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England, England.
 
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England, England. (Taschenbuch)

von Julian Barnes (Autor), Gertraude Krueger (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 350 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (16. Oktober 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 344272757X
  • ISBN-13: 978-3442727575
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,9 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 473.328 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Neue Heimat Themenpark

Julian Barnes' Satire «England, England»

Von Jörg Häntzschel

Die Disneyworld-Assoziation ist längst ein kulturkritischer Allgemeinplatz geworden, wenn immer es um die Fixierung und Konservierung von Vergangenheit in einer fiktiven Idealform geht, um Puppenstubendörfer oder überrenovierte Altstadtgassen. Damit sind ästhetische Fragen angesprochen, aber auch solche nach dem historischen und kulturellen Selbstverständnis einer Gesellschaft. Nirgends liegt dieser Vergleich so nahe wie in Grossbritannien, das sich – Tony Blairs Fortschrittspädagogik zum Trotz – so obsessiv auf seine Vergangenheit bezieht, dass die Gegenwart oft nur auf einem Nebenschauplatz stattzufinden scheint, als unpopuläres, glanzloses Beiprogramm zu einer immer wieder wie neu aufgeführten Geschichte. Julian Barnes spekuliert in seinem neuen Roman «England, England», was geschähe, nähme man den Vergleich einfach wörtlich. Käme nicht, lässt er den Medienzar Sir Jack Pitman sein Beraterteam fragen, ein komprimiertes, von allen Spuren der Gegenwart bereinigtes England dem Ideal von Einheimischen wie Touristen weit näher als das Original? Ein best-of-England, bevölkert von den beliebtesten Stars der englischen Geschichte, zudem «bequemer, sauberer, freundlicher und effektiver»? Die Berater sind begeistert, der Pitmansche Haus-Baudrillard gibt seinen Segen – er weiss: wir ziehen das Replikat dem Original vor –, und dem Projekt «England, England» steht nichts mehr im Wege.

«The past is a distant, receding coastline», sinniert Geoffrey Braithwaite, der Protagonist in Barnes' Erfolgsroman «Flauberts Papagei», beim Überqueren des Ärmelkanals. Im neuen Roman, der kurz nach dem Tod von Queen Elizabeth II spielt, haben Metaphern sich erübrigt. Die Küste der Vergangenheit ist nur noch die kurze Schiffspassage zur Isle of Wight entfernt, und sie wird dort für immer bleiben, das heisst, solange der Umsatz stimmt: Pitman, der die Insel umstandslos gekauft hat, lässt «England» dort anhand von Marktforschungserkenntnissen neu konfigurieren. Nur die grössten Klischees, nur «5-Sterne-Sehenswürdigkeiten» finden hier Platz: Big Ben und Parlament, Stonehenge und die weissen Klippen von Dover. Dazwischen verkehren Doppeldeckerbusse und schwarze Taxis. Harrod's verkauft Orangenmarmelade im Tower. Beefeater, Robin Hood, Dr. Johnson und die echte königliche Familie – ein grosszügiger Spesenrahmen konnte sie zum Umzug bewegen – sorgen mit ihren Auftritten für unvergessliche Erlebnisse der «Premium-Besucher». Keine Frage, dass der Erfolg dieses nicht nur touristischen, sondern auch sozialen und politischen Experiments – «England England» benimmt sich als unabhängiger Staat – alle Erwartungen übertrifft. «Old England» indes, dem der elegische dritte Teil des Romans gilt, vergisst, der glanzvollen Momente seiner Vergangenheit beraubt, paradoxerweise die Gegenwart und fällt in eine hybride Altertümlichkeit zurück, die Elemente aller historischen Zeiten vom Mittelalter bis zu den Neunzigern enthält. Sie ist echt insofern, als sie nicht bewusst konstruiert ist wie ihr Pendant «England, England», doch keinen Deut authentischer.

Erst mit diesem dritten Teil und der Beschreibung des auf das Niveau eines Entwicklungslands gesunkenen, aber eben nicht entfremdeten «Old England» gewinnt Barnes' Satire Tiefe und Originalität. Die im Hauptteil breit ausgewalzte Themenpark-Idee hingegen will nicht recht zünden. Wie so oft ist die Realsatire schon weiter: London Bridge überspannt heute nicht nur die Themse, sondern auch den Lake Havasu in Arizona. In Las Vegas steht bereits ein falscher Eiffelturm. Und Rupert Murdoch, offenkundiges Vorbild für Sir Jack Pitman, wollte den Fussballverein Manchester United letztes Jahr tatsächlich kaufen – bei Barnes noch eine groteske Zukunftsvision. Unter seinem Niveau bleibt Barnes auch mit seinen Rückgriffen auf das stereotype Personal von Fernseh-Comedy: den schwulen Schwätzer, den Geschäftsmann mit perversem Doppelleben oder die schamlosen royals.

Als «toughe Frau» könnte man auch die Protagonistin Martha Cochrane, Pitmans «bestallte Zynikerin», in diese Liste aufnehmen. Um so spannender ist daher, wie Barnes anhand dreier Abschnitte ihres Lebens, die er mehr oder weniger glücklich mit dem Themenpark-Komplex parallelführt, die dort so plakativ durchgespielten Themen Erinnerung und Identität in weitaus subtilerer Form behandelt. Leitmotivisch, oft versteckt in winzige Details, verfolgen Martha diese Fragen – als ontologische Konstanten, nicht gemäss dem gängigen Muster in Form dramatischer Krisen, denen dann die glückliche Selbstfindung oder eine finale Katastrophe folgt. Wir lernen Martha als eigenwilliges Kind kennen, als eiskalte Usurpatorin von Pitmans Macht (sie trägt sogar Züge von Margaret Thatcher) und schliesslich – in der «Verbannung» im schlammigen Old England  – als melancholische alte Jungfer, die den Kranken Nesselsuppe bringt. So unglaubwürdig diese drei widersprüchlichen Inkarnationen sie auch machen, als intellektuelles Spiel mit der Frage nach der Identität bietet dieser Aspekt des Romans weit mehr als die lustlose Gesellschaftssatire. Obwohl diese vier Fünftel des Umfangs einnimmt, wirkt sie wie ein Fremdkörper zwischen den intimen und subtil humorvollen Anfang- und Schlussteilen. Und sie beansprucht soviel Aufmerksamkeit, dass Barnes' eigentliches – wenn auch wenig aussichtsreiches – Anliegen über weite Strecken in Vergessenheit gerät: der Versuch, die Konstruktion einer nationalen Identität der einer individuellen gegenüberzustellen und schlüssige Parallelen zwischen beiden zu finden. So fährt sich Barnes denn schliesslich in einem Dickicht aus Ernst und Ironie, postmodernen Identitätskonzepten, ihrer Ablehnung und Rehabilitierung fest, bevor klar würde, wohin er damit eigentlich wollte. Darüber hinaus durchsäuert ein nie ausgesprochenes moralisches Argument – Martha Cochrane scheint in ihrem dritten Leben für Kühnheit und Exzesse in den ersten beiden zu büssen – den Roman. Man wird den Eindruck nicht los, Barnes halte ein ähnlich trübseliges Schicksal auch für den Rest der Menschheit für angemessen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Kurzbeschreibung

Martha Cochran, Ende dreißig, intelligent, zupackend, immer auf der Suche nach sich selbst und der Wahrheit hinter den Dingen, schafft es, eine Stelle im Beraterstab von Sir Jack Pitman zu ergattern. Der krönt gerade seine bemerkenswerte Karriere als gerissener Unternehmer mit einem gigantischen Coup: Er kauft die Isle of White, um dort das alte England als Vergnügungspark neu zu errichten. „England, England“: kleiner, touristengeeigneter, zweckmäßiger – das Kaufhaus Harrods im Tower, Lady Di’s Grab nur einen Spaziergang von Stonehenge entfernt und die Royals im kleinen Buckingham Palace um die Ecke. Das Ganze wird ein Riesenerfolg, das wahre England gerät allmählich in Vergessenheit und sinkt in argrarischen Schlaf. Doch so ganz kann Sir Jack seinen Ruhm nicht genießen, da Marta ihm die Leitung von „England, England“ streitig macht. Schließlich beginnen die Dinge sich zu verselbständigen und der falsche Robin Hood droht ein echter zu werden.
Witzig, entlarvend grotesk ist dieser Roman, der in der nahen Zukunft angesiedelt ist, eine spannende Lektüre und ein Feuerwek der Ideen.

"... ein überaus unterhaltsames Leseabenteuer."
Frankfurter Rundschau

"Lesen Sie einen Roman von Barnes, und Sie wollen alle lesen."
Die Weltwoche

"Julian Barnes beschreibt den Sieg des Künstlichen über das Echte mit allen Finessen und all dem Aberwitz, zu denen ihn seine vorausschauende Fantasie inspiriert hat."
Süddeutsche Zeitung



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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das kopierte England als Utopie, 24. April 2000
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: England, England (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hat mich sehr fasziniert, weil es leicht zu lesen ist und doch einen tiefsinnigen Hintergrund hat. Die literarische Suche nach einer idealen Welt, die Utopie, ist uralt und hat auch heute noch einen ganz speziellen Reiz. Barnes läßt seinen größenwahnsinnigen Sir Jack Pitman, der sich schon mal mit Ludwig II. von Bayern vergleicht, ein perfektes England auf der Isle of Wight errichten. Dieser Freizeitpark enthält ein auf seine (scheinbar) wichtigsten Bestandteile reduziertes Minikönigreich, das es Touristen ermöglichen soll, ohne lästigen Geldumtausch und Herumreisen ganz England zu sehen. Der Name dieses Inselreiches auf der kleinen Insel - England, England - verweist in seiner Steigerungsform auf den Maximalanspruch dieser utopischen Schöpfung. Doch wie in allen wahrgewordenen Utopien geht vieles schief. Die Schauspieler, die historische Persönlichkeiten verkörpern sollen, identifizieren sich entweder bis zu Verschmelzung mit diesen Figuren oder fangen an, die ihnen auferlegten Regeln zu verletzen. Robin Hood und seine Mannen laufen genauso wie die historischen Schmugglerbanden Amok. Gerade die Frage nach Original und Replik ist eine der zentralen Fragen des Buches, auf die schließlich die Heldin, Martha Cochrane, ihre Antwort findet: Es sind die Menschen, nicht die Gebäude oder "The Times", die das echte England ausmachen.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Eine Zumutung!, 18. September 2002
Von Ein Kunde
Als bekennender England-Fan wartete ich sehnsüchtig auf das Erscheinen des Taschenbuches, das ich auch gleich verschlang ... nun ja ... verschlingen wollte zumindest ... Aber dieser Barnes ist ja ein derart unsympathischer Zeitgenosse (oder zumindest erweckt sein Schreibstil diesen Anschein), daß ich mich im Endeffekt richtig durch das Buch durchquälen mußte. Ich bin sicher nicht ungebildet, aber jede Seite mit völlig ungebräuchlichen Fremdworten zuzustopfen, macht die Lektüre nicht wirklich einfacher. Diese gedrechselten fremdwortstrotzenden Wortkonstrukte sind eine wirkliche Zumutung. Und gerade der für England so typische schwarze Humor geht dem Buch völlig ab. Je weiter man vordringt, desto absurder wird die Handlung. Und die zwei, drei philosphischen Anklänge und die (zugegebenermaßen) ganz witzige Liste typisch englischer Begriffe machen das Buch trotzdem nicht empfehlenswert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Insgesamt doch gern gelesen, 1. Februar 2000
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: England, England (Gebundene Ausgabe)
"Barnes gut, Krueger setzen" möchte man sagen.

Es ist ja leider immer ein wenig arrogant, an der Übersetzung herumzumäkeln, doch wer (wie Gertraude Krueger) Hülsen wie "schlimmer geht's nimmer" und "klar wie Kloßbrühe" in den Text schummelt, hat einfach einen schlechten Job gemacht.

Das Buch selbst hat seine Stärken in den Auftritten des Historikers Dr. Max, der über die Begriffe "Original" und "Kopie" originell und präzise nachdenkt. Auch Sir Jacks Ausflüge zu Auntie May sind äußerst lesenswert, ebenso die ganze Darstellung der perfekt recherchierten Marketingwelt, die mindestens von hinten durchschimmert, meist jedoch gut beleuchtet mittig auf der Bühne steht. Schwach wird das Buch gegen Ende, wenn der zunehmend gelangweilte Leser mit der gealterten Martha im wieder mittelalterlichen Anglia sitzt (das ja als "Kopie" partiell auf die Isle of Wight transferiert wurde, schönes Schließen des Kreises) und darauf wartet endlich zu erfahren, wie es Sir Jack denn nun seinerzeit gelang, Martha wieder zu degradieren. Nur dadurch, daß Paul auf einmal die Seite wechselte, kann es nicht gelungen sein. Aber "Pustekuchen", um mit Gertraude Krueger zu sprechen, wir erfahren es nicht.

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Am 12. März 2002 veröffentlicht

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