Die Einbeziehung des Anderen: Studien zur politischen Theorie von Jürgen Habermas |
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Paul Berman steht in gewisser Weise prototypisch für die Hilflosigkeit links-liberaler Intellektueller im Umgang mit dem Al-Qaida-Terrorismus. Vom Dach seiner Brooklyner Wohnung sah er die Türme des World Trade Center in sich zusammenfallen. Zu unmittelbar erlebte er die Katastrophe, als dass er sich lediglich aufs beliebte "Bush-Bashing" hätte zurückziehen können. Er will die Wurzeln des islamistischen Terrorismus verstehen, ist aber weder Islamwissenschaftler noch Terrorismusforscher.
Paul Berman ist in den USA ein bekannter Publizist, schreibt für die New York Times und die New Republic und hat bereits zahlreiche Bücher im Bereich politischer Philosophie veröffentlicht. Und so versucht er denn auch, den Islamismus als politische Ideologie zu beschreiben. Genauer: als "Totalitarismus in seinem muslimischen Gewand", in dem der Totenkult des Nationalsozialismus und Stalinismus fortlebe. Dabei gerät das Unternehmen des Autors zu einem Rundumschlag, bei dem Saddam Hussein, Chomeini, Gaddafi, Al-Qaida und die Hamas in einen Topf geworfen werden.
Im ersten Teil werden die faschistischen Züge der irakischen Baath-Partei beschrieben -- wer wollte diese bestreiten? Doch warum muss ausgerechnet Saddam Hussein als Beispiel für muslimischen(!) Totalitarismus herhalten? War das Dritte Reich eine christliche Diktatur? Ebenso werden die Selbstmordattentate der zweiten Intifada mit dem zunehmenden Einfluss islamistischer Terrororganisationen begründet. Obwohl ein klassischer ethnisch-nationalistischer Konflikt, wird er hier als religiöser interpretiert. Jeder Terrorismus-Experte weiß, dass die Eskalation dieses Konflikts weitaus komplizierter zu fassen ist, weil hier "Reaktion-Gegenreaktion-Schemata" ebenso eine Rolle spielen wie der Kampf um mediale Aufmerksamkeit.
Problematisch ist auch der Hauptteil des Buches, in dem es um das religiös-ideologische Werk des ägyptischen Muslimbruders und Fundamentalismus-Begründers Sayyid Qutb geht. Unter Nasser gefoltert und ermordet, verfasste er im Gefängnis eine umfangreiche Koran-Exegese. Er beschreibt im Wesentlichen Erfahrungen einer widersprüchlichen, verwirrenden und entfremdenden Modernisierung, fordert eine zentrale Rolle für den Islam und begründet, so Berman, einen islamistischen Todeskult. Auch in diesem Teil des Buches stellt sich Paul Berman selbst unter "Orientalismus-Verdacht": Ohne die arabische Welt besonders gut zu kennen, geschweige denn zu verstehen, formuliert er weitreichende Thesen.
Die Stärken des Buches liegen dort, wo es zum leidenschaftlichen Plädoyer für liberale Werte wird. Berman ist auf die westlichen Regierungen ebenso wütend wie auf seine intellektuellen Kollegen, die je nach politischem Kalkül bzw. ideologischer Sentimentalität Diktatoren wie Saddam Hussein unterstützten und seine Gräueltaten ignorierten. Er ruft zur Unterstützung liberaler Ideen in Afghanistan und im Nahen Osten auf. Er plädiert für die globale Förderung der Zivilgesellschaft, um totalitären Ideen jeder Couleur auf Dauer den Boden zu entziehen. -- Henrik Flor
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