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Verschwörung gegen Amerika
 
 

Verschwörung gegen Amerika (Gebundene Ausgabe)

von Philip Roth (Autor), Werner Schmitz (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Hanser; Auflage: 3 (19. August 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446206620
  • ISBN-13: 978-3446206625
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,6 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 145.075 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

„Sie weiß nicht, was sie tut“, dachte ich, „sie ist nicht mehr dieselbe -- wir alle sind nicht mehr dieselben.“ Der -- fiktionale -- achtjährige Philip Roth muss mit ansehen, wie sich sein Umfeld dramatisch verändert. 1940 war seine Familie noch eine gewöhnliche, glückliche jüdische Familie in einem Amerika, das Juden ein freies Leben und Integration ermöglichte. Doch dann nominieren die Republikaner einen Helden der Luftfahrt, den faschismusfreundlichen Charles Lindbergh. Den Wahlkampf gegen Demokrat Franklin D. Roosevelt gewinnt er durch eine Kampagne, die heftige Kontroversen unter den Juden auslöst: Der Frieden und angeblich ebenso die Demokratie sollen bewahrt werden, indem sich Amerika für eine isolationistische Haltung gegenüber Nazi-Deutschland ausspricht.

Schon bald stellt sich heraus, dass Lindbergh andere Zukunftspläne schmiedet. Seine Begeisterung für Hitlers Machtpolitik wird jedoch nicht nur den amerikanischen Juden, sondern ebenso ihm selbst zum Verhängnis. Rückblickend beschreibt Philip aus der Perspektive eines Kindes, wie das geregelte Leben der Juden zerbricht, wie das beklemmende Gefühl der Schutzlosigkeit sie dazu zwingt Dinge zu tun, die ihnen einst zuwider gewesen wären.

Was wäre, wenn ...? Philip Roth spielt in dem autobiografisch gefärbten Roman Verschwörung gegen Amerika eine andere Variante des zweiten Weltkrieges und seiner Kindheit durch. Fasziniert von der Tatsache, dass die amerikanischen Juden -- folglich auch die eigene Familie -- der großen Katastrophe entronnen sind, fingiert Roth ein antisemitisches Amerika unter der Präsidentschaft Lindberghs. Sein Jonglieren mit historischen Fakten und historischer Fiktion ist schlichtweg verblüffend. Um so realistisch wie möglich zu schreiben, wich Roth von seinen bisherigen Romanen ab: Die Opferrolle der Juden im Zentrum, das ist neu. Sein Ziel hat Roth auf jeden Fall erreicht, lässt er seine Leser doch fast vergessen, dass die Realität im Hinblick auf die Präsidentschaft Lindberghs eine ganz andere war. --Fenja Wambold

Pressestimmen

"Das ist eine so schonungslose, krasse Auslotung kindlicher Ängste, dass man Lindbergh und Hitler ganz vergisst und nach der Lektüre auch nicht wirklich beruhigt ist darüber, dass alles anders kam."
Nils Minkmar, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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46 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Interessanter Plot - leider nicht sonderlich überzeugend aufgelöst, 14. September 2009
Von ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
Diese Rezension stammt von: Verschwörung gegen Amerika (Broschiert)
Was wäre gewesen, wenn das Fliegeridol und der Nazi-Sympathisant Charles A. Lindbergh im Jahre 1940 als republikanischer Präsidentschaftskandidat Roosevelt geschlagen und ins Weiße Haus eingezogen wäre? Was wäre geschehen, wenn die Amerikaner sich mit Hitler verbündet und tatenlos zugesehen hätten, wie die Deutschen England in Grund und Boden bombardieren und Russland überrennen? Was wäre geschehen, wenn zur gleichen Zeit in den USA der latente Antisemitismus der angelsächsischen Bevölkerungsmehrheit unter stillschweigender Duldung der Regierung offen ausgebrochen wäre?
Diese hypothetischen Fragen werden in dem vorliegenden Buch aus der Perspektive einer jüdischen Kleinbürgerfamilie aus Newark beantwortet. Der hart arbeitende und etwas engstirnige Vater Hermann Roth verkauft Versicherungen, die Mutter hält das Haus zusammen, der älteste Sohn Sandy ist ein begabter Zeichner und der Jüngste, eben der kleine Philip Roth, ist die Person, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Es ist eine interessante Geschichte, die langsam und sorgfältig entwickelt wird und deren zahlreiche Charaktere der Fiktion Farbe und Tiefe geben. Da ist der problematische Cousin Alvin, der nach Kanada geht um in Europa gegen Deutschland zu kämpfen und als Krüppel heimkommt, ehe er in einer semikriminellen- Halbwelt verschwindet, da ist Tante Hedwig, die einen lindberghfreundlichen Rabbi heiratet und sogar zum Empfang des Nazi-Außenministers Ribbentrop ins Weiße Haus eingeladen wird. Als sei das Buch als potenzielles Drehbuch verfasst, spart Roth nicht mit starken Bildern, die förmlich nach Verfilmung drängen - etwa, wenn Präsident Lindbergh höchstpersönlich unter dem Jubel seiner Bürger jeden Tag mit seiner Maschine seine Runde über Washington dreht oder Zigtausend Deutschamerikaner in großen Veranstaltungen in den USA die nationalsozialistische Ideologie propagieren.
Als der Krieg in Europa sich seinem blutigen Höhepunkt nähert und die Japaner dabei sind ganz Asien zu erobern, steht schließlich eine Riesenmehrheit der Amerikaner hinter dem isolationistischen Präsidenten, der sie aus diesen Gemetzeln herausgehalten hat. Sogar viele Juden geben ihren Widerstand gegen Lindbergh auf, weil der Präsident die Formen wahrt. In Wahrheit aber beginnt eine unübersehbare Ausgrenzung der jüdischen Amerikaner, die Roth in deutlicher Anspielung an die Judenräte des Zweiten Weltkrieges beschreibt. Denn unterstützt und angespornt von etablierten jüdischen Verbänden beginnt die Regierung damit, jüdische Familien aus den Städten auszusiedeln und über das ganze Land zu verteilen - während FBI Agenten gleichzeitig dafür sorgen, dass jüdische Amerikaner, die sich diesen Anordnungen widersetzen, in berufliche und soziale Schwierigkeiten geraten.
Hellsichtige wandern nach Kanada aus, Duldsame lassen sich in die Provinz verschicken, nur wenige protestieren, allen voran der windige Rundfunkmoderator Walter Winchell, der die faschistischen Anwandlungen des Präsidenten unverdrossen und drastisch anprangert ehe er seinen Job und am Ende auch sein Leben verliert. Denn unter der stillschweigenden Duldung der offiziellen Stellen hat sich längst jener Mob organisiert, der immer dabei ist, wenn es gilt, unter irgendeinem Vorwand Menschen zu erschlagen.
Bis hierhin liest sich das Buch wie eine spannende Fiktion, und der Leser ist gespannt, mit welchem Dreh der Autor die Handlung wieder in den sicheren Hafen der Weltgeschichte zurückführen wird, denn daran, dass die USA den Krieg schließlich doch an der Seite der Briten geführt und gewonnen haben, kann auch Roth kaum vorbeikommen.
Die Lösung ist verblüffend einfach: (1) Auf dem Höhepunkt der Krise verschwindet der fliegerbegeisterte Präsident bei einem Alleinflug und wird nie mehr gesehen. (2) Der amoklaufende Vizepräsident wird vom Senat abgesetzt, Franklin D. Roosevelt wird zum neuen Präsidenten ernannt und alles ist wieder gut.
Ein willkürlicheres und dürftigeres Finale eines Buches, dass immerhin über weite Passagen den Leser zu fesseln vermochte, kann man sich kaum vorstellen - dass dies einem Premium-Autor von der Klasse Philip Roth geschieht, ist kaum zu fassen. Wenn der antisemitische Spuk wirklich so leicht hinwegzufegen ist wie dies am Ende des Buches suggeriert wird, dann hätten sich die Exzesse, unter denen die Juden immer mehr zu leiden hatten, niemals entwickeln können. Und wenn die antisemitischen und faschistischen Tendenzen, die Roth für die USA beschwört auch nur einen Funken Wahrscheinlichkeit besitzen, dann hätte FDR nicht so locker an die Macht zurück gelangen können. Diese Lösung passt hinten und vorne nicht zusammen
Auch erzählerisch kann das Buch am Ende nicht mehr überzeugen. Die Zweigleisigkeit der Darstellung, d. h. die parallele Geschichte der Familie Roth und die Schilderung der großen Politik, kommen immer weniger zur Deckung. Am Ende ist Roth nur noch dort überzeugend, wo er die Empfindungen und Verhaltensweisen konkreter Personen beschreibt - sobald er aber den Blick ins politische off wendet, wird es hölzern und langweilig. Schade, da war mehr drin.
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49 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein faschistisches Amerika in den 1940er Jahren?, 15. Mai 2005
Von Reinhold Stansich "reini68.blogspot.com" (Kottingbrunn, Austria, Central Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension basiert auf der englischsprachigen Ausgabe dieses Buches. Als Übersetzer wurde Werner Schmitz gewählt, ein Garant, dass die deutschsprachige Ausgabe die gleiche Qualität aufweisen wird, wie die Originalausgabe. Werner Schmitz hat sich einen Namen gemacht als Übersetzer von Werken großer Autoren wie Chuck Palahniuk, Philip Roth, John LeCarre und Paul Auster.

Die USA der 1940er Jahre. Der Wahlkongress der Republikaner endet mit dem Vorschlag Charles A. Lindbergh zum Präsidentschaftskandidaten zu machen. Der weltbekannte Flieger und Isolationist verspricht die USA aus dem zweiten Weltkrieg herauszuhalten und gewinnt die Wahl gegen Franklin D. Roosevelt in einem Erdrutschsieg. In der Folge macht er sein Wahlversprechen wahr und schließt mit den Achsenmächten Pakte. Dazu trifft er sich sowohl mit Hitler als auch mit Hirohito, mit denen er schließlich auch offen sympathisiert. Die USA haben sich den Frieden mit einer faschistischen Regierung erkauft. Ähnlich wie in Europa schlägt auch die Stimmung in den USA um, und es kommt zu Pogromen ähnlich der deutschen Reichskristallnacht. Wenn man dem Buch etwas vorwerfen kann, dann vielleicht den mangelnden Mut die letzte Konsequenz zu ziehen: In einer weit hergeholten Erklärung für das Geschehene, schiebt Roth die Schuld dem Hitlerregime in die Schuhe. Da hat ihn schließlich doch die Angst vor der eigenen Courage gepackt.

Philip Roth erzählt diese Geschichte durch die Augen des vorpubertären Philip Roth, den jüngsten Sohn einer jüdischen Familie in Newark, NY. Wie wäre seine Familie gewesen, wie hätte sie sich entwickelt, wäre dieser Weg in der Geschichte eingeschlagen worden? In prachtvollen Worten, Sätzen und Absätzen erzählt er uns über seine Erlebnisse. Allerdings erzählt er nicht die Geschichte durch die Augen eines naiven Kindes, sondern Roth unterstellt, dass er heute - 60 Jahre nach den Ereignissen - die Historie nacherzählt. Es ist also eine Mischung aus kindlicher Berichterstattung und verarbeiteter Geschichte. Alles hypothetisch versteht sich - was wäre wenn? Der Kern der Erzählung (also ohne Vor- und Rückblicke) erstreckt sich über einen Zeitraum von ungefähr drei Jahren, er beginnt kurz vor der Wahl von Lindbergh zum Präsidenten und schließt mit seiner vorzeitig beendeten Amtszeit.

Sprachlich und stilistisch ragt das Werk deutlich aus der Menge heraus. Die Charaktere sind absolut glaubhaft und machen auch glaubhafte Entwicklungen durch. Besonders interessant ist die Beschreibung der Auswirkungen der traumatischen Ereignisse auf das Familienleben und den Umgang miteinander innerhalb Roths Familie.

Insgesamt legt Philip Roth ein wirklich gutes Werk vor. Besonders interessant erscheinen in diesem Zusammenhang aufgeworfene Fragen: Wie sehr hängt geschichtliche Entwicklung von relativen Kleinigkeiten ab? Wie fragil sind eine Gesellschaft und ihre Geschichte? Wie schnell schlagen spitzenpolitische Entwicklungen bis in das letzte Glied der Gesellschaft durch? Wie viel Schuld lastet auf dem Einzelnen? Ein Werk also, das unglaublich viele Fragen aufwirft und Stoff für unendliche Diskussion liefern kann. Die zentrale Frage lautet aber, wäre das wirklich möglich gewesen? Wenn man dieses Buch gelesen hat, wird man darauf wohl mit Ja antworten müssen. Die Darstellung ist absolut glaubhaft - und auch wenn über fiktive USA des vorigen Jahrhunderts geschrieben wird, so bietet das Buch doch auch politischen Zündstoff für das 21. Jahrhundert.

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56 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Worauf die Menschen eben wütend werden, 20. September 2005
Von Berthold Knoche (Waldsolms / Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REVIEWER)    (REAL NAME)   
.
Im Jahr 1940 stellen die amerikanischen Republikaner den Faschistenfreund Charles Lindbergh als Präsidentschaftskandidaten und damit als Gegenkandidaten von Franklin D, Roosevelt auf. Er gewinnt die Wahlen, schließt mit Deutschland einen Nicht-Angriffs-Pakt und beendet jegliche Unterstützung für Großbritannien, der einzigen nicht besetzten und nicht faschistischen Macht in Europa.

In dieser fiktiven Geschichte leben Philip Roth, seine Eltern und Geschwister, Verwandte und Freunde. Philip Roth erzählt die Geschichte als ich-Erzähler, als jener fiktive Philip, der mit ansehen muss, wie es in Amerika zu ersten judenfeindlichen Aktionen kommt. Die bestehenden jüdischen Viertel in seiner Heimatstadt werden aufgelöst, christliche Familien werden dort angesiedelt, die jüdischen Familien werden aufgrund von Programmen mit blumigen Namen wie «Land und Leute» in die Südstaaten umgezogen. Es kommt zu Ausschreitungen und Pogromen.

Es kommt auch zu Streitigkeiten innerhalb der Familien, auch innerhalb der Familie Roth. Sandy, Philips älterer Bruder, arbeitet mit für Lindbergh, der vorgeblich alles dafür tut, dass Amerika nicht in den Krieg hineingezogen wird, sein Vater ist der erbittertste Gegner dieser Politik. Cousin Alvin geht mit der kanadischen Armee in den Krieg gegen Hitler und kommt als Krüppel zurück.

Das Buch zeigt, wie schnell es zu faschistischen Verhaltensweisen kommen kann, wie leicht die Menschen sich mitreißen lassen von unmenschlichen Führern. Sich dieses Szenario vorzustellen, ist schon gruslig, vor allem, wenn man die Geschichte konsequent zu Ende denkt.

Hier liegt meine einzige Kritik an dem vorliegenden Buch: Philip Roth findet einen einfachen Weg zurück in die «echte» Wirklichkeit, ein Weg, den ich zu einfach und zu glatt finde, vielleicht ein Kompromiss für die amerikanischen Leser.

Das Zitat, das die Überschrift meiner Rezension bildet, ist aus einem der ersten Kapittel. Alvin kehrt heim, begleitet von einer Rotkreuzhelferin steigt er aus dem Zug. Die ganze Familie Roth begrüßt ihn, er ist aber sehr schlecht drauf.
»Worauf ist er denn wütend?« fragte Sandy besorgt.
Sie war eine stramme Frau mit strengen grauen Augen und soldatisch kurzgeschorenem Haar unter ihrer Rotkreuzmütze, aber, und das war die Überraschung dieses Tages, als sie Sandy antwortete, klang ihre Stimme mütterlich und sanft, als sei auch er einer ihrer Schutzbefohlenen: »Worauf die Menschen eben wütend werden - darauf, was später herauskommt.«

Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Fünf volle Punkte.
.

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