Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Der Fall George Edalji, 24. Juni 2009
Als eingefleischter und begeisterter Anhänger von Sir Arthur Conan Doyles Werken, insbesondere der Sherlock Holmes-Geschichten, hat mich die Veröffentlichung dieses Buches natürlich gefreut und äußerst neugierig gemacht, zumal die hier geschilderten Ereignisse wahrhaftig so vonstatten gegangen sind. Und da Julian Barnes, ein in London lebender Schriftsteller, auch im deutschsprachigen Raum mittlerweile mehr als ein Geheimtipp ist, kam ich schließlich am Kauf dieses Werks nicht vorbei. Nach nun knapp über 500 Seiten Lektüre hält sich meine Begeisterung in Grenzen, vermag ich besonders das Urteil der Berliner Zeitung ("Spannend wie ein Fall von Sherlock Holmes") auf dem Klappentext in keinster Weise zu teilen.
Barnes erzählt in "Arthur & George" die Lebensläufe zweier, real existierender Männer des viktorianischen Englands, die wohl kaum unterschiedlicher sein könnten. Auf der einen Seite ist Arthur Conan Doyle, späterer "Sir", Erfinder des weltbesten Detektivs Sherlock Holmes und englischer Patriot. Auf der anderen George Edalji, Sohn eines anglikanischen Pfarrers indischer Abstammung, der zurückgezogen mit seinen Eltern und der Schwester im Pfarrhaus von Wyrley lebt. Wo der eine (Arthur) eine insgesamt eher unbeschwerte, wenn auch durch Armut gekennzeichnete Kindheit verlebt, wird Georges Familie Anfang der 1890er Jahre zur Zielscheibe von anonymen Schmäh- und Drohbriefen. Was anfangs vom Pfarrer als kindlicher Streich abgetan wird, entwickelt sich zu regelrechtem Psychoterror, der dann eines Tages ohne ersichtlichen Grund abbricht. George, im christlichen Glauben erzogen, aber auch auf die Gesetze Englands vertrauend, beginnt nun eine Karriere als Solicitor (ein niederer Rechtsanwalt) und erntet dafür den Stolz seiner Eltern.
Obwohl er sich selbst integriert und als Teil des Empires sieht, bleibt er für die Einwohner der rückständigen Gemeinde weiter ein Farbiger, ein Außenseiter. Als in der Gegend um das Elternhaus dann plötzlich Tiere verstümmelt aufgefunden werden, fällt der Verdacht sofort auf ihn. George wird aufgrund erdrückender Indizien verhaftet und zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Diese verlässt er zwar vorzeitig nach drei Jahren, ohne jedoch von Gesetz her rehabilitiert zu werden. An dieser Stelle tritt nun Sir Arthur in sein Leben. Der Autor schlüpft in die Rolle seiner bekanntesten Figur und nimmt die Ermittlungen nochmals von vorne auf...
Julian Barnes hätte hier einen Riesenwurf hinlegen könnte, würde diese Begegnung von George und Arthur nicht erst auf Seite 300 (!) stattfinden. Bis dahin liest sich das Werk wie zwei getrennte Biographien ohne jeglichen Zusammenhang, ermüden die seitenlangen Beschreibungen der skurrilen Beziehungen von George zu seiner Familie und dem Gefühlsleben von Sir Arthur den Leser. En Detail werden die kleinsten Nebensächlichkeiten ausgewalzt, verliert sich der Autor seitenlang in abzweigenden Handlungssträngen, welche den Plot kein Jota voranbringen. Bis zum Treffen der beiden Figuren ist "Arthur & George" nicht spannend, nicht fesselnd und nicht mitreißend, sondern bloß eins: Äußerst mühsam. Ein Lesefluss wollte bei mir, trotz zweifelsfrei hervorragendem Sprachstil nicht aufkommen, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass aufbauende Spannungsbogen nie fortgesetzt wurden. Die Aufklärung des Falles, die man sich nach dem so zähen Anfang schmerzlich ersehnt hat, geht irgendwo zwischen Zeitungsartikeln und Arthurs Gedanken verloren. Was bleibt an Positivem?
Für alle Interessierten an dieser Epoche und an Sir Arthur Conan Doyles Leben ist "Arthur & George" eine äußerst ergiebige Quelle. Alle wichtigen Stationen des Schriftstellers, sein Hang zum Spiritualismus, der Einfluss seines Lehrers Joseph Bell, wie auch die Bedeutung des Falls Edalji, der in England die Einführung von Berufungsgerichten zur Folge hat, werden thematisiert. Allein für die Form der Erzählung hätte man wohl besser eine Biographie verwenden sollen.
Insgesamt ist "Arthur & George" ein zwiespältiges Lesevergnügen, dass zwar mit seiner Authentizität beeindruckt und ein treffendes Bild der Gesellschaft des viktorianischen Englands zeichnet, in Punkto Unterhaltung aber über weite Strecken nicht überzeugen kann.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Interessanter und spannender historischer Roman, 12. Juli 2007
Beeindruckend, spannend und sehr tiefgehend erzählt Julian Barnes den Lebensweg zweier interessanter englischen Männer im ausgehenden 19.Jahrhundert. Sir Arthur Canon Doyle ist als Autor der Sherlock Holmes Geschichten vielen bekannt, doch sein Leben erweist sich um vieles facettenreicher und ritterlicher. Sein Weg kreuzt jenen des Anwaltes George Edalji, der ebenso geradlinig seine Grundwerte hoch hält. Gerade diese Charaktereigenschaft stürzt beide in scheinbar hoffnungslose Tiefen und dort kreuzen sich ihre Wege und es soll der rettende Anker für beide werden.
Dieses Buch ist ein gelungenes, spannendes und einfühlsames Werk - es verändert sich laufend - vom Entwicklungsroman, zur Beziehungsgeschichte, zum Kriminalfall, zur Biographie - immer die Werte des englischen Gentleman hochhaltend. Sehr empfehlenswertes Buch, vor allem nach der Lektüre von Sherlock Holmes Büchern, um die Zeit des Autors lebendig werden zu lassen.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sir Arthur Conan Doyle ermittelt, 15. April 2007
Julian Barnes, in London lebender Schriftsteller, ist auch im deutschsprachigen Raum inzwischen schon mehr als ein Geheimtipp. Seine Fangemeinde dürfte sich mit diesem Buch deutlich vermehren.
"Arthur & George" ist ein Roman, der Realität und Fiktion auf eine äußerst geschickte Art und Weise vermischt: Real ist (Sir) Arthur (Conan Doyle), der Erfinder von Sherlock Holmes (und Dr. Watson). Die zweite Hauptperson, George (Egalji), ebenfalls real, Sohn eines anglikanischen Pfarrers indischer Abstammung, lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester zurückgezogen in einem Pfarrhaus. Eines Tages beginnt gegen diese Familie ein regelrechter Psychoterror: anonyme Briefe treffen ein; in diversen Zeitungen erscheinen eigenartige Annoncen. George schafft es aber trotzdem, ein erfolgreicher "Solicitor" (eine Art niederer Rechtsanwalt) zu werden. Dies alles scheint vorbei zu sein, als in der Nähe seines Elternhauses Tiere (vor allem an den Genitalien) verstümmelt werden. George wird verhaftet, da Indizien gegen ihn sprechen, zu mehreren Jahren Haft verurteilt, aber vorzeitig entlassen, ohne dass er rehabilitiert wird. Nun tritt - der Leser ahnt es schon - Sir Arthur in sein Leben. Er, der Autor, schlüpft in die Rolle seiner bekanntesten Figur und beginnt zu ermitteln...
Dieses Buch ist wahrscheinlich das bisherige Meisterwerk von Julian Barnes. Geschickt verbindet der Autor - wie schon erwähnt - Realität mit Fiktion, wobei die Fiktion bei Georges überwiegt, da über sein Leben relativ wenige Fakten bekannt sind. Hier arbeitet die Phantasie des Autors. Ganz anders ist dies beim Leben von Arthur, dessen Biografie jedem Interessierten zugänglich ist. Und: Bis auf wenige Ausnahmen sind alle zitierten Briefe, Zeitungsartikel etc. authentisch und damit noch beeindruckender.
Je weiter man in diesem Buch vordringt, desto mehr zeigen sich Dumpfheit der Leute, Rassismus, Vorurteile, ein mehr als eigenartiges Rechtswesen usw. Und dass es in Frankreich den Fall "Dreyfus" - zeitlich nicht weit von diesem englischen Fall entfernt - gab, verwundert nicht weiter.
Jedenfalls zeichnet Barnes ein faszinierendes Bild Englands und zweier Gesellschaftsschichten von der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Man wünscht "Arthur & George" viele Leser!
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