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Nach dem 1996 erschienenen
Salz der Erde legt Peter Seewald einen zweiten Band von Gesprächen mit Kardinal Ratzinger vor. Entstanden im Februar 2000 in der weltberühmten Benediktinerabtei Montecassino, durch große thematische Bögen geordnet, in eher lockerer Fügung, fast mosaikartig, gewinnen sie ihre Einheit durch die beständig umkreiste Mitte des christlichen Glaubens. Die angesprochenen Themen reichen von Glaube, Hoffnung, Liebe über Grundfragen der Ethik, Jesus Christus bis hin zu Kirche, Liturgie und Sakramenten.
Seewald übernimmt die Rolle des kritisch nachfragenden, oft skeptischen Zeitgenossen. Ratzinger weicht keiner Schwierigkeit aus, ja oft vertieft er zunächst das von Seewald aufgeworfene Problem. In nie ermüdender Geduld und erstaunlicher Antwortfähigkeit, mit beeindruckender synthetischer Kraft zieht er die Grundlinien des Glaubens aus, um alle diese Linien wieder in seiner Mitte zusammenzuführen. Ratzingers zu Recht viel gerühmte Einführung in das Christentum (1968) hat so in ihrem Anliegen in der Gestalt des Gesprächs eine großartige neue Form gefunden, die inhaltlich denn auch durch ihr Gespür für die aktuellen Herausforderungen in Kultur und Gesellschaft besticht.
Nur wenig ist kritisch anzumerken: Allein aus der intellektuellen Biografie Ratzingers ist sein unnötiges, allenthalben spürbares und nur leise eingeschränktes Ressentiment gegen die historisch-kritische Methode in der Bibelwissenschaft zu erklären. Peinlich (und vermutlich vom Verlag zu verantworten) ist indes der Text des Rückumschlags, der Ratzinger als "einen der größten christlichen Gelehrten seit Thomas von Aquin" apostrophiert. Die vollendete Maßstabslosigkeit dieser Aussage zeigt aber nur einmal mehr die Notwendigkeit des Anliegens dieses großen und wichtigen Buches: die Einführung in die Mitte des christlichen Glaubens. --Martin Brüske
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Wissenschaft-Online
Hat der christliche Glaube dem aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts noch etwas zu sagen? In einer Welt, in der die Wissenschaften den einstmals geheimen Bauplänen des Universums und des Lebens zunehmend auf die Spur kommen und das Denkbare immer rascher auch zum Machbaren wird? Oder ist die christliche Lehre längst als Mythos entlarvt und die existenzialistische These belegt, dass der Mensch zur Freiheit verdammt sei (Sartre) und die ethisch-moralischen Grenzen seines Handlungsspielraums eigenverantwortlich zu bestimmen habe? In seinem neuem Buch Gott und die Welt nach dem 1996 erschienenen Salz der Erde abermals in Form eines unterhaltsamen Dialogs mit dem ehemaligen Spiegel- und Süddeutsche Zeitung-Redakteur Peter Seewald verfasst meint Ratzinger, der Präfekt der katholischen Glaubenskongregation, allein die christliche Glaubenslehre sei im Stande, verbindliche Standards für das Gelingen menschlichen Lebens aufzurichten und letzte Grenzen unseres Machens, Könnens und Dürfens aufzuzeigen. Das allein mag für den Agnostiker freilich nicht Grund genug sein, sich dem christlichen Glauben anzuschließen, dessen Aussagen von Ratzinger selbst als oft schwer verständlich und schwer annehmbar bezeichnet werden. Und so unternimmt der oberste Hüter der katholischen Lehre den Versuch, in drei großen Kapiteln, Von Gott, Von Jesus Christus und Von der Kirche, die zentralen Axiome des christlichen Glaubens versteh- und damit annehmbarer zu machen. Seine Ausgangsthese ist darin ist Ratzinger ganz Katholik , dass die Grundaussagen des christlichen Glaubens zumindest in Grenzen verstandesmäßig erfassbar seien ohne dass es freilich eine erschöpfende Beweisbarkeit im naturwissenschaftlichen Sinne gebe. In einer zunehmend säkularen Gesellschaft, die sich ihrer christlichen Wurzeln in steigendem Maße nicht mehr vergegenwärtig ist und Orientierungslosigkeit zu einem Massenphänomen wird, kann dieser Einführung in das Christentum nur eine weite Verbreitung gewünscht werden. Rezensent: Markus Rau
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.