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2666 (Gebundene Ausgabe)

von Roberto Bolano (Autor), Christian Hansen (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 1096 Seiten
  • Verlag: Hanser; Auflage: 5 (7. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446233962
  • ISBN-13: 978-3446233966
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 4,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 549 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Er gilt als der bedeutendste Schrifsteller spanischer Sprache." (Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung, 13.02.09)

"Für "2666" muss man eine neue Bezeichnung in die Literaturgeschichte einführen: bolanoesk." (Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.09)


Kurzbeschreibung

Literatur von einem anderen Planeten: Roberto Bolanos posthum erschienener Jahrhundertroman "2666" über die unaufgeklärte Mordserie an Frauen in Mexiko ist eine atemberaubende Reise ins finstere Herz der modernen Welt. Wir begeben uns auf die Suche nach dem Schriftsteller und ehemaligen Nazi Benno von Archimboldi der in Santa Teresa, einer Wüstenstadt an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, verschwunden ist. Ebendort wurden Hunderte von Frauen Opfer von Vergewaltigung und Mord. Wer sind die Mörder, und was hat Archimboldi mit ihnen zu tun? Das literarische Vermächtnis des aus Chile stammenden und 2003 in Barcelona verstorbenen Bolano ist Gangster- und Bildungsroman, Science-Fiction und Reportage.

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34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schön erzählte Geschichten, 26. September 2009
Zwei Wochen habe ich mich nun durchgekämpft durch den voluminösen Nachlass von Roberto Bolano. Oh, es war ein durchaus vergnüglicher Kampf, "2666" ist ein sehr unterhaltsamer Roman, oder vielmehr ein Sammelsurium von interessanten und spannenden Geschichten, die vielfältig und einfallsreich miteinander verwoben sind.

Das zentrale Motiv des Buchs ist die (leider sehr reale) Mordserie an Frauen im nordmexikanischen Ciudad Juárez (im Roman Santa Teresa genannt). Diese bilden quasi den modernen Gegenpol zum Grauen des Zweiten Weltkriegs, und zwischen diesen beiden Polen spielt der Roman. Zentrale Figur dabei ist der obskure deutsche Gegenwartsautor Benno von Archimboldi.
Der erste Teil handelt von vier europäischen Germanisten (eine Dame und drei Herren), die sich auf das Werk dieses Autors spezialisiert haben, im übrigen auch eine recht undefinierte Ménage à Quatre betreiben. Ihre Jagd nach dem geheimnisvollen Autor endet in Santa Teresa.
Der zweite, recht kurze Teil, schildert das Leben eines fünften Professors, eines Chilenen, der lange in Spanien gelebt hat und schließlich als Professor in Santa Teresa endet.
Fate, Protagonist des viertel Teils, hingegen ist Journalist einer Zeitung für Afroamerikaner, der für den verstorbenen Sportredakteur einspringen soll und von einem Boxkampf aus Santa Teresa berichten soll. Er stößt dabei auf die geheimnisvolle Mordwelle an Frauen in der nordmexikanischen Stadt.
Der vierte Teil kommt ohne einen durchgängigen Protagonisten aus, Bolano schildert hier in erdrückenden 300 Seiten die Mordserie in Santa Teresa, verbunden allerdings mit zahlreichen Geschichten und Portraits rund um die Stadt und ihre Bewohner.
Im letzten Teil schließlich wird das Geheimnis um die Person Benno von Archimboldis aufgelöst, wir erfahren, in welchem Verhältnis er zu den Morden in Santa Teresa steht (mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um nicht zuviel Handlung vorwegzunehmen).

Bolanos Werk ersclägt den Leser erstmal mit seiner Fülle und seinem schon rein physischen Umfang. Es ist sicher kein Buch für eine Nacht (und im übrigen im Alltag für den U-Bahn-Leser auch etwas unhandlich, da groß und schwer).
Das Buch hat mich vor allem mit seiner klaren und unprätentiösen Sprache überrascht, gepaart mit einer unbändigen Fabulierlust. Bolano will Geschichten erzählen, und er tut dies in einer flüssigen, stilsicheren Sprache. Er versucht nicht, Sprachkunst zu erzeugen, er verliert sich auch nicht in seitenlangen Beschreibungen eines Kaffeeflecks. Tempo des Buchs und seine Handlung sind gut ausgewogen, der Stil ist ruhig und freundlich. Einfach erzählte Geschichten, ironisch, unterhaltsam, auch traurig und bitter, aber vor allem Geschichten und keine Manifeste.
Dabei verwirrt die Beschreibung des Verlags etwas. Ich weiß nicht, was sich die Damen und Herren bei Hanser bei der Abfassung des Klappentextes gedacht haben. Von diesem ausgehend könnte man glauben, es ginge um den Nazi-Stützpunkt auf dem Mond und die dunklen Geheimnisse der Area 51.
Nein, der Verlagstext rückt den Roman denkbar in ein falsches Licht und ist auch nicht fehlerfrei. So ist Benno von Archimboldi eben kein Nazi, und der Roman ist manches, aber definitiv keine Science Fiction (das einzige derartige Motiv ist eine Lebensbeschreibung eines russischen Science Fiction-Autors, der den stalinistischen Säuberungen zum Opfer fällt).
Ein kleines bißchen Stirnrunzeln hatte ich auch bei der Übersetzung des Romans. Ich spreche leider kein Spanisch, kenne nur die vorliegende deutsche Übersetzung, kann also an einzelnen Stellen auch nicht beurteilen, ob eine "komische" Formulierung nicht doch sehr bewußt gewollt ist. Aber an ein paar Stellen habe ich schon gestutzt, z.B. als vom "baltischen Meer" die Rede war, das man doch gemeinhin hierzulande als Ostsee referenziert. Da kriegt das Lektorat bei mir ganz leichte Abzüge in der B-Note.
Aber das sind Randnotizen, und diese sollen den Eindruck des Buchs nicht schmälern.

"2666" ist ein Buch für Leute mit langem Atem, die sich an vielen großen und kleinen Geschichten freuen, die sich auf einen manchmal aberwitzigen und skurrilen Humor einlassen und dennoch auch mit dem tragischen Rahmengeschehen umgehen können.
Ob's der große Jahrhundertroman ist, das mögen andere entscheiden, das ist mir ziemlich egal. Zumindest ist es ein sehr, sehr vergnügliches Buch.
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39 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ist Literatur im Internetzeitalter möglich? Weltliteratur ist möglich!, 11. September 2009
Zuerst einmal zum Preis von ¤ 29,00 ohne Inhalt: Ein Buch, wunderschöner Dünndruck, gefärbter Schnitt, über 1.000 dichtbetextete Seiten ... eine Buchschrank-Schönheit. Schon vom Gegenwert her ist dies Buch eine Ausnahmeerscheinung.

Man sollte sich nicht vom Thema schrecken lassen (Serienmorde in Mexiko). Bolano erzählt humorvoll, meist ausgelassen, hundert Fäden spinnend. Es gibt herbe, ja brutale Stellen, aber nichts ist auflagesteigernd reißerisch, alles wird gehalten vom Erzählfluss und einem Erzähler, dem eine Vision die Worte schreibt. Joseph Conrad und 'Das Herz der Finsternis' fällt mir hier am ehesten ein.

5 Teile hat das Buch, jeder ist völlig anders als der andere in Stil und Blickwinkel. Letztendlich schwebt die Bedeutung in den leeren Zwischenräumen. Die 5 Teile stehen nebeneinander, irgendwie fremd, obwohl das Thema nie losgelassen wird. Es gibt wenig Bücher, die man irgendwo aufschlagen kann, um gefesselt zu werden.

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20 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Am archimedischen Punkt des Erzählens, 10. September 2009
"Ists denn so großes Geheimnis, was Gott und der Mensch und die Welt sei? Nein! Doch niemand hörts gerne; da bleibt es geheim." Goethe

Die Geschichte desjenigen, der eine Geschichte erzählt, in welchem Verhältnis steht sie zu diesem Erzähler? Ziellos irren wir an so manchen Stellen dieses Romans durch die Straßen einer verstaubten mexikanischen Grenzstadt, auf der Suche nach einem vertraulichen Detail, durch welches sich der wesentliche Bezug, der Zusammenhang aller Handlungsfäden des Schicksals, offenbaren würde.
Geschichten werden bei Bolaño geboren aus einem Gefühl der Helden gegenüber der Wirklichkeit. Eine Geschichte ist bei ihm wie ein Geschmack, ein Ton, den die Wirklichkeit an einer bestimmten Stelle absondert. Geschichten können in "2666" überall ihren Ausgang nehmen. Alles kann zum Anlass einer ganzen unübersichtlichen Menge an Beobachtungen werden, die untereinander sich auch noch so aufeinander beziehen, dass wir beinahe dem Eindruck einer geschlossenen Handlung erliegen.

In einem Film, den ich in meiner Jugend einmal gesehen habe, wurde geschildert, wie ein alter Herr im Laufe eines Tages durch verschiedene, anscheinend unbedeutende Ereignisse, dazu gezwungen wird, sein ganzes bisheriges Leben neu zu überdenken. Jede noch so beliebige Beobachtung, die er macht, scheint ihm bedeutungsvoll. Und all diese Beobachtungen zusammen verdeutlichen ihm, dass er bislang nie das Leben wirklich beobachtet hat und das ihm deswegen der wahre Sinn des Lebens, seine wahre tiefe Bedeutung, entgangen ist.

Das magnetische Pendel tastet für uns symbolisch den geistigen Hintergrund ab, das Immaterielle. Wir sind um so kreativer, je näher wir es schaffen uns am Schwebepunkt aufzuhalten, an der Stelle der Instabilität, an der noch alle Möglichkeiten offen sind. An dieser Stelle ist für uns die Welt ein Ganzes, jeder weiß von jedem. Bolaño führt uns mit diesem Roman einige Schritte näher hin zu einer Literatur, die die Welt in diesem Sinne als Ganzes zu sehen gelernt hat.

Der italienische Literaturwissenschaftler Franco Moretti bereitet ja mit seinen Studien seit Jahren einen ersten wirklich globalen Blick auf den Roman vor, indem er unter anderem die Rolle analysiert, die die Literatur durch die Zeiten bei der Ausformung der Gesellschaften spielte. In "2666" gibt es einen Literaturwissenschaftler mit Namen Morini, der ungefähr zur selben Zeit wie Moretti geboren wurde (1956), und der - im ersten Teil des Romans - nachdem es unter anderem zur Brutalität eines Franzosen und eines Spaniers gegenüber einen pakistanischen Taxifahrers in London kam, auch auf eine Engländerin trifft, die die Geschichte von dem Wahn nachgeht, in dem sich ihr Landsmann, der Künstler Edwin Johns, verliert, der seine gesellschaftliche Anerkennung mit einem Bild gewinnt, nachdem er es mit seiner abgehackten und mumifizierten Hand beklebt hat.

Der literarische Zielpunkt von "2666" liegt, wie so deutlich geworden seien sollte, in seiner Multiperspektive, als wären Menschen über feine Schwingungen unsichtbarer Seiten verbunden wie die Instrumente eines Streichquartetts, oder über tiefe Mythen, wie die Bremer Stadtmusikanten.
Nach der neuen Physik ist ja alles eine Einheit. Es gibt nur den Zusammenhang in dem wir sind. Es gibt keine Objekte, sondern nur Verbindungen und in jedem Moment wird alles neu geschaffen. Durch die Kraft der Fiktion, so wie sie Bolano hier vorführt, nehmen wir direkt teil an der Freiheit unbegrenzte Möglichkeiten auszuloten. Führte Duchamp die tiefe Bedeutung der Elemente Zeit und Aufschub in die Kunst ein, so folgt ihm Bolaño nicht nur in diesem Punkte, wenn er Menschen in einem offen bleibendem Spiel von gegenseitigen Erschaffen und Interpretieren zeigt. Kunst als freie Aktivität eines unbeugsamen Geistes, die den archimedischen Punkt des Erzählen von Geschichten bloßlegt: Denn die Stärke des wahren Autors liegt sie nicht darin, uns so weit zu bringen, dass wir die Realität unserer Welt bezweifeln, indem er Türen zur Intuition aufstößt und die Rationalität als den einzigen wirklichen Tod entlarvt?
Man muss bei einem Autor wie Bolaño auf alles gefasst sein, denn er betreibt die Entgrenzung von Reisen, Lesen und Erinnern. Der Stil der einzelnen Teile erinnert, in all seinen Variationen, dann auch zuweilen an die neue Schule im südostasiatischen Kino, die Geschichte und Erinnerung, Fantasie und fotografische Realität als formbare Masse ansieht. Daneben sind aber auch sehr genau Stimmungen aus europäischen und amerikanischen Filmen vergangener Tage eingefangen. Man fühlt sich öfters beim Lesen eher in einer unbegrenzten Cinemathek als in einem geschriebenen Text.

Dieser Roman ist ein Vermächtnis, das Portrait einer neuen Weltgesellschaft, bei der jeder mit jedem potentiell in jedem Moment verbunden sein kann. In Bolaños anderem großen Roman, "Die wilden Detektive", gibt es einen Autor mit dem Namen Arcimboldi, dessen Roman "Die grenzenlose Rose" weitergereicht wird und dessen Leser sagt: "...alles was ich sah oder hörte, diente nur dazu, mir meine Verletzlichkeit noch deutlicher vor Augen zu führen."
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2666 wird absolut überbewertet. Lesen Sie weiter...
Vor 16 Tagen von Zeh Punkt Oertel veröffentlicht

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