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Im Zeichen des Drachen allerdings macht Spaß, davon dürfen Sie ausgehen -- und zwar über 1000 flotte Seiten lang. In der Eröffnungsszene jagt eine von Hand abgefeuerte RPG-Rakete den Chef des russischen Geheimdienstes in seinem gepanzerten Mercedes fast in die Luft. Ryans clevere Agenten berichten, dass der Kerl, der die Rakete an seiner statt abbekommen hat, ein Gangster namens "Rasputin" Avseyenko war, der früher einmal die KGB-"Spatzenschule" für Callgirl-Spioninnen leitete. Kurze Zeit später werden in St. Petersburg zwei offensichtliche Killer aneinander gefesselt in der Newa treibend gefunden, deren aufgeschwemmte Gesichter sie wie Pokemon-Figuren aussehen lassen.
Das Geheimnis wird immer verwickelter, der Einsatz immer höher: In Sibirien werden riesige Öl- und Goldvorkommen entdeckt, und der üble chinesische Staatsminister Zhang Han San blickt begehrlich nach Norden. Die entlassene Elite der Sowjetarmee mischt sich in die Konflikte ein, die sich da zusammenbrauen, so auch die neue Generation von Tiananmen-Dissidenten; Zhangs hinterlistige, Danielle-Steel-süchtige Chefsekretärin Liang Ming und Chester Nomuri, ein hipper, internetpornosüchtiger CIA-Agent, der sich in China als japanischer Computervertreter ausgibt. Letzterer e-mailt seiner CIA-Chefin, Mary Pat "Cowgirl" Foley, dass er beabsichtigt, Ming mit Hilfe von Dream-Angels-Parfum und knallroter Victoria's-Secret-Damenwäsche zu verführen, die er -- natürlich ausschließlich im Interesse Amerikas -- per Katalog bestellt hat.
Die Handlung schießt gewaltig über das Ziel hinaus, während überall auf dem Globus verheerende Nebenhandlungen ausbrechen und grelle Gestalten sich alle paar Seiten gegenseitig Angst einflößen. Aber Clancy findet dennoch die Zeit, kleine kaltschnäuzige Lektionen über die Scheußlichkeit des Kommunismus, die zutiefst ärgerliche Einmischung der Presse in die Macht des Präsidenten, die sexuellen Perversionen Mao Tse-tungs, die schlechte Qualität russischer Pistolenschalldämpfer ("der reinste Müll -- mit Stahlwolle gefüllte Blechbüchsen, die sich nach weniger als zehn Schüssen selbst zerstören"), die Torheit, jemandem mit einem Messer die Kehle durchzuschneiden ("sie zappeln dabei nur herum und machen eine Menge Lärm") und ähnliche Themen einfließen zu lassen. Und natürlich strotzt das Buch nur so vor faszinierend kompliziertem Kriegsgerät.
Wer braucht schon Actionfilme, solange es Romane von Tom Clancy gibt? --Tim Appelo
Grund: Clancy erzählt fast ausschließlich in Dialogform. Ein riesiges Personal agiert in ständigem Szenenwechsel: Namen, Namen, Namen. Die Regierungen in Peking, Moskau und Washington -- mit natürlich jeweils chinesischen, russischen und amerikanischen Namen. Dazu kommt noch je eine Geheimdienststory in Peking und Moskau und gegen Ende werden wir Zeuge von Militäraktionen im Fernen Osten: Noch mehr chinesische, russische, amerikanische Personen. Und jede trägt einen schönen, klangvollen fremdländischen Namen.
Ein Leser kann zurückblättern, ein Hörer, der das nicht kann, muss einfach den Überblick verlieren. Wenn einem endlich wieder klar ist, wer da jetzt gerade spricht, folgt bereits der nächste Szenenwechsel. Hörgenuss entsteht auf diese Weise nicht.
Eine sorgfältigere Regie hätte das -- wenigstens teilweise -- auffangen können. Geringeres Sprechtempo und genauere Markierung der Szenenwechsel hätten die Struktur der Geschichte durchschaubarer gemacht. Weniger Tempo hätte es Peter Hallwachs auch erlaubt, das Personal stärker zu individualisieren und auch manche sinnwidrige Phrasierung wäre sicher vermieden worden. So jedenfalls wirkt das Ganze etwas lieblos heruntergelesen.
Schade um das Buch. Im Zeichen des Drachen beruht auf einem Gedanken, der wohl jedem schon einmal gekommen ist: Was wäre, wenn das übervölkerte China in die nahezu leeren Räume des fernöstlichen Russland vorstieße? Aber, wie gesagt, besser Sie lesen es. --Michael Winteroll -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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