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180 von 192 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine fesselnde Geschichte einer faszinierenden Zeit, 7. Oktober 2009
Rebecca Gables neuem Roman "Hiobs Brüder" gelingt es, den Leser von den ersten Seiten an zu fesseln und in die Geschichte eintauchen zu lassen. Und so erscheint die Vorstellung eines Lebens ohne die allabendliche Lektüre von "Hiobs Brüder" und ohne das damit verbundene Abtauchen in diese so gänzlich andere, erschreckende und doch bunte und faszinierende Welt schon nach den ersten zwanzig Seiten ungemein betrüblich.
Auf einem verfallenen Inselgefängnis werden all jene eingesperrt, die durch körperliche und geistige Gebrechen gezeichnet sind, körperlich Deformierte oder geistig Behinderte, all jene eben, denen Fortuna schon bei ihrer Geburt nicht besonders wohlgesinnt war. Durch einen gewaltigen, zerstörerischen Sturm können manche von ihnen fliehen - und hier beginnt eine abenteuerliche Reise, eine Odyssee von acht Männern und Jugendlichen, von acht "Verlierern", die eine unverhoffte Chance bekommen: die Chance auf ein Leben in Freiheit.
Der Anführer der Gruppe ist Losian, der sein Gedächtnis verloren hat. Er leitet die Flucht und führt die Gruppe quer durch das (in der Mitte des 12. Jahrhunderts) vom Bürgerkrieg gebeutelte England, ist gleichzeitig aber auch auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte, auf der Suche nach seiner Vergangenheit.
Obwohl Gables Geschichte erneut im englischen Mittelalter spielt, geht die Autorin neue Wege:
Die Geschichte spielt diesmal weniger im Umfeld der Mächtigen, der Herrscher und Könige, der "Gewinner", sondern gibt verstärkt Einblick in das gesellschaftliche und kulturelle Leben im England des 12. Jahrhunderts und schildert vermehrt auch das Leben der normalen Bürger und der "Verlierer" dieser Zeit. "Hiobs Brüder" ist ein - wie sich Gable selbst ausdrückt - "historisches Road-Movie" vor dem Hintergrund des Englands um die Mitte des 12. Jahrhunderts.
Doch trotz allem ist auch "Hiobs Brüder" kein unpolitischer historischer Roman, denn Losians Suche nach seiner Vergangenheit und die Erkenntnisse, zu denen er dabei gelangt, machen ihm immer klarer, dass er mit Blick auf das Schicksal des erschütterten Englands keine unbedeutende Rolle gespielt hat - und je mehr er über sich selbst, über seine Vergangenheit, erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass er die Verantwortung für seine Taten, vor allem für seine Fehler, übernehmen muss und ihm das Schicksal des Landes nicht gleichgültig sein kann.
Denn Losian ist kein fehlerfreier, kein perfekter Held, sondern eine authentische Figur seiner Zeit, eine Figur mit Stärken und Schwächen, ist ein vielschichtig-facettenreich und glaubwürdig gezeichneter Charakter (diesbezüglich durchaus vergleichbar mit John, Raymond oder Julian of Waringham), dem es jedoch trotzdem von Anfang an gelingt, die Sympathien des Lesers zu gewinnen - zumindest bei mir war dies der Fall.
Und genau das ist eine der Stärken von Rebecca Gable: es gelingt ihr wie kaum einem anderen Autor, den Leser mit den jeweiligen Charakteren leiden und bangen, hoffen und enttäuschen, erheitern und erfreuen - kurz um: mit ihnen empfinden zu lassen, wodurch ein ausgeprägtes Identifikationspotential zwischen Leser und Figuren entsteht. Mehr und mehr fiebert man als Leser mit seinen Lieblingsfiguren mit; so war es schon bei den Waringhams oder Caedmon of Helmsby, und genau so ist es auch bei Losian.
Mit "Hiobs Brüder" gelingt es Rebecca Gable also erneut, Historisches und Fiktives in eine fast wundersame Einheit zu versetzen, weshalb mir der Roman mit seinen über 900 Seiten noch viel zu kurz erschien, da ich - auch wenn es pathetisch klingen mag - am liebsten immer weiter gelesen hätte, um immer tiefer in diese fremde, vergangene, aber immer vertrauter werdende Welt eintauchen zu können.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Da wäre mehr drin gewesen, 12. Oktober 2009
Eins vorne weg: Als echter Fan von Rebecca Gablés historischen Romanen sehe ich dieses Buch im Vergleich zu seinen Vorgängern. Trotz einigen Kritikpunkten gehört es für mich deshalb immer noch mit zu den lesenswertesten Vertretern seines Genres.
Merkwürdig, wie schnell 900 Seiten vorbei sein können. Diese Erkenntnis kam für mich als Kenner einiger anderer Romane der Autorin natürlich nicht überraschend- überrascht hat mich allerdings das Gefühl, das "Beste" verpasst zu haben, das sich nach der Lektüre einstellte. Trotz der unbestreitbaren Länge des Romans scheint die Autorin sich diesmal weder für die historischen Persönlichkeiten, noch für die Entwicklung der fiktiven Charaktere besonders viel Zeit genommen zu haben. Das liegt wohl teilweise am Aufbau der Geschichte, der diesmal vom bewährten Schema abweicht. Hiobs Brüder beginnt nicht mit einem jungen Protagonisten in der überschaubaren Welt seiner Kindheit, der dann auszieht, um Erfahrungen zu machen und den bedeutenden Persönlichkeiten der Weltgeschichte zu begegnen, sondern mit einem Mann, der nach dem Verlust seines Gedächtnisses und seiner Stellung zu den Ausgestoßenen der Gesellschaft gehört. Die verwirrten und verlorenen Hauptpersonen passen gut zur Darstellung einer Epoche, die als die Anarchy bekannt ist. (Leser von Ken Follett dürften mit dieser Zeit übrigens schon vertraut sein. Da Die Säulen der Erde sich aber nur am Rand mit politischen Entwicklungen beschäftigt und über weite Strecken eher eine Art literarischer Kostümporno ist, hält sich die Wiedererkennung in Grenzen.)
Das erste Drittel des Romans, in dem der Leser mit der chaotischen Situation im Land vertraut gemacht wird, ist eindeutig der eindrucksvollste Teil. Es hat seelische Abgründe, skurrile Figuren und ein spannendes Geheimnis zu bieten. Nachdem der Protagonist Losian/Alan sich erwartungsgemäß als wichtiger Mann herausgestellt hat, weist die Geschichte allerdings doch einige Schwächen auf. Die romantischen Verwicklungen, die zu Alans Geburt geführt haben, wirken in der Nacherzählung ziemlich unglaubwürdig und weit hergeholt. Auch der Konflikt mit seinem Cousin und seiner Frau macht einen merkwürdig lieblosen Eindruck. Überhaupt werden die weiblichen Figuren diesmal hastig abgehandelt. Eleonore von Aquitanien, dem "It-Girl" ihrer Zeit, wird ebenso wie der streitbaren Kaiserin Maud nur ein sehr kurzer Auftritt zugestanden, für die Charakterisierung von Alans Frauen bleibt so wenig Raum, dass der Leser sich auf dessen persönliche Einschätzung verlassen muss: Miriam ist äußerlich gelassen, aber klug und lebhaft, Susanna dagegen dumm und niederträchtig (Was man offenbar schon daraus schließen sollte, dass sie wie ihre Vorfahrin Beatrice Baynard aus Das zweite Königreich aussieht). Auch Alan ist als Protagonist weit weniger interessant, nachdem sich herausgestellt hat, dass sein dunkles Geheimnis darin besteht, Zeuge eines Verbrechens geworden zu sein.
Überhaupt fehlt der Geschichte in den beiden letzten Teilen ein grundlegender Konflikt, wie etwa in Das Lächeln der Fortuna Robins Kampf um Waringham, oder Caedmons Kampf um Aliesa in Das zweite Königreich, oder Julians Interessenskonflikt zwischen Sympathie für Edward und Loyalität zu den Lancasters. Für jedes Problem wird diesmal gleich eine Lösung gefunden, und auch mit Schicksalsschlägen hält die Autorin sich zurück. Sterben müssen nur die Bösen; kann sich jemand nicht entscheiden, wird ihm das auch durch das Schicksal abgenommen. Irgendwie läuft hier alles immer ein bisschen zu glatt und geht zu schnell. Das liegt wohl auch daran, dass der Zeitrahmen diesmal wesentlich enger gesteckt ist als sonst.
Natürlich ist es Geschmackssache, ob man sich von einem historischen Roman die Darstellung einer längerfristigen Entwicklung oder die genaue Schilderung gesellschaftlicher Verhältnisse zu einem Zeitpunkt in der Geschichte wünscht. Meiner persönlichen Meinung nach führt die Beschränkung hier dazu, dass Gablé einen ihrer größten Pluspunkte, nämlich ihr historisches Fachwissen, weniger zur Geltung bringen kann als in den vorangegangenen Büchern. Ich hoffe, diese Entscheidung hängt nicht damit zusammen, dass der Trend in der historischen Literatur zur Zeit zu Krimis geht, oder damit, dass ihr jemand nahe gelegt hat, sich kürzer zu fassen. Simon, Godic und Wulfric, King Edmund, Henry Plantagenet und Aliénor hätten mich auch noch über weitere zweihundert Seiten gefesselt. Für Fans langer und gut recherchierter historischer Romane führt an Rebecca Gablé zur Zeit kein Weg vorbei. Hoffentlich lernt sie auch in Zukunft nicht, sich kurz zu fassen.
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114 von 137 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
hervorragendes Thema, interessant erzählt, aber sehr einseitige Figuren, 6. Oktober 2009
Das neue Buch von Rebecca Gablé befasst sich mit einem sehr ungewöhnlichen Thema. Es handelt von Menschen, die entweder ein körperliches oder geistiges Manko haben. Auf eine Insel werden alle Kreaturen gebracht, die vor Gott nicht einwandfrei geschaffen sind. Mönche bringen diesen Mensch, oder Krüppel, einmal in der Woche das Allernötigste zum Leben vorbei, ansonsten sind ganz auf sich alleine gestellt. Unter ihnen befinden sich Losian, der sein Gedächtnis verloren hat und Simon, der an epileptischen Anfällen leidet.
Als nach einem gewaltigen Sturm ihr Gefängnis auf der Insel zerstört wird, bietet sich einigen von ihnen die Chance zur Flucht...
Ich war äußerst gespannt auf das neue Buch von Rebecca Gablé und begann sofort zu lesen als ich es erhielt.
Das Thema ist ungewöhnlich, aber schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass die Autorin es hervorragend verstanden hat, dieses doch nicht so einfache Thema mit dem entsprechenden Feingefühl so aufzubereiten, dass eine spannende und vielschichtige Geschichte entsteht.
Die Protagonisten sind Losian und der junge Simon. Weitere äußerst wichtige Figuren sind Oswald, ein Junge mit Down Syndrom, Luke, der meint, dass eine Schlange in seinem Bauch wohne, Wulfric und Godric, die siamesischen Zwillinge, King Edmund, der sich für einen Heiligen hält und letztendlich noch Regy, ein bestialischer Massenmörder.
Alleine die unterschiedlichen Figuren verheißen eine interessante Geschichte und Rebecca Gablé enttäuscht den Leser auch nicht. Vielschichtig, bunt und in einem rasanten Tempo nimmt die Geschichte einem von Beginn an mit in diese eigentümliche Welt mit den sonderbaren Gestalten. Simon kommt sich minderwertig vor, da er immer damit rechnen muss, einen Anfall zu bekommen. Eigentlich wäre er der Erbe des großen Gutes seines Vaters, der bereits verstorben ist, aber sein Onkel hat ihn verraten und wegen der Fallsucht verstoßen. Losian kann sich an nichts mehr erinnern. Er weiß nur, dass er einen Mantel der Kreuzfahrer trug, als man ihn verletzt fand und da er jede Nacht von schrecklichen Albträumen heimgesucht wird, ist er sich sicher, dass er in der Vergangenheit Schreckliches getan haben muss.
Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht und was die doch etwas sonderbar anmutende Gruppe alles erlebt Ich war wirklich begeistert, da ich von der Autorin auch die Trilogie über die "Waringhams" las, die mir zwar sehr gut gefiel, aber als großes Manko die sehr schwarz/weiß gezeichneten Figuren auffielen. Sehr positive überraschte mich nun dieses Buch. Aber leider nur so lange, bis Losian sein Gedächtnis wieder findet und aus ihn ein nicht unbedeutender Mann wird...
Ab diesem Zeitpunkt wird das Buch wieder ein "typischer Gablé". Typisch dahingehend, dass die Autorin eine selten feine Begabung hat, den Leser so an ihre Erzählung zu binden, dass er sich in einem richtigen Sog befindet und einfach weiter lesen muss. Typisch weiters, dass die politischen Hintergründe nicht nur perfekt und akribisch recherchiert sind, sondern auch wunderbar mit der Erzählung verwoben sind.
Aber leider auch typisch dahingehend, dass die Figuren sehr stark abgegrenzt in Gut und Böse sind. Gablé ist zwar bemüht ihrem Protagonisten einen vielschichtigen Charakter zu vermitteln, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie trotzdem nicht an seinem perfekten Lack kratzen möchte und so lässt sie all die "schlimmen Dinge" seinem ersten "Ich" tun und jetzt, nach dem er sein Gedächtnis wieder gefunden hat, tritt die wundersame Wandlung ein und er wird wieder ein perfekter Held.
Die einzig wirklich herausragende Figur ist die von Regy. Regy (eigentlich Reginald de Warenne) erinnert einen unweigerlich an "Hannibal Lecter" vom "Das Schweigen der Lämmer". Äußerst intelligent, aber unberechenbar. Meines Erachtens die beste Figur aller Bücher die ich bis jetzt von der Autorin las.
Auch auf die sehr ausgeschmückten und detailliert beschriebenen Sexszenen hätte ich gut und gerne verzichten können.
Fazit: Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit äußerst interessanten Einblicken in die Politik des 12. Jahrhunderts. Wer sich nicht daran stört, dass die Protagonisten die Guten sind ohne Fehl und Tadel und die Bösen so richtig böse, wird mit diesem Roman ein wunderbares Buch in den Händen halten. Wer jedoch auf anspruchsvolle Kost mit vielschichtigen Figuren hofft, wird enttäuscht werden.
Letztendlich ist ausschlaggebend was man sich erwartet und was man lesen möchte. Unbestritten ist, dass Gablé eine begnadete Erzählerin ist (obwohl die Sprache nicht außergewöhnlich ist), die es versteht, den Leser so zu fesseln, dass er das Buch unbedingt zu Ende lesen möchte.
Gerne gäbe ich 3 1/2 Sterne, da dies aber nicht möglich ist und die Figuren wieder so einseitig geschaffen sind wie in den vorhergehenden Büchern, vergebe ich nur 3.
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