Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Verstecken und suchen, 16. September 2008
Ian Rankins zweiter Kriminalroman mit John Rebus entstand in den Jahren 1988/89, während des Höhepunkts des Thatcherismus. In dieser Zeit, wo unter anderem rote Hosenträger wahnsinnig angesagt waren, schien es in manchen Bars kein anderes Gesprächsthema als die steigenden Grundstückspreise zu geben. Ian Rankin, mittlerweile mit seiner Frau in London lebend und nebenbei als Journalist tätig, war von Leuten umgeben, die alle mehr Erfolg hatten als er, Angestellte mit fetten Gehältern oder Schriftsteller mit fünfstelligen Garantierhonoraren. Aus heutiger Sicht erklärt diese damalige Situation den ziemlich bitteren Ton von "Das zweite Zeichen" (engl. "Hide & Seek") und spiegelt sich besonders in den Erinnerungen von Brian Holmes, Detective Sergeant und fortan treuer Gehilfe und Partner an Rebus' Seite, wider. Für ihn war die Zeit als Student in London "Eine Zeit in der Hölle". Im Gegensatz zum Vorgänger ist der der zweite Teil der Reihe also viel düsterer geworden, wenngleich handlungstechnisch nur wenige Monate seit "Verborgene Muster" vergangen sind.
John Rebus ist mittlerweile zum Detective Inspector befördert worden und soll in dieser Position die Antidrogen-Kampagne seines publicitygierigen Chefs unterstützen. Etwas wonach ihm wenig der Sinn steht, zumal ihm seine Freundin Gill Templer gerade den Laufpass gegeben hat. Da passt es ihm ganz gut, dass ein neuer Fall seine volle Aufmerksamkeit erfordert. In der heruntergekommenen Siedlung Pilmuir, wo die meisten leeren Gebäude, welche den Stadtvätern seit langem ein Dorn im Auge sind, von Hausbesetzern bewohnt werden, wurde die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Offenbar an einer Überdosis Heroin gestorben, scheint das auf den ersten Blick kein ungewöhnliches Ende in Pilmuir zu sein. Bis Rebus auffällt, dass der Körper des Toten von Blutergüssen übersäht ist und man im Nachhinein entdeckt, dass der "Stoff" von Ronnie McGrath mit reichlich Rattengift gestreckt wurde. Auch das an die Wand gemalte Pentagramm im Nebenraum irritiert den Inspektor, der sich nun mit aller Kraft in die Ermittlungen stürzt...
War das Debütwerk in seinem Aufbau noch stellenweise etwas unausgegoren, deutet Rankin hier nun seine Qualitäten mehr als an und setzt den Startpunkt für den Siegeszug dieser Serie, welche sich mittlerweile auch in Deutschland fortgesetzt hat. Obwohl Rebus seine, auf die harte SAS-Ausbildung zurückgehenden Psychosen, offenkundig abgelegt hat, sind ihm sein kauziger Charme und die schroffe Art erhalten geblieben. Und die Welt um ihn herum, die düstere Heimatstadt Edinburgh, ist auch wenig dazu geeignet, zur Frohnatur zu mutieren. So wäre es nur zu einfach Vergleiche mit Mankells Kurt Wallander zu ziehen, hätte Rankin seine Hauptfigur nicht mit einer Portion nachtschwarzen schottischen Humors ausgestattet, die im notorisch depressiven Umfeld immer wieder für lichte Momente sorgt. Bestes Beispiel ist Rebus' kühler Umgang mit dem strebsamen Brian Holmes. Die Frotzeleien zwischen den beiden sowie die jeweils geschilderten Gedankengänge lassen zwischenzeitlich kein Auge trocken und erlauben gleichzeitig einen Blick auf Rankins eigenen Charakter.
Der eigentliche Fall kommt im zweiten Band zwar anfangs etwas zäher in den Gang, zeigt jedoch wieder die Raffinesse des Autors, der eine Vorliebe für das abgedrehte zu haben scheint und dessen Plot dieses Mal sehr "Gothic"-like anmutet. Spannend und gegen Ende wieder sehr rasant liest sich aber auch diese Geschichte, da die Ermittlungen, die Rebus wieder auf eigene Faust führt, uns in die wohlbekannten Gewässer der Globalisierungsauswirkungen führt. Die Gewinner und Verlierer macht er allzu klar deutlich und hat damit bereits schon damals den Finger in eine Wunde gelegt, die auch heute noch weiter schwelt. Das Ende fügt dann nicht nur alles bestens zusammen, sondern weckt auch Erinnerungen an einen gewissen Film mit Brad Pitt und Edward Norton.
Insgesamt ist "Das zweite Zeichen" eine äußerst gelungener und sehr schottischer zweiter Kriminalroman, der feinsinnig und tiefgründig spannend unterhält, aufgrund seines eher langsamen Beginns die Qualität des ersten Bands aber nicht erreicht.
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Blick auf die dunkle Seite der Gesellschaft, 5. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Ian Rankins zweiter Roman über den melancholischen und eigenwilligen Kriminalisten John Rebus von 1990 führt seinen Protagonisten auf die dunkle Seite von Edinburgh - und auf die dunkle Seite der Gesellschaft. Der Fund eines toten Junkies, der an einen okkulten Ritualmord erinnert, führt Rebus in die feine High Society der Stadt, wo er auf eine schreckliche Verschwörung stößt. Während der erste und der nachfolgende Rebus-Roman von Serienkillern handeln, stellt der Mord nur ein Vehikel für ein größeres gesellschaftliches Verbrechen dar. Das hat den Vorteil, dass der Leser viel über die Stadt Edinburgh und ihre Gesellschaft zwischen Slums und Salons erfährt. Andererseits bleibt eine stringente Handlung mit konstantem Spannungsaufbau zeitweise auf der Strecke. Das tut dem Wert des Romans aber keinen Abbruch, sondern gerade Stammleser der Rebuswerke erfahren wieder etwas mehr über einen der außergewöhnlichsten Kriminalisten unserer Zeit, der stets zwischen falschem Spießbürgertum, Gesellschaftskritik, Weltschmerz, Nostalgie, Hierarchiekämpfen, One Night Stands und Gewaltausbrüchen hin- und her schwankt.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Rebus in Bestform, 29. Juni 2003
Ein geniales Buch!!!! Der Klappentext hört sich zunächst nach einem reinen Ritualmord an. Dies allein hört sich schon nach einem spannenden Fall für unseren Freund Rebus an. Der Fall entwickelt sich mit der Zeit dann aber völlig anders, als erwartet. Dies aber nicht unbedingt in's negative. Ich möchte nur soviel sagen: Die Freunde der reinen Blutorgien mit Satansopfern etc. werden nicht auf Ihren Anteil kommen. Die Freunde der Rebus Reihe können sich aber freuen: Der Inspector fährt zur Höchstform auf!!!! Es gibt ungemein viele neckische Kommentare und Gedanken, die irgendwie jeder wiederentdeckt (man findet machmal einfach Parallelen zum eigenen Schweinehund). John Rebus ist einfach zu menschlich. All die kleinen Fehler und Lästereien und Kommentare. Das macht einfach Rebus aus und wird in diesem Buch bis zum letzten ausgeschöpft. Ich fand dieses Buch bis jetzt am Besten (habe bis jetzt 3 dieser Reihe gelesen). Also: unbedingt kaufen und genießen!!!
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