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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Enigma: eine Geschichte in der Geschichte, 22. August 2002
Auf dem Hintergrund historischer Ereignisse - der Entschlüsselung des deutschen Geheimcodes im II. Weltkrieg -schafft es der Autor, eine eigene Geschichte mit gleicher Spannung aufzubauen.Sie handelt von dem begabten, aber etwas weltfremden Mathematiker Jericho, dessen Freundin ihn verlassen hat, der deshalb nicht mehr arbeitsfähig ist und sich mitten im Weltkrieg nach Cambridge zurückzieht. Doch dann wechseln die Deutschen ihr Codebook und die Engländer können die Pläne der deutschen Uboote nicht mehr entschlüsseln. Drei Geleitzüge dampfen im Nordatlantik direkt auf 47 deutsche Uboote zu und Jordan wird zurückgerufen, um den Code knacken zu helfen. Zunaechst beginnt das Buch ruhig und ich hatte den Eindruck, na gut, das ist einer der 08/15 Thriller. Der junge Mathematiker, ein weltfremder Wissenschaftler, verliebt in die Zahlen, wird von einem Maedchen aufgerissen, das wie er in der englischen Abwehr zur Dekodierung des deutschen Funkverkehrs arbeitet. Die deutsche Marine aendert ihren Nachrichtencode ploetzlich, sie hat Verdacht geschoepft. Und ich als Leser schoepfe Verdacht, dass der Autor hier einen Standardplot vorbereitet. Das Maedchen als Spion, der Mathematiker als Opfer und ganz zum Schluss? Ja ganz zum Schluss gäbe es nicht viele Moeglichkeiten: 1. Das Maedchen wird enttarnt, der Mathematiker opfert sie fuer sein Land und findet als Belohnung eine andere, viel patriotischere, die er bisher uebersehen hat. 2. Das Maedchen wurde erpresst, sie gesteht ihm ihre Liebe und der heimtueckische SS-Erpresser im Hintergrund wird enttarnt. 3. Das Maedchen ist nicht der Spion, der hat boshafterweise alle Spuren so gelegt, dass sie in Verdacht kommt. Zum Schluss sinken sich beide weinend in die Arme. Der Roman scheint auch auf eine dieser drei Loesungen hinzusteuern. Aber der Autor ist kein 08/15 Thrillerautor. Er benutzt die Klischees bewusst, um den Leser in die Irre zu fuehren und hat eine weit komplexere (und realistischere) Loesung im Sinn. Doch die will ich hier nicht verraten, das müssen sie schon selbst lesen. Was einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, die aktuellen Klischees eines Genres zu kennen, mit ihnen zu spielen, mit ihnen den Leser zu narren, aber ihnen nicht zu verfallen. Obendrein versteht Harris, die tatsaechliche Geschichte der Verschluesselungen und Entschluesselungen feindlicher Geheimnachrichten spannend und kenntnisreich zu erzählen. Er praesentiert nicht die Mathematik, die dahintersteckt, wohl aber die Ideen, so dass der Leser sich vorstellen kann, warum ein Code, der als nicht entschluesselbar gilt, doch entschluesselt werden kann. Und schafft es, das auch Nicht-Mathematikern zu vermitteln. Alles in allem: Ein gutes, unterhaltendes Buch, das einem obendrein auch noch eine ganze Menge über die Geschichte der Geheimcodes verrät. Hans Peter Roentgen
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