschriebenen Wortes mit beinahe ungeheurer Macht ausgestattet.
Aufgrund aktueller Anlässe - die Beteiligung Großbritanniens am "Krieg gegen den Terror" im Irak - unterbrach Harris seine römische Trilogie, um "Ghost", seinen ersten zeitgenössischen Roman, in nur fünf Monaten zu schreiben. Dessen Titelfigur und "Berichterstatter" steht in einem ähnlichen "Arbeitsverhältnis" wie Tiro: ein professioneller "Schreiberling", der in einer bedeutungsschwangeren Zeit das Diktat seines mächtigen Schutzherrn entgegen nimmt.
Anonym sogar zum Leser, hat er sich als Ghostwriter vertraglich verpflichtet, die Autobiografie von Adam Lang, dem ehemaligen Premierminister Großbritanniens zu schreiben und "etwas Herz" in den bleiernen ersten Entwurf seines Vorgängers zu bringen, der durch unerklärliche Umstände während einer Fährüberfahrt ertrank.
Er hat seinen Laptop kaum ausgepackt, als die Nachrichten verkünden, dass Lang durch den Internationalen Strafgerichtshof unter Anklage gegen Kriegsverbrechen gestellt werden soll.
Spannungen und Differenzen der ganzen Bandbreite schrillen in den Gängen der internationalen Macht. Brutale, gesichtslose Mächte - genannt CIA - sind hinter dem unschönen Manuskript her, welches auf den zweiten Blick einen versteckten Code enthält. Vielleicht war der Tod seines Autors gar kein Unfall.
In "Ghost" macht Harris schlauen Gebrauch von seiner Zeit als politischer Kommentator und enger Vertrauter Tony Blairs bei dessen Wahlkampf 1997, inclusive Reisen in Privatjets und gepanzerten Limousinen: ein unbemerkter Beobachter, tatsächlich gar nicht so verschieden von Tiro, dem Sklaven Ciceros - nur moderner: dieses Mal Neu Labour ohne Toga?
Zynisch, erhellend, sowohl nüchtern als auch leidenschaftlich ist "Ghost" ein politischer Thriller. Wie bei seinen vorangegangenen Romanen, setzt Harris den Leser in eine, von unserer eigenen Wahrnehmung divergente Welt. Das London von Lang ist fast täglichen Terroristenanschlägen ausgesetzt. Lang selbst ist ein erfolgloser Schauspieler aus Leicester, nicht ein erfolgloser Rock-Sänger aus Edinburgh, und er zeigt - im Gensatz zu Blair - auch keine besonders religiösen Überzeugungen.
Während der Roman seine fünfmonatige Entstehungzeit offensichtlich der Wut von Harris an Blair und seiner Regierung geschuldet ist, ist das wilde Herz des Plots - die große Enthüllung und die entscheidende Wende an seinem Ende - eine fantasievolle Impertinenz, eine Beschuldigung, die keiner machen oder wörtlich nehmen kann. "Ghost" ist letztendlich kein Roman über Blair; obwohl es eine Anklage an allem bleibt, was er tat und wofür er eintrat. Er ist auch, und vielleicht am entscheidensten, ein intelligenter, scharfsichtiger und enormer Spaß, erneut großartig übersetzt von Wolfgang Müller.
Fazit:
Historische Schauspiele sind die Stärke von Robert Harris. In "Ghost" zeichnet er wiederum ein Bild zeitgenössischer Politik und Moral, ebenso lebhaft wie seine Darstellung des antiken Roms in "Imperium" und Nazi-Deutschlands in "Heimatland".
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Packender Polit-Thriller, 5. Juni 2009
Vor einigen Jahren hatte ich mal eine ziemlich lange Lesepause. Kein Buch und kein Autor sprach mich so richtig an. Und diese Phase würde wahrscheinlich noch Heute anhalten, hätte ich nicht Pompeji von dem mir damals völlig unbekannten Schriftsteller R. Harris geschenkt bekommen. Da ich ohnehin ein wenig Interesse für die Zeit des Alten Roms habe und auch der phantasievollen Gestaltung des Themas gegenüber nicht abgeneigt bin, war dies das perfekte Buch für mich. Spannend, originell - einmaliges Kopfkino, das bis dato zu meinen Lieblingsbüchern zählt.
Nachdem ich später die anderen genialen Werke des Autors verschlungen habe, war meine Vorfreude auf diesen Roman umso größer. Ich war sehr gespannt, wie er seine bekannte & geschätzte Mischung aus Fakten und Fiktion in die heutige Zeit transportieren würde.
Und er hat es richtig gut gemacht! Vielleicht sogar etwas zu gut? Teilweise war ich echt erschrocken, wie nah er mit seinen Figuren und Beschreibungen an der aktuellen Politik Großbritaniens dran war. Natürlich nicht nur der Politik Großbritaniens. Ohne etwas vorweg zu nehmen, es gibt einen kleinen globalen Rundschlag.
Absolut gelungen fand ich ebenso die Leserperspektive. Wie schon in Imperium wird die Geschichte komplett aus Sicht einer Person, diesmal aus der eines Ghostwriters erzählt. Ich habe mich schon oft gefragt, was das eigentlich für Menschen sind, die Bücher für Prominente schreiben und wie das Ganze so abläuft. Wem es ähnlich ergeht- hier gibt es einen gut vorstellbaren Einblick.
Selbstverständlich fehlt es auch diesmal wieder nicht an Spannung, Dramaturgie und Rätselei. Davon gibt es mehr als genug.
Ansonsten kann ich noch die flüssige Schreibweise und die sehr authentische Beschreibung positiv erwähnen. So schnell kann man von dem Buch nicht ablassen.
Das Ende will ich jetzt natürlich nicht verraten. Nur soviel: Es ist ein echter Knaller!
Mein Fazit: Thriller+Roman+Politik. Dieser Harris macht(wieder einmal)grossen Spass.
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