Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Drama der Parvenüs!, 27. Januar 2007
Irene Nemirovsky wurde im Paris der späten Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre wie ein Star gefeiert! Ihre Bücher erreichten märchenhafte Auflagen und waren - Ironie der Geschichte - vor allem auch in rechten Kreisen beliebt. Das Irene Nemirovsky Jüdin war, wussten zu diesem Zeitpunkt nur die wenigsten! Nach dem Tod der Autorin in Auschwitz geriet ihr Werk schnell in Vergessenheit und wird nun - in neuer Übersetzung - neu entdeckt. Ihre Novelle "Der Ball" schrieb sie mit nur 27 Jahren. Eine Begegnung mit einem verkniffen wirkenden Mädchen auf der Pont Alexandre in Paris gab den Ausschlag.
Irene Nemirovsky erzählt von der vierzehnjährigen Antoinette, deren Eltern einen schnellen Aufstieg erlebt haben. Aus einfachen Kreisen stammend, nutzt der Vater ein Börsenhoch und wird über Nacht sehr reich. Seine Frau schmückt sich nun mit den Insignien der Macht, erreicht jedoch nur wenig Akzeptanz in der guten Gesellschaft. Das soll sich ändern: Ein großer Ball wird geplant. Antoinettes Hoffnungen, dabei sein zu dürfen, werden von ihrer Mutter jedoch grausam zerstört. So greift sie schließlich zu einer Rache, die voller Grausamkeit ist und die Parvenüs, ihre Eitelkeiten und ihre Selbstüberschätzung schließlich entlarvt...
In leichtem Plauderton spitzt sich die Lage in dieser schmalen Erzählung mehr und mehr zu. Mit sehr effektvollen, wenngleich sparsamen Mitteln erzählt Irene Nemirovsky glänzend eine packende Geschichte. Neben der Schlüsselszene auf der Brücke ist es vor allem der letzte Satz, der den Leser ins Mark trifft!
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24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So brutal kann Rache sein, 10. Dezember 2005
Die Jüdin Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines der reichsten Bankiers Russlands geboren. Die Familie floh während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort erschienen ihre ersten Romane und die Autorin wurde sehr schnell Liebling der Pariser Literaturszene. 1940 schrieb sie den bekannten Roman „Suite francaise“, 1942 wurde sie nach Auschwitz deportiert, wo sie im gleichen Jahr verstarb. Erst 60 Jahre später erscheint der erste Teil dieses Romans. Die prosaische Erzählung „Der Ball“ wurde 1930 aufgelegt, heute wiederentdeckt.Zum Inhalt: Die Ehe von Madame Kampf mit einem einfachen jüdischen Bankgestellten galt in der Pariser Gesellschaft als nicht standesgemäß. Ihr Ehemann, ein durch und durch einfältiger, simpler Mensch, hat jedoch 1926 an der Börse spekuliert und dabei nach dem Motto, „Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln“, ungeheuer viel Geld gewonnen. Die Familie ist sehr, sehr reich geworden. Die Ehefrau hochgradig spleenig und exaltiert ist darüber hinaus extrem dümmlich. Die vierzehnjährige Tochter Antoinette wird von einer altjüngferlichen englischen Hauslehrerin erzogen. Ihre Pubertät bringt es mit sich, dass es zwischen Mutter und Tochter häufig zu Reibereien kommt. Eines Tages beschließt die Familie Kampf eine großen Ball zu veranstalten, um der Pariser Gesellschaft ihren Wohlstand vorzuführen. Aus Adel und Geldadel sollen 200 Gäste geladen werden. Die Einladungen werden geschrieben und die Tochter wird gebeten die Einladungen zur Post zu bringen. Aber, da es zu diesem Zeitpunkt wieder einmal zu Streitigkeiten zwischen Mutter und Tochter gekommen ist, gibt Antoinette nur eine Einladung bei ihrer Gouvernante ab, die restlichen 199 Einladungsbriefe wirft sie in die Seine. Der Ball steigt und als einziger Gast erscheint die belehrende Hauslehrerin. Der Tochter ist die Rache vollauf gelungen. Brutaler kann Rache eigentlich gar nicht ausfallen. Neunzig Seiten, die es in sich haben und die auch gnadenlos die Neureichen und ihre Gebaren beschreiben. Ein lesenwertes Buch einer großen Autorin, das ausgesprochen atmosphärisch arbeitet, glänzend geschrieben. Ein wahres Lesevergnügen. Ich empfehle dieses Buch mit Nachdruck und Leidenschaft.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
entfesselte Rache, 7. März 2006
Vor 76 Jahren veröffentlicht, nun neu entdeckt. "Der Ball", ein wunderbares Buch. Ein durch Zufall zu Reichtum gekommenes Ehepaar mit Tochter entwöhnt sich ihrer Tugend und glaubt mit Geld sich denen anpassen zu müssen, die bereits in der "erstrebenswerten" Gesellschaft sind. Heimlichtuerrei und Verleumdung der Vergangeheit bestimmen den mit Bediensteten angenehmen Alltag. Die Untreue zu sich selbst entzweit die Bindung zwischen Mutter und Tochter, verführt die Mutter ihr eigenes vermeintliches Glück zu suchen, zu finden. "Ich, ich,.... sind ihre Worte, die ihre Tochter den Gedanken an Selbstmord nahelegen, der dann ironischerweise in süße Rache umschlägt. Der Dekanz zu Ehren soll ein Ball für die bessere Gesellschaft, der dem Ehepaar nahezu unbekannten Menschen, gegeben werden, letztendlich nur, um sich selbst in diese Gesellschaft durch Kauf der Menschen einzuführen. Das Versenden der Einladungsbriefe wird zur "Flaschenpost" da die Tochter anstelle der Postboten die Seine als Transportmittel wählt, um .... Sie wissen schon. Der Vater, ein Mann - er scheint hier gelassener als die Frauen. Die Autorin hat vielleicht zu dieser Zeit dem möglichen Klischee entsprechen wollen. Diese kleine Novelle zeigt, das nicht erarbeiteter Reichtum Ideale und Tradition zerstört, Treue zu sich selbst nicht duldet, sondern eher das Schauspiel der eigenen Komödie in einer entsprechend gespielten Gesellschaft fordert. Die Liebe zu den Kindern geht verloren, Selbstsucht nimmt den Platz ein. 1930 geschrieben und dennoch nahezu verwandt dem Titel des heutigen (6.3.2006) Spiegel und damit aktuell in einer Zeit, wo Reichtum und Individualismus die Lust am Nachwuchs hemmt. Interessant ist, dass ebenso im Jahre 1930 Bertrand Russell "Die Eroberung des Glücks" herausbrachte und gerade das Unehrliche, Ichbezogene als Glückskiller anbrachte. Ebenso verwies er schon auf den Zusammenhang von Selbstsucht und Kinderlosigkeit. Ein grossartiges Buch.
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