Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
39 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Grenzen der menschlichen Existenz, 6. Februar 2007
Als begeisterter Vielleser suche ich immer nach Büchern, der Geschichten einzigartig sind und die mich bedingungslos fesseln.
Stefan Brijs ist mit Der Engelmacher ein solcher furioser Roman gelungen, der gleichzeitig auch ein spannender Thriller ist. Die Geschichte führt den faszinierten Leser in fremde und unbekannte Bereiche unserer menschlichen Existenz, die ihn permanent erschauern lassen. Oft musste ich beim Lesen innehalten und einen Moment ausruhen, um das zuvor Gelesene auf mich wirken zu lassen. Primär geht es in diesem Roman um die Allmachtsphantasien des Menschen, omnipotenter als Gott sein zu wollen, die schließlich in Wahnsinn und Tod enden müssen. Daneben zeigt uns Brijs die Grenzen der wissenschaftlichen Forschung auf; denn es gibt Lebensbereiche, in denen der Mensch keine Berechtigung hat, in sie einzudringen und sie zu verändern.
Ausgezeichnet mit der Goldenen Eule, dem begehrtesten Literaturpreis aus Belgien, ist dieser Roman ein absoluter Lesegenuss und bedingungslos empfehlenswert!
|
|
|
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr empfehlenswert, 4. März 2007
Es wäre diesem Buch zu wünschen, im deutschen Sprachraum einen ähnlichen Erfolg zu haben wie in Belgien und in den Niederlanden. Denn: es ist spannend und flüssig geschrieben, hat einen äußerst ungewöhnlichen Inhalt und berührt - quasi en passant - die großen Fragen der menschlichen Existenz.
Als der Arzt Victor Hoppe sich wieder in seinem Heimatdorf niederlässt - ohne Frau, dafür aber mit kleinen Drillingen, die ihm wie aus dem Gesicht gerissen scheinen - nimmt der Dorftratsch kein Ende. Der Mann wirkt seltsam und unnahbar, und seine Tragik und seine wirklichen Absichten werden im Laufe der Jahre nur wenige erfahren...
Der Roman des bemerkenswerten Autors Stefan Brijs ist eine brillante psychopathologische Studie eines Wissenschafters auf dem Grat zwischen Persönlichkeitsstörung und tatsächlichem Wahn. Brijs berichtet von der fehlgelaufenen Erziehung des Kindes Victor, die den Grundstein legte für dessen lebenslangen Konkurrenzkampf mit Gott. Allmachtsphantasien und verwirrte Ethik führten den Arzt bald zum Missbrauch der Reproduktionsmedizin und des Klonens. In diesem heiklen Bereich sind aber Reife, Differenzierungsgabe und die Liebe zum Menschen unbedingt nötig: alles Eigenschaften, die dem fanatisierten Victor völlig abgehen - das Scheitern scheint vorprogrammiert.
Der Text ist dramaturgisch geschickt dreigeteilt: im ersten Teil Alltagsleben und enervierender Dorfklatsch über den neuen Doktor; im zweiten Teil der Werdegang des Victor Hoppe in verschobenen Zeitebenen; Teil drei setzt wieder die Geschichte im Dorf fort, in immer dichter werdenden Erzählsträngen bis hin zur spektakulären Klimax.
Brijs widersteht der Versuchung, mit allzu vielen wissenschaftlichen Details aufzutrumpfen, der Roman bleibt auf der "menschlichen" Ebene und immer gut lesbar. Und dennoch steht über aller Fiktion die ewig gültige Frage, wie weit der Mensch Gott spielen und in die Natur eingreifen darf.
Eine Freude, solch einen gut gemachten Text zu lesen.
|
|
|
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein außergewöhnliches Buch, 7. Januar 2009
Endlich kann ich mich mal wieder dazu durchringen, einem Buch die höchste Wertung zukommen zu lassen, und das aus völliger Überzeugung.
Am liebsten würde ich hier nur schreiben: Lesen Sie dieses Buch, es wird Sie faszinieren! Leider sind jedoch genau solche Rezensionen nicht wirklich dazu geeinigt, sich ein genaueres Bild über das "Warum" zu machen. Ich selbst habe dieses Buch ohne auch nur die leiseste Vorkenntnis, worum es überhaupt geht, gelesen (ein spezieller Dank an dieser Stelle an die "Empfehlerin") und kann dieses auch jedem anderen nur wärmstens ans Herz legen.
Für diejenigen, die allerdings an einer kurzen Inhaltsangabe interessiert sind, möchte ich dann doch noch ein paar Worte schreiben:
Der Arzt Viktor Hoppe kehrt nach 20 Jahren wieder an seinen Geburtsort Wolfheim in Belgien zurück, im Schlepptau hat er drei Babys, bei denen es sich offensichtlich um Drillinge handelt. Alle drei sind entstellt durch eine Narbe zwischen Mund und Nase, die Rückschlüsse auf eine durch eine Hasenscharte notwendig gewordene Operation ziehen lassen. Der Leser erfährt, daß sowohl Viktor Hoppe als auch bereits sein Vater mit dieser Fehlbildung zur Welt gekommen sind. Die Dorfbewohner verhalten sich anfangs äußerst zurückhaltend - allerdings auch sehr neugierig beobachtend -, was sich erst dann ändert, als Viktor in seiner Tätigkeit als Arzt einem Kind das Leben rettet. Viktor wird als Arzt anerkannt und auch immer häufiger aufgesucht, allerdings bleiben trotz allem viele Fragen offen. Was hat es mit den drei Babys auf sich, die Viktor offensichtlich versucht, von der Umwelt abzuschirmen? Der Dorfklatsch geht unermüdlich weiter....
Im mittleren Teil des Buches wird der Leser mit der Geschichte Viktors vom Tage seiner Geburt an konfrontiert. Bis zu seinem fünften Lebensjahr wächst er in einem Kloster auf. Bereits in dieser Zeit werden die Weichen für Viktors zukünftiges Leben und Handeln gestellt....
Mehr sollte aber wirklich nicht verraten werden. Brijs verbindet in seinem Roman wissenschaftliche und religiöse Elemente auf eine so beeindruckende Art und Weise, daß dem Leser im letzte Teil vor Erschütterung der Atem stockt.
Nachdenklich und schockierend! Mehr davon!
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|