Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Einsam und eisig, 13. Mai 2002
Von Ein Kunde
Während die Schauplätze der neun Erzählungen ganz unterschiedliche sind - so der Thurgau, New York, die Natur Schwedens oder ein italienisches Ferienhaus bei drückender Hitze -, gleichen sich die Ich-Erzähler dagegen auf markante Weise. Sie haben keinen starken inneren Antrieb, scheinen einsam, auch wenn sie mit einer Frau zusammen sind, und teilnahmslos. „Der ist tot.", meint etwa das Mädchen Stefanie lakonisch, als sie den Leichnam ihres Freundes im Wasser treiben sieht („Am Eisweiher"). Es gibt zwar Momente, in denen das Glück greifbar scheint. In den entscheidenden Augenblicken versagen aber Stamms Figuren. Sie erweisen sich als unfähig, ihre spontanen Gefühle mitzuteilen. Entweder finden sie die falschen, oder gar keine Worte. In „Was wir können" hat der Ich-Erzähler „einen Moment lang Lust, mir ihr [Evelyn] zu schlafen." Nur war es das dann auch. Glück widerfährt den Menschen nur, wenn sie den Geschehnissen passiv gegenüber stehen, wenn sie sich ihnen ausliefern. Das sind unvermittelte Augenblicke, in denen jedes gesprochene Wort zuviel wäre. Dementsprechend heisst es auch in den dem Erzählband vorangestellten Zeilen von Esther Mathews: „If there be one thing I can't talk of / That one thing do be love." Es ist eine zutiefst einsame Welt, die der Autor hier zeichnet. Das spiegelt sich auch in der Eismetaphorik („Blitzeis", „Eisweiher") wider. Stamm vermag seine Charaktere durch kleine, scheinbare unbedeutende Details zu zeichnen. Er beschreibt mehr und lässt die Dinge für sich sprechen, als dass er erklärt. Man begegnet etwa Evelyn aus „Was wir können", die spätabends noch in den Briefkasten schaut, obwohl sie ihn doch längst geleert hat. Zu ihrem 30. Geburtstag bekommt sie später einen Dildo geschenkt, schaut ihn aber nur peinlich berührt und unbeholfen an und lässt ihn in der Verpackung liegen. Peter Stamms Sprache ist schlank, macht selten Ausrufezeichen an der Oberfläche. Einige der Erzählungen sind diesbezüglich fast zu weit getrieben und stossen an die Grenze des Verständlichen. Es wäre aber verfehlt zu sagen, sie seien missglückt. Gute Literatur setzt nicht voraus, dass der Autor seinem Leser auf die Nase bindet, was sich in den Köpfen seiner Figuren abspielt. Wer mit einer solchen Erwartungshaltung liest, der wird Peter Stamm und seinen Erzählungen nicht gerecht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das ist es!!, 14. Juni 2002
In den letzten Jahren wurden viele Autoren von Erzählungen hoch gepriesen: Judith Hermann, Julia Frank, Jenny Erpenbeck... und dann natürlich noch Peter Stamm, der als einziger niemals enttäuscht. Wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dass da einer schreibt, als sei er ein Zeitgenosse von Carson McCullers und Ernest Hemingway, dann stellt man fest, dass Peter Stamm die klassische Kurzgeschichte perfekt beherrscht. In knapper, schmuckloser Sprache ohne jede Manierismen präsentiert Stamm seine Momentaufnahmen aus unserer Zeit. Verblüffend ist dabei, wie gut die klassische Form zum völlig gegenwärtigen Inhalt passt: Ruderurlaub in Schweden, Praktikum in New York - was sie halt so tun, die Angehörigen der Generation Golf. Durch meist ganz unspektakuläre Wendungen macht Stamm seine Szenen unvergesslich; meistens ist das ziemlich melancholisch, aber das sind ja fast alle guten Bücher. - Besonders hoch rechne ich es Peter Stamm an, dass er nie lügt: Um seine Geschichten interessant zu machen, braucht er keine originellen Unwahrscheinlichkeiten, denen man den Stolz des Autors anmerkt - und ihre Entstehung am Schreibtisch. Ein außergewöhnliches, wunderbares Buch, mit dem man es auch dann versuchen sollte, wenn man meint, keine Erzählungen zu mögen. Es lohnt sich!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Karge Kurzprosa, 4. November 2001
Von Ein Kunde
Stamms zweites Buch Blitzeis fällt qualitativ hinter den davor erschienenen Roman "Agnes" zurück. Zwar schafft er es, die Isolation des Großstadtmenschen zu vermitteln, der heimatlos in der Welt umherreist (die Erzählungen spielen jeweils an anderen Orten), dennoch vermag die Sprache nicht durchgehend zu überzeugen.Oftmals verliert sich Stamm bei der Beschreibung von Menschenbeziehungen des Ich-Erzählers in Wiederholungen, nach der dritten Storie hat man bereits das Gefühl, alle Texte zu kennen. Dies dämpft die eigentliche Originalität der Szenerien. Dennoch: immer wieder scheint ein geübter, feinsinniger Erzähler durch, der ein exaktes Gespür für die Probleme des menschlichen Zusammenseins hat. Des Weiteren gehen dem Leser die Themen in all ihrer Banalität nahe, man hat niemals das Gefühl, der Erzähler agiere aus einer Welt heraus, die man nicht selbst erleben könnte. In Allem eher zu 4 Sternen tendierend, da manche Geschichten sehr überzeugen. Ein gleichwertigeres Qualitätsniveau der Erzählungen wäre wünschenswert gewesen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|