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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Liebesgrüße aus Mordor, 16. Juni 2002
Am Anfang war das Gegenwort: Als ein eifriger und unerwünscht ehrlicher Freund eines Freundes der Autorin drastisch auszureden versucht, in die Republika Srpska zu fahren, zuckt sie die Schultern, läßt den Leser schnoddrig wissen: "Klingt nach Mordor" - und fährt natürlich trotzdem; der alte Dämon ist tot, aber wie erholt sich das Land von seinen Wunden? Ein getreuer, aber pazifistischer Hund begleitet sie auf ihren Streifzügen durch ein nahes Land, das uns so fern erscheint. Oder denken wir, es sei umgekehrt und wir hätten schon alles verstanden?Wer erwartet, seine vorgefertigten Meinungen über Land und Leute in Marmor gemeißelt zu sehen, hat bei diesem Buch schon verloren. Juli Zeh scheint sich entschlossen zu haben, sämtliche anderen und eigenen Ansichten einer strengen Prüfung mit dem neugierigen Augen eines Kindes zu unterziehen, was ihr grandios gelingt. Wer einmal mit dem ersten Chemiekasten zwei Explosionen und endlose Ermahnungen der Eltern hervorgerufen und dennoch grinsend den nächsten Kolben geschwenkt hat, bekommt eine leise Ahnung, mit welcher Intention und Intensität dieser Roman geschrieben ist. Es ist sehr schwer, dem bissigen Charme, dem fröhlich-sarkastischem Humor, der schieren Lebensfreude (auch wenn man keine Feigen mag) und den interessanten Menschen dieses Werks zu entziehen. Den Sirenenrufen einzelner Sätze kann man ohnehin nicht entkommen. Die romantischen Szenen sind so hauchzart, daß man Angst hat, das Umblättern der Seiten könne sie fortwehen - wirklich großartig wie das Leben selbst. Und doch jederzeit ein überaus ehrliches Buch mit Ecken und Kanten. Man kann natürlich mehr Betroffenheit von einem Roman über Bosnien fordern, aber ist dieser Roman ohne Szenen der Betroffenheit, dem Rückzug ins eigene Schmerzkontinuum geschrieben? Verheimlicht er etwas oder geht er ohne Respekt an die Menschen heran? Durchaus nicht, aber er bewertet nicht, er regt zum Nachdenken, zum Überdenken an. Schmerz ist wertvoll für den Körper, denn er zeigt Fehlentwicklungen auf - aber dem chronischen Schmerz haftet etwas sinnloses an... Jeder Krieg endet einmal und im Gegensatz zur bleiernen Zeit der 50er und frühen 60er Jahre in Deutschland scheint sich in Bosnien die Freude auf die Zukunft einzustellen: "Liebt euch, um zu vergessen - aber vergeßt nicht, euch zu lieben", so ein Mantra aus den hinteren Kapiteln (jugendfreie Übersetzung!) und eine gute Zusammenfassung eines besseren Lebensgefühls. Dieses Buch ist keine Adler und Engel-Fortsetzung, was auch nicht schlecht gewesen wäre, aber die Autorin will wohl kein Opfer eines eigenen Mainstreams werden. Im Gegensatz zu Äußerungen anderer JuLis also ein positiver Tabubruch von Juli Zeh - eben ein Aufruf, über die hohen Hürden eigener Vorurteile zu springen, sich Gedanken zu machen. Jugend forscht at its best. Vielleicht habe ich aber auch alles falsch verstanden und das Buch ist total schlecht (man soll sich selbst ja nicht zu sehr trauen, wie wir nun gelernt haben...) - für diesen Fall war es jedoch ein überaus angenehmer Fehler...
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32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Eine anmaßende Beleidigung: Sowohl literarisch wie menschlich!, 6. Mai 2007
Als ich viele der teilweise bitter erbosten Rezensionen über "Die Stille ist ein Geräusch" las, war ich doch zunächst sehr unschlüssig. Eigentlich war ich zu dieser Zeit auf der Suche nach Büchern, die sich mit dem Bosnien nach dem Krieg beschäftigten, die also nach dem Punkt entstanden, an dem ich mein geliebtes Bosnien in früher Kindheit verlassen musste. Gerade das geschriebene Wort, das gefühlvolle, nachdenkliche, reflektierte vermag es einem nämlich die ferne Heimat im Herzen zu erhalten. Auch deshalb meine ich weit genug zwischen den Stühlen zu sitzen, um das Werk von Julia Zeh von beiden Seiten, der emotional-bosnischen und der literarisch-"nicht bosnischen" beurteilen zu können.
Die literarische Qualität dieses Buches ist dabei leichter und eindeutiger zu beurteilen: Für jeden anspruchsvollen Leser stellt "Die Stille ist ein Geräusch" eine Zumutung auf dem Niveau hiesiger Groschenhefte dar. Der Schreibstil bleibt oberflächlich, schließt Hintergründe oder gar wirkliche Reflektion und Nachdenklichkeit aus. Stattdessen verströmt er den Geruch von fauler Abenteuerromantik und dilettantisch zusammengeschusterte Reisenotizen, was auch durch zeitweise gelungene Stimmungsbildern nicht im Ansatz übertüncht werden kann.
Was nun die moralisch-emotionale Seite dieses Buches angeht, so war ich wohl selten in meinem Leben so bestürzt und entsetzt über die Dreistigkeit, die Menschenverachtung und den arroganten Voyeurismus einer Autorin. Besonders erschreckend war dabei das Niveau auf dem Zeh ihre "Eindrücke" schilderte. Einige Beispiele will ich an dieser Stelle anführen:
Die Autorin beschreibt so zum Beispiel eine kleine Ortschaft namens Gacko als "Drecksnest", das wie "ausgefranste Vogelscheiße" aussieht. Jeder Leser sollte sich nun fragen, wie ein kleines Dorf in einem vom Krieg zerschundenen, armen Land sich so eine Betitelung verdient hat und ob nicht ein grundlegenes humanes Verständnis für die Leiden der Bevölkerung und die Situation des Landes angebracht wäre.
Noch weitaus penetranter urteilt Zeh über die bosnische Bevölkerung, der sie unterstellt, dass sie sich parfümieren müsste, weil es typisch bosnisch sei nach "moderner Großmutter" zu stinken. Kaum jemand wird verleugnen können, dass dieses ein penetrantes, unwissendes und beleidigendes Vorurteil ist, das sich etwa auf dem Niveau von "Alle Amerikaner sind fett und hochnäsig" befindet.
Das es aber noch ein Niveau tiefer geht, beweist Zeh nun in Bezug auf die Serben. Zunächst bezeichnet sie alle Serben als "Cetniks", was sich in der Dimension recht gut mit dem Ausspruch, alle Deutschen seien Nazis, vergleichen lässt. Dazu kommen dann noch entsprechende Folgebehauptungen wie das Serben (man beachte immer die Verallgemeinerung) gerne auch militaristisch, korrupt und gewaltbereit sind. Dass dies reine ethnische Diskriminierungen sind, kann eigentlich nicht übersehen werden. Welchen Dienst Zeh damit außerdem der Verständigung zwischen Serben und Bosniaken leistet, kann sich jeder denken.
"Die Stille ist ein Geräusch" ist eine Beleidigung in Papierform: Unreflektiert, menschenverachtend, arrogant, naiv und ohne jedes Gefühl für Anstand und Moral.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Buch okay, würde es aber nicht nochmal lesen, 26. Oktober 2007
Ich habe dieses Buch von meinem Chef zum Geburtstag bekommen, da meine Mutter aus Bosnien kommt. Ich habe von meinen Verwandten ziemlich viel über den Krieg mitbekommen. Dieses Buch ist okay, ich würde es aber nicht noch ein zweites Mal lesen. Sie wird oft poetisch und hat schon eine Meinung über den Krieg und die Menschen bevor Sie sie kennen lernt. Als Bosnierin bin ich nicht überzeugt von dem Buch. Sie geht zu wenig auf das Thema Krieg ein. Sie beschreibt mehr das Land und die Leute, was auch gut ist, aber ich denke das wenn schon solche Gräueltaten im 20. Jahrhundert geschehen, man das Thema ruhig ansprechen kann. Ich fahre jedes Jahr nach Bosnien, habt dort auch zwei Jahre gelebt und ich habe ziemlich oft mit den Menschen gesprochen. Ich denke sie hätte sich lieber auf die Menschen einlassen sollen. Trotzdem gekauft hätte ich mir das Buch nie.
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