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5.0 von 5 Sternen
Spannend, intelligent, unterhaltsam, lehrreich, aufklärend, 23. Oktober 2002
Carl Sagans Buch "Der Drache in meiner Garage" handelt von Wissenschaft, von bloßen Behauptungen und davon, wie man beides voneinander unterscheidet.Carl Sagan erlag 1996 einem Krebsleiden. 1934 in New York geboren, wurde er Professor für Astronomie und Weltraumforschung. Als führender Mitarbeiter bei der NASA hatte er maßgeblichen Anteil an den Viking-Missionen, den Sonden, die in den 1970ern auf dem Mars landeten und von dort Bilder und wissenschaftliche Daten zurückfunkten. Besonders verdient gemacht hat er sich um die Popularisierung der Wissenschaft. In dutzenden von Büchern und Artikeln versuchte er, seine Begeisterung für die Wissenschaft und seine durch sie geprägten humanistischen Ansichten einem breiten Publikum zu vermitteln. In Deutschland wurde er Anfang der 1980er durch seine Fernsehserie "Unser Kosmos" bekannt. Die meisten seiner Bücher haben mit moderner Physik, Biologie und Geologie zu tun, vor allem aber mit der Erforschung des Weltraums. Während die Geschichte und die Methoden der Wissenschaft in den meisten seiner Veröffentlichungen eine Rolle spielen, rücken sie selten so in den Vordergrund wie in "Der Drache in meiner Garage oder Die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven". Der Originaltitel des 500-seitigen Schmökers, "The Demon-Haunted World. Science as a Candle in the Dark", beschreibt Sagans zentrale These ganz gut. Zwar hat wissenschaftliches Denken viele "Dämonen" vertrieben - wir wissen heute, daß Bakterien und Viren Krankheiten verursachen, und nicht böse Geister, wir wissen, daß Epilepsie eine behandelbare Störung ist, und kein Fluch, wir wissen, daß Hagel zufällig durch besondere Bedingungen in der Atmosphäre entsteht, und verbrennen keine "Wetterhexen" mehr. Aber dafür sind andere Dämonen heute an ihre Stelle getreten: Viele Menschen fürchten, von UFOs entführt werden zu können oder sogar schon mal entführt worden zu sein, haben Angst, wenn das Tageshoroskop oder ein Wahrsager etwas schlimmes vorhersagt, oder hängen der "Rassenkunde" und anderen Pseudowissenschaften an, aufgrund derer sie anderen das Leben schwer machen. Außerhalb der wissenschaftlichen Insiderkreise ist die Welt, in der sich viele heute glauben, noch genauso düster und dämonenbevölkert wie im Mittelalter. Die Dämonen haben nur ihre Namen gewechselt. Ihre Dämonen-Austreiber, die vom Aberglauben gut und bequem leben können, auch. Geändert hat sich wenig. Sagan zeigt, daß wissenschaftlich-skeptisches Denken kein Privileg hochausgebildeter Spezialisten sein muß. Für das Spiel des Forderns und Gebens von Gründen und Belegen gibt es keine Zulassungsbeschränkung. Schon steinzeitliche Jäger gehen im Grunde wissenschaftlich vor, wenn sie ihr Wild anhand von Spuren aufspüren und sich von anderen gefundene Spuren zeigen lassen, statt vagen Ahnungen blind zu vertrauen. Wissenschaft und Pseudowissenschaft sind für Laien oft schwer zu unterscheiden, auch weil Aberglaube sich heute gern einen wissenschaftlichen Anstrich gibt. Nicht nur Physiker, sondern auch Esoteriker sprechen oft von "Schwingungen" und "Strahlen". Wie Archäologen aus wenigen Überresten auf geschichtliche Ereignisse zurückschließen, ist ohne Vorwissen kaum leichter zu durchschauen als Dänikens aberwitzige Schlüsse. Die Piepsgeräte, die bunten Pillen und das Fachchinesisch von Ärzten wirken auf Außenstehende ähnlich geheimnisvoll wie das Getaste, die Quacksalben und das Geraune der Wunderheiler aller Sparten. Wenn Wissenschaftler mit SETI nach Außerirdischen suchen, warum sind sie so skeptisch bei UFO-Berichten? Zu vielen der populären Aberglauben liefert Carl Sagan wissenschaftliche Fakten, allgemeinverständliche Erläuterungen und Hintergrundkenntnisse, mit denen die neuzeitlichen Dämonen sich so wirksam in Luft auflösen lassen wie viele der Vergangenheit. Wer einige seiner Einbildungen gegen etwas mehr Allgemeinbildung tauschen will, ist mit diesem Buch bestens bedient. Gut lesbar, verständlich und spannend ist es ohnehin, also: Uneingeschränkte Empfehlung!
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