Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Von der Geschwindigkeit des modernen Lebens, 25. Februar 2007
Der namenlose Ich-Erzähler verlegt eines Tages seinen Lebensraum in das Badezimmer seiner Pariser Wohnung, die er mit seiner Lebensgefährtin Edmondsson teilt. Zwischen Wanne und Waschbecken sitzend, sinniert er über die Vergänglichkeit des Lebens und den Tod und empfängt mehr oder weniger zufällig vorbeischauende Gäste.
Im zweiten der insgesamt drei Kapitel des Buches begibt sich der Erzähler auf eine Reise nach Venedig, wo er sich in einem kleinen Hotel einmietet. Das Hotelzimmer verlässt er allerdings nur selten, auch hier ist er die meiste Zeit damit beschäftigt, nachzudenken. Die Reise nach Venedig hebt die Weltentfremdung des Erzählers nicht auf, das Badezimmer wird im Grunde nur gegen ein Hotelzimmer getauscht.
Mit Edmondsson, die ihm auf seine Bitte hin nachreist, besucht er einige Museen und Kirchen. Doch nachdem er seine Freundin willentlich, aber grundlos mit einem Wurfpfeil verletzt hat, reist diese nach Paris zurück. Aufgrund einer Stirnhöhlenvereiterung verbringt der Erzähler danach einige Tage in einem Krankenhaus der Lagunenstadt, bevor auch er ebenfalls nach Hause zurückkehrt. Dort, in Paris, richtet er sich erneut in seinem Badezimmer ein.
Jean-Philippe Toussaints Roman spricht nicht nur von der Sinn- und Zusammenhangslosigkeit des Daseins, sondern bildet sie auch sprachlich und formal ab. So sind die drei Kapitel des Buches in insgesamt fünfzig nummerierte Paragraphen unterteilt, die gelegentlich aus nur einer einzigen Zeile bestehen und keinen Sprach- beziehungsweise Gedankenfluss entstehen lassen. Alles Sprachliche bleibt unfertig, fragmentarisch. In diesen minimalistischen Erzählbewegungen der Hauptfigur spiegelt sich eine zerstückelte Welt, die kein sinnvolles Ganzes mehr zu ergeben vermag.
"Das Badezimmer" ist prima Literatur. Beim Lesen kommt eine geradezu fabelhafte Leichtigkeit auf. Man wird weder gefesselt - dazu sind die Beobachtungen zu detailliert, aber doch nicht zu lang, weshalb man auch nicht gelangweilt wird. Unterhalten wird man schon gar nicht, dazu ist die Geschichte, die in Paris und Venedig spielt, etwas zu seltsam. Beziehungen knirschen, Tennis wird gespielt und es kommt Sex direkt vor, aber so selbstverständlich einfach und nebensächlich nett, dass man erst merkt, wie krank der Rest der Welt ist, der daraus immer so einen Akt macht.
Ganz nebenbei wird man mit großen Fragen konfrontiert: die Geschwindigkeit des modernen Lebens, das persönliche Streben nach Glück, die Endgültigkeit getroffener Lebensentscheidungen - Fragen, die noch lange nachhallen, wenn das Buch längst zugeklappt ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
,Schwere` Literatur ganz leicht, 3. Mai 2007
Einfach ein Glas Sekt einschenken und dieses Büchlein (120 Seiten) auf dem Balkon grinsend in einem Zug durchlesen, so schnörkellos, ironisch und nihilistisch ist es geschrieben.
Der Held beschließt in Anbetracht der Sinnlosigkeit des Lebens, fürderhin nur noch in der Badewanne zu leben, was zu allerlei Komplikationen und Kapriolen führt. Natürlich bleibt er dort nicht auf Dauer, aber auch seine Ausflüge haben es in sich, zumal er auf seine Umwelt sehr eigenwillig reagiert.
In lakonischem, geradezu minimalistischen Stil schildert Toussaint Dinge wie Sinnsuche, Rückzug, Flucht, Sex und Kommunikationsversuche auf eine Weise, die alles ganz leicht erscheinen lässt - allerdings auch sinnlos da ohne dauernden Wert.
Diese Leichtigkeit wird durch die Aufteilung der Geschichte in 50 kleine Paragraphen verstärkt, die den Text stellenweise wie eine lose Sammlung von Gedankenblitzen oder Aphorismen wirken lassen.
Erst im Nachwort habe ich mich ernsthaft mit den oft erwähnten Parallelen zu Musil, Kafka und Beckett befasst, die diese Erzählung zu ,großer Literatur` machen. Tatsächlich war dies von Toussaint auch beabsichtigt, so nennt er den österreichischen Gesandten in Anspielung auf Musil Eigenschaften". Für ungetrübten Lesespaß und eine Stunde Dauergrinsen ist dieses Wissen aber keine zwingende Voraussetzung.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
This is our last call, 25. Januar 2005
Bei ausführlicher Internet-Recherche habe ich mir die Bücher „Selbstportrait (in der Fremde)" und „Sich lieben" von Jean-Philippe Toussaint auf meinem amazon-Wunschzettel vorgemerkt. Ja, Leselust muss gestillt werden! Mit der Lektüre dieses Autors habe ich aber jetzt begonnen mit dem Spontankauf von „Das Badezimmer". Und ich bin durchaus begeistert. Mit glasklaren, schon beinahe als nüchtern zu beschreibenden Schreibstil, erzählt uns der genannte Autor aus dem Leben eines 27jährigen Mannes. Dieser beschließt, sein Leben in der Badewanne zu verbringen. Dabei will er lesen und seinen Gedanken nachgehen. Zuviel will ich nicht verraten, aber: Der Aufenthalt in der Badewanne währt nicht lange. Der Hauptdarsteller steigt um in einen Zug, der ihn in eine fremde Stadt bringt. Die Liebe reist hinterher. Trotzdem: Es passiert nicht viel. Am Ende scheint sich die Geschichte zu wiederholen. So ist das Leben. Aber die Lektüre fesselt. „Le Monde" stellt Toussaint neben Kafka und Becket. Ich füge hinzu: Auch zu Max Frisch darf er sich gesellen. Denke ich dabei vor allem an den „Homo faber". „Ich habe mich schon oft gefragt, was die Leute eigentlich meinen, wenn sie von Erlebnis reden", so Faber. Auch der hier besprochene Roman von Toussaint kann darauf keine Antwort geben. Und das ist gut so. 5 Sterne für „Das Badezimmer" und an die eigene Adresse: Lese weiter Toussaint!
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